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14.07.2008 
US-Wahl

Obamas Vorsprung schwindet

Monatelang befand sich Barack Obama im Aufwind. Nun sieht sich der demokratische US-Präsidentschaftsbewerber mit einer ungewohnten Situation konfrontiert: Einer Umfrage zufolge fliegen ihm deutlich weniger Wählerherzen zu. Und auch die Diskussion um einen möglichen Auftritt am Brandenburger Tor bringt Obama daheim nun in Schwierigkeiten.

Barack Obama hat in wichtigen Streitfragen seine Position geändert - und enttäuscht einen Teil seiner Anhänger. Foto: apLupe

Barack Obama hat in wichtigen Streitfragen seine Position geändert - und enttäuscht einen Teil seiner Anhänger. Foto: ap

HB WASHINGTON. Barack Obama muss um seinen Vorsprung in der Wählergunst bangen. Laut einer Erhebung des Nachrichtenmagazins "Newsweek" führt Obama nur noch mit drei Prozentpunkten vor seinem republikanischen Rivalen John McCain. Angesichts einer Fehlermarge von ebenfalls drei Prozent ist dieser Unterschied statistisch zu vernachlässigen. Eine Umfrage Ende Juni hatte Obama noch 15 Prozentpunkte in Führung gesehen.

Der neuen Umfrage zufolge wollen 44 Prozent der Wähler im November für Obama stimmen und 41 Prozent für McCain. Fünfzehn Prozent zeigten sich noch unentschlossen. 53 Prozent der Befragten - darunter 50 Prozent der ehemaligen Unterstützer der parteiinternen Konkurrentin Hillary Clinton - waren der Ansicht, Obama habe um des politischen Vorteils willen seine Positionen in wichtigen Streitfragen geändert. Die Zahlen decken sich mit den Ergebnissen anderer Erhebungen.

Enttäuscht sind viele Obama-Anhänger über den Schwenk ihres Kandidaten in der Irakpolitik sowie über seine Zustimmung zu einem umstrittenen Abhörgesetz, das Straffreiheit für Telefongesellschaften vorsieht, die sich an umfassenden Lauschaktionen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 beteiligten. Kritiker sehen durch das Gesetz die Bürgerrechte massiv gefährdet.

Unruhe in Obamas Wahlkampf bringt auch die Diskussion um einen möglichen Auftritt am Brandenburger Tor während seines Deutschlands-Besuchs in der kommenden Woche. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel davon wenig begeistert ist, hat sich in den USA inzwischen herumgesprochen. Obama äußerte am Wochenende die Hoffnung, dass Bedenken der deutschen Regierung ausgeräumt werden könnten. "Ich will sichergehen, dass meine Botschaft gehört wird und damit keine Kontroverse auslösen", erklärte der Präsidentschaftsbewerber der Demokraten.

Ziel sei es darzulegen, wie er sich die Rolle der künftigen Regierung beim Wiederaufbau eines transatlantischen Bündnisses vorstelle. Er wolle nicht, dass der Ort seiner Rede davon ablenke, sagte Obama. Deshalb bemühe er sich mit den Zuständigen vor Ort darum, einen angemessenen Ort zu finden. Obamas Besuch in Berlin ist für den 24. Juli vorgesehen.

Auf der Reise in europäische Hauptstädte, in den Irak und nach Afghanistan wird Obama von dem republikanischen Senator Chuck Hagel und den demokratischen Senator Jack Reed begleitet. Beide haben einen militärischen Hintergrund und werden trotz ihrer unterschiedlichen Parteizugehörigkeit als mögliche Vizepräsidentschaftskandidaten gehandelt. Hagel und Reed seien Experten für Außenpolitik und spiegelten einen überparteilichen Ansatz wider, sagte Obama.

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