30 Bewertungen ***
21.08.2008 
Wahlkampf 2.0

Youtube, Flickr & Co: Schlacht ums Weiße Haus

von Sven Scheffler

Die Entscheidung um den künftigen US-Präsidenten fällt im Internet - immer intensiver treten die Kontrahenten im Web gegeneinander an. Dort scheint das Rennen längst ausgemacht: Liebling im Netz ist Barack Obama.

Barack Obama ist der Liebling im Netz Foto: ReutersLupe

Barack Obama ist der Liebling im Netz Foto: Reuters

DÜSSELDORF. In den letzten Wochen hatte Paris Hilton im US-Wahlkampf ihren kleinen, aber viel beachteten Auftritt: lasziv, wie das wohl nur die Hotelerbin und Werbeikone Hilton kann, räkelte sie sich im Badeanzug auf einer Liege am Pool. Dabei machte sie sich über den Bewerber der Republikaner, John McCain, lustig ("Thanks for the endorsement, white-haired dude") und verkündete ganz nebenbei ein Umweltprogramm, das beiden Kandidaten gut zu Gesicht stehen würde.

Hiltons Auftritt war die Retourkutsche für einen Werbespot den das McCain-Lager auf Youtube veröffentlicht hatte. Darin wurde Barack Obama mit den Partyludern der US-Promiszene verglichen. Der Spot wurde mehr als zwei Millionen mal aufgerufen - der am stärksten beachtete Clip auf dem McCain-Channel, auch dank der Aufmerksamkeit fördernden Reaktion von Paris Hilton. Die Antwort des Obama-Wahlkampfteams: die Webseite "Low Road Express" macht sich über McCain und dessen vermeintlich unsouveräne Rhetorik lustig. Längst wird der Zweikampf um das Weiße Haus im Internet ausgetragen.

Bereits im Vorwahlkampf hatten die meisten Bewerber intensiv im Internet um Unterstützer geworben. Im Fall von Barack Obama war das Internet der entscheidende Faktor: es ermöglichte ihm den Zugang zu den normalen Bürgern, zu deren Herzen ("Yes, we can!") und folgerichtig auch zu deren Geldbörsen. "Das Internet verändert nicht nur die Kampagnen, sondern auch die Demokratie selber", sagte Andrew Rasiej dem Magazin Economist. Rasiej hatte 2004 Howard Dean bei seinem Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten beraten und betreibt heute das Personal Democracy Forum.

Deans Bewerbung war damals so etwas wie der Startschuss der Wahldemokratie im Internet. Intensiver als jemals zuvor bezog Dean seine Anhänger in den Wahlkampf ein: Besucher seiner Site konnten Geld Spenden, das Programm studieren und im Blog Wahlkampf und Politik in Washington kommentieren. Deans Wahlkampf ging ab wie eine Rakete, dass Dean letztlich den Kürzeren gegen seinen Parteifreund John Kerry zog lag an mehrerern unbeherrschten Ausbrüchen. Alleine sein Deancamp im Internet hielt Dean länger als sonst denkbar im Rennen - nie zuvor hatte ein Wahlkämpfer die Macht von Social Networks für sich genutzt.

Artikel bewerten:
  • 1 Stern
  • 2 Sterne
  • 3 Sterne
  • 4 Sterne
  • 5 Sterne
Anzeige

Weitere Beiträge aus dem Ressort

Anzeige

Amerikas neuer Kurs

Obamas Angriff auf die Lehrerlobby  Artikel in Merkliste

Der designierte US-Bildungsminister Arne Duncan hat 2001 erfolgreich einen Reformprozess an den Schulen Chicagos eingeleitet. Foto: ap

Barack Obama und sein künftiger Bildungsminister Arne Duncan teilen nicht nur die Leidenschaft für Basketball - sie sind beide auch überzeugt davon, das Bildung das Kernstück jeder langfristigen Politik ist. Der letzte Teil der Handelsblatt-Serie „Amerikas neuer Kurs“ erklärt, wie der studierte Soziologe Duncan, der selbst nie Lehrer war, die US-Schulen auf Vordermann bringen will. Artikel


Obama stellt Finanzaufsicht auf den Kopf  Artikel in Merkliste

Barack Obama will den Finanzsektor regulieren - mit drastischen Maßnahmen. Foto: AP

Amerikanische Banken, die Unterstützung vom Staat wollen, müssen in Zukunft mit strengen Regeln rechnen. Und das ist nicht alles. Der neue US-Präsident hat versprochen, hart durchzugreifen – und er will Wort halten. Mit welchen Schritten Barack Obama den Finanzsektor reguliert. Artikel


Wird Amerika zur grünen Nation?  Artikel in Merkliste

Energieparks wie dieser in Kalifornien sollen bis 2025 rund ein Viertel des US-Energieverbrauchs decken. Foto: Reuters

Spritfresser, Klimaanlagen, Kühlschränke so groß wie Kleiderschränke. In Energiefragen waren die Amerikaner lange alles andere als vorbildlich. Der neue Präsident Barack Obama will das ändern und einen neuen Kurs in der Energiepolitik einschlagen. In Zeiten der Rezession plant er die grüne Revolution. Artikel


Obamas Welt ist ein Puzzle für Giganten  Artikel in Merkliste

Barack Obama: Iran als "größte Herausforderung". Foto: dpa

Der künftige US-Präsident geht die Krisen in aller Welt systematisch an - und setzt auf Realpolitiker, viele davon mit Erfahrung aus der Clinton-Zeit. Für viele eher linke Demokraten hat Obama ein sehr konservatives Team um sich geschart. Artikel


Obamas großes Experiment  Artikel in Merkliste

Vieles wird davon abhängen, ob Barack Obama die neue Wirtschaftspolitik kommunizieren kann. Foto: Reuters

Wie lässt sich die Talfahrt der US-Wirtschaft stoppen? Eine Antwort auf diese Frage zu finden, wird die Hauptaufgabe des neuen Präsidenten Barack Obama sein, der am 20. Januar die Nachfolge von George W. Bush antritt. Wie sich der neue Präsident mit innovativer Wirtschaftspolitik gegen die Krise stemmen will. Artikel


Rückblick auf die US-Wahl 2008

Die Börsenbilanz der US-Präsidenten 

Eine Infografik zur Entwicklung des S&P 500 Index

Auf Barack Obama lastet ein enormer Erwartungsdruck. Auch die Anleger an den Aktienmärkten bauen nach dem katastrophalen Börsenjahr 2008 auf schnelle Impulse durch den neuen US-Präsidenten. Am Ergebnis seines Vorgängers sollte sich Obama aber nicht orientieren: In acht Jahren unter George W. Bush hat der S&P 500 Index rund 35 Prozent an Wert verloren. Aber wie sieht eigentlich die Bilanz der vorherigen Präsidenten aus? Ein Überblick. Infografik


Finanzkrise setzt Obama unter Druck  Artikel in Merkliste

Alle warten gespannt auf Obamas Antworten auf die Finanzkrise. Foto: ap

Die EU-Staats- und Regierungschefs beraten an diesem Freitag in Brüssel über die Finanzkrise. Auf dem Treffen soll der Weltfinanzgipfel in der kommenden Woche vorbereitet werden. Das setzt auch Barack Obama unter gewaltigen Zeitdruck. Seine Pläne für eine Regulierung der Märkte sind noch vage. Doch die Vorstöße der Europäer dürften ihm zu weit gehen. Artikel


Obama – ein Erster unter vielen 

Auf dem Weg zu seiner Siegesrede: Der neue US-Präsident Barack Obama. Foto: Reuters

Barack Obama wird als erster schwarzer Präsident in das Weiße Haus einziehen. Doch Obama ist beileibe nicht der Erste, der als Erster ein fulminantes erstes Mal feiert. Wer die Vorreiter sind. Bildergalerie


Fromme Wünsche: Die Welt gratuliert Obama 

Soll vor allem die transatlantischen Beziehungen wiederbeleben: Barack Obama nach seinem Wahlsieg. Foto: Reuters

Politiker aus aller Welt haben dem designierten US-Präsidenten Barack Obama kurz nach dessen Wahlsieg zum Teil überschwänglich gratuliert – und ihm auch gleich ein paar Forderungen mit auf den Weg gegeben. Bildergalerie


Das „System Obama“: Cool und authentisch  Artikel in Merkliste

Auftritt vor hundertausenden Anhängern: Barack Obama hält seine Siegesrede. Foto: Reuters

Barack Obama hat mit einem fast perfekten Wahlkampf das Rennen gegen Hillary Clinton und John McCain entschieden – und erlaubt Einblicke, wie er Amerika führen wird. Artikel


Ein Land im Taumel: So sehen Sieger aus 

Die Fans von barack Obama haben grund zum Jubeln. Foto: Reuters

Der 44. Präsident der USA heißt Barack Obama. Wildfremde Menschen fielen sich deswegen auf Plätzen und Straßen in die Arme, andere begannen zu tanzen, wieder andere schwenkten die amerikanische Flagge – viele weinten vor Freude und Rührung. Auch der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson konnte inmitten der feiernden Anhängerschar Obamas im Grant Park in Chicago die Tränen nicht zurückhalten. Bildergalerie