Offiziell eingestehen will sie es noch nicht. Doch Hillary Clinton hat nach dem viel zu knappen Sieg bei den Vorwahlen der Demokraten in Indiana vermutlich erkannt, dass ihr Traum von der Präsidentschaftskandidatur praktisch vorbei ist. Für einen kurzen Moment schimmerte diese Erkenntnis durch, als sie in Indianapolis vor ihre Anhänger trat.
Nicht gerade eine Siegerpose: Hillary Clinton mit Senator Evan Bayh auf der Wahlparty in Indianapolis. Foto: ap
WASHINGTON. Der Morgen danach begann wie fast jeder Tag seit Beginn des schier endlosen Wahlmarathons. Um 6:35 Uhr flatterte die übliche E-mail der Clinton-Kampagne in die Inbox der Reporter und erinnerte an die geplanten Auftritte der Kandidatin. Mittags würde Hillary Clinton an der Uni in Shepherdstown in West Virginia über die Wirtschaft sprechen, abends in Washington über die Lage der Frauen. Die Morgenshows der US-Fernsehsender wägten bereits die Chancen von Clinton und Barack Obama ab, in West Virginia, Kentucky oder Oregon zu gewinnen. Alles wie gehabt, seitdem am 3. Januar in Iowa erstmals abgestimmt wurde – aber gleichzeitig war diesmal auch alles anders.
Denn in der Wahlnacht zuvor musste Hillary Clinton erkennen, dass ihr Traum von der Präsidentschaftskandidatur praktisch vorbei war. Viel zu knapp war ihr Sieg in Indiana ausgefallen, viel zu deutlich ihre Niederlage in North Carolina. Der viel beschworene Trendwechsel zu Gunsten von Clinton war ausgeblieben. Mehr noch: Der Abstand in der Zahl der Delegierten zu Obama war sogar noch gewachsen. Schien eine Aufholjagd nach dem Erfolg in Pennsylvania noch möglich, so war dies am Morgen danach nur noch Illusion. Nach diesem Wahltag kann Hillary nicht einmal mehr das ultimative Argument geltend machen, dass sie den Trend auf ihrer Seite hat.
Für einen kurzen Moment schimmerte diese Erkenntnis durch, als sie in Indiana vor ihre Anhänger trat. „Was auch immer geschieht“, sagte sie da, „ich werde für den Kandidaten der Demokratischen Partei arbeiten“. Erstmals, so schien es, realisiere sie, dass dies tatsächlich so kommen könnte, dass sie, Hillary Rodham Clinton, dieses Rennen verlieren wird. Schon als sie im Murat Center in Indianapolis auf das Podium kletterte, begleitet von ihrem Mann Bill und Tochter Chelsea, wirkte sie zu sehr bedacht, wie eine Siegerin auszusehen. Als hätte sie Minuten zuvor in der Garderobe noch einmal tief Luft geholt und im Spiegel ihr Lächeln geprobt. Getreu dem Motto: Aufgeben ist keine Option – nicht für eine Clinton.
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Gefangen in diesem Denkmuster bleibt ihr nahezu keine andere Wahl als die letzten Register zu ziehen. Also wirft sie wieder die bislang nicht gezählten Delegierten aus Florida und Michigan ins Gefecht und fordert, dass deren Stimmen gezählt werden. Der Vorschlag ist „tricky“, weil er ziemlich unfair ist. Beide Bundesstaaten wurden von der Partei dafür bestraft, dass sie ihre Wahltermine in den Januar vorverlegten. Sie verloren ihre Wahlmänner, ein Wahlkampf fand nicht statt, Obamas Name stand in Michigan nicht einmal auf dem Wahlzettel. Abgestimmt wurde trotzdem – und Hillary „siegte“ in beiden Geisterwahlen. Sie selbst weiß, dass es absurd ist, diese Wahlen zählen zu lassen. Doch sie kann nicht aus ihrer Haut. Im Moment kann sie nur: Weitermachen.
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Doch dazu braucht sie Geld. Trifft zu, was Insider berichten, dann hat Clinton erneut ihrer eigenen Kampagne Geld geliehen. In der Wahlnacht war sie schon nach zwei Minuten in ihrer Rede bei diesem Thema angekommen. „Ich hoffe Ihr geht auf meine Website und unterstützt die Kampagne“, bat sie ihre Fans um Spenden. Ein Sieger klingt anders.
Eigentlich müsste Hillary jetzt einen Schritt zurücktreten, auf die letzten Monate blicken und mit sich zu Rate gehen. Doch dazu lässt sie sich keine Zeit. Ihr Berater James Carville wiederholte dieses Clinton-Mantra am Mittwoch noch einmal: „Ein Spiel ist erst dann vorbei, wenn es vorbei ist“. Nur manchmal wird der Schlusspfiff auch überhört.

