Barack Obama wird sehr wahrscheinlich von den US-Demokraten ins Rennen um die Präsidentschaft geschickt, auch wenn Hillary Clinton am Mittwoch bekräftigte, sie halte ihre Kandidatur aufrecht. Der harte Vorwahlkampf hat Obama zusätzliches Profil verliehen. Damit dürfte er gute Chancen gegen die Republikaner haben. Nur eine Frage könnte ihm noch zum Verhängnis werden.
Barack Obama liegt im Rennen um die US-Präsidentschaftskandidaur der Demokraten klar vorne. Nun werden die Kräfte gegen Republikaner McCain gesammelt. Foto: dpa
WASHINGTON. Es war zwei Tage nach der Niederlage in Pennsylvania als Barack Obama in seinem Haus in Chicago seine Frau und seine engsten Mitarbeiter um sich versammelte. Zwei Stunden lang beriet die Runde an diesem 24. April, was nun zu tun sei, wie die nächsten Wahlen wieder gewonnen werden könnten. Am Ende setzte sich Obamas Linie durch: Schluss mit dem Negativstil, Schluss mit den Sticheleien gegen seine Gegnerin Hillary Clinton, zurück zu jenen Botschaften, mit denen er so viele Wahlen gewonnen hatte, zurück zu Hoffnung und Wandel.
So beschreibt die „Washington Post“ die jüngste Metamorphose der Obama-Kampagne. Und tatsächlich waren von Obama danach kaum noch jene Schmähungen an die Adresse von Clinton zu hören, auf die er sich zuletzt immer wieder mal eingelassen hatte – die ihm in Pennsylvania jedoch nicht nutzten. Was Obama dagegen stets glaubte: Eine Beteiligung an der politischen Schlammschlacht entfremdet ihn von seinen Anhängern und von sich selbst. Also sprach Obama in den vergangenen zwei Wochen kaum noch über Clinton, sondern wieder – authentisch – über seine Themen.
Und er ging Provokationen aus dem Weg. Etwa, als Hillary Clinton bei dem wohl größten Polemiker im US-Fernsehen, Bill O'Reilly auf Fox News, ziemlich schnippisch erklärte, sie wäre nicht in der Kirche des irrlichternden Reverend Wright geblieben. Jeremiah Wright, Obamas Pastor aus Chicago, hatte da gerade einen größeren politischen Gau verursacht und den Senator aus Illinois mit Kommentaren über Terror, El Kaida und Aids in erhebliche Schwierigkeiten gebracht. Der Schaden war schon so groß genug, Hillarys Einlassungen hätte es nicht noch extra bedurft. Doch Obama keilte nicht zurück, sondern tourte mehr denn je durch North Carolina und Indiana.
Der Erfolg vom Dienstag, vor allem der ausgebaute Vorsprung bei den Delegierten werden deshalb in der Obama-Kampagne viel höher eingeschätzt, als es die reinen Zahlen ausdrücken. Denn mit dem Sieg in North Carolina und der nur hauchdünnen Niederlage in Indiana ist es dem 46-jährigen Senator geglückt, sich aus dem größten Tief seiner bisherigen Kandidatur zu befreien. Der Skandal um Jeremiah Wright hatte das Potenzial, den Obama-Express zum Weißen Haus völlig aus der Spur zu werfen. Denn am Beispiel von Wright türmten sich auf einmal jene Überlegungen auf, die in den USA schon so manchen Kandidaten zu Fall gebracht haben: die Frage nach dem Charakter. Wer ist dieser Obama eigentlich, der es 20 Jahre mit einem wie Wright ausgehalten hat, spekulierten die Medien – und die Wähler. Fragen, die wie purer Sprengstoff wirken können.
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Nach North Carolina und Indiana darf Obama hingegen hoffen, dass die Wright-Kontroverse an Bedeutung verliert, dass sich das Interesse jetzt auf Hillarys Schieflage konzentriert und dass am Ende vielleicht sogar noch Gutes aus dem pastoralen Desaster erwächst. Wer Tiefschläge übersteht, der gilt als gestählt: Immerhin kann nun auch Obama für sich geltend machen, einige Narben abbekommen zu haben. Ein Argument im Übrigen, dass bei so manchem Superdelegierten durchaus Gewicht hat. Denn dort gibt es eine nicht gerade kleine Fraktion, die Obama wegen seiner Unerfahrenheit, seiner Jungenhaftigkeit für schlecht gerüstet hält.
Gerüstet eben für die Auseinandersetzung mit dem Republikaner John McCain. Immer wieder wird bei den Demokraten das Schreckgespenst von der republikanischen „attack-machine“ heraufbeschworen, die schon so manchen Demokraten in die Knie gezwungen habe. So wie 2004 John Kerry, dessen Kriegsdienst in Vietnam in republikanischen TV-Spots zur Drückebergerei („Swift-Boat“) karikiert wurde. Die Sorge, dass sich Obama solchen Angriffen nicht zu erwehren wisse, hat viele in der Parteispitze für Hillary Clinton eingenommen. Nach Obamas geschicktem Krisenmanagement in Sachen Wright dürfte der Senator bei dieser Klientel jedoch Punkte gesammelt haben.
Entkräftet hat Obama mit seinem Abschneiden in Indiana aber auch das Clinton-Argument, er komme bei der weißen Arbeiterschaft nicht an. Vier von zehn Wählern dieser Gruppe gaben Obama ihre Stimme. Und bei allen, denen insbesondere die amerikanische Wirtschaftskrise auf den Nägeln brennt, haben Obama wie Clinton fast gleichgut abgeschnitten. Clintons populistischer Vorschlag einer zeitweiligen Befreiung von der Benzinsteuer zog ganz offensichtlich nicht.
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Auf manchen Demokraten wird der Wahlabend des 6. Mai jetzt wie eine Befreiung wirken. Denn erstmals ist ein Ende der Dauerfehde in Sicht. Und: Die Partei ist schon lange bereit, den strahlenden Sieger Barack Obama auf den Schild zu heben. Sie hat bislang nur auf bessere Gründe gewartet. 155 Delegierte Vorsprung sollten nun aber Grund genug sein.

