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24.07.2008 
Obama in Berlin

Verneigung vor dem „Messias“

von Andreas Rinke

Es ist soweit: Die Sondermaschine mit dem amerikanischen Hoffnungsträger Barack Obama an Bord ist in Berlin gelandet. Doch die Erwartungen an den US-Präsidentschaftsbewerber sind kaum erfüllbar – der seit Wochen diskutierte Obama-Auftritt gilt als Vabanque-Spiel. Aber selten hat ein ausländischer Politiker die Hauptstadt derart elektrisiert.

Obama vor dem Besuch in Berlin: Auf der Suche nach den guten Bildern. Foto: ReutersLupe

Obama vor dem Besuch in Berlin: Auf der Suche nach den guten Bildern. Foto: Reuters

BERLIN. US-Präsidentschaftsbewerber Barack Obama traf am Donnerstagvormittag in Berlin ein. Seine Sondermaschine landete, aus Israel kommend, auf dem militärischen Teil des Flughafens Tegel. Und noch von anderer Seite gab es gute Neuigkeiten: Die Rede des designierten US-Präsidentschaftskandidaten an der Siegessäule wird laut Wetterdienst am Abend wohl nicht im Regen untergehen. Aufatmen in Baracks Lager.

Der seit Wochen diskutierte Obama-Auftritt in Berlin gilt als Vabanque-Spiel. Um einen guten Eindruck bei den amerikanischen Wählern zu erzeugen, müssen die Bilder, die die US-Fernsehanstalten über den Atlantik senden, stimmen. Dazu gehören harmonische Bilder der politischen Treffen mit der Bundeskanzlerin und dem Bundesaußenminister. Dazu gehört aber auch der Jubel von möglichst vielen Menschen, die Obama sehen wollen. Dies soll überdecken, dass der Amerikaner außenpolitisch im Vergleich zu seinem republikanischen Widersacher John McCain alles andere als erfahren ist.

Um zu verhindern, dass Obama anders als die Loveparade oder die Fußball-Nationalmannschaft die Fanmeile nicht füllen kann, werden deshalb seit Tagen Handzettel verteilt. Plakate werben für den „kostenlosen“ Auftritt, selbst die Berliner SPD fordert dazu auf, zum Obama-Auftritt zu strömen – dabei steht der Amerikaner in Deutschland gar nicht zur Wahl.

Doch selten hat ein ausländischer Politiker die deutsche Hauptstadt derart elektrisiert wie Obama. Obwohl der Senator aus Illinois noch nicht einmal offizieller Kandidat der Demokraten ist, bekommt er wesentlich mehr Aufmerksamkeit als der amtierende Präsident George Bush oder sein Vater je erhalten haben. Die Vergleiche mit John F. Kennedy, der für die Hauptstädter seit seinem Auftritt 1963 mit der Aussage „Ich bin ein Berliner“ zur Polit-Ikone wurde, sind überall greifbar. Mit Missmut verfolgt man in der US-Botschaft, dass sich Deutschland völlig auf den kommenden, wahrscheinlichen Präsidenten ausrichtet.

Deshalb sieht sich mittlerweile auch jeder, der in Deutschland auch nur am Rande mit den USA zu tun hat, genötigt, Stellung zu beziehen. Jedes Steinchen wird umgedreht, um einen Bezug zu Obama zu finden. Welche Blüten die deutsche „Obamania“ treibt, zeigt am besten die „Exklusivmeldung“ des „Zeit“-Magazins, das nun einen deutschen Ururururururgroßvater Obamas ausgemacht haben will, der 1749 nach Amerika ausgewandert sein soll. Obama, so die unterschwellige Botschaft, ist quasi einer „von uns“.

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