Die Entscheidung um den künftigen US-Präsidenten fällt im Internet - immer intensiver treten die Kontrahenten im Web gegeneinander an. Dort scheint das Rennen längst ausgemacht: Liebling im Netz ist Barack Obama.
DÜSSELDORF. In den letzten Wochen hatte Paris Hilton im US-Wahlkampf ihren kleinen, aber viel beachteten Auftritt: lasziv, wie das wohl nur die Hotelerbin und Werbeikone Hilton kann, räkelte sie sich im Badeanzug auf einer Liege am Pool. Dabei machte sie sich über den Bewerber der Republikaner, John McCain, lustig ("Thanks for the endorsement, white-haired dude") und verkündete ganz nebenbei ein Umweltprogramm, das beiden Kandidaten gut zu Gesicht stehen würde.
Hiltons Auftritt war die Retourkutsche für einen Werbespot den das McCain-Lager auf Youtube veröffentlicht hatte. Darin wurde Barack Obama mit den Partyludern der US-Promiszene verglichen. Der Spot wurde mehr als zwei Millionen mal aufgerufen - der am stärksten beachtete Clip auf dem McCain-Channel, auch dank der Aufmerksamkeit fördernden Reaktion von Paris Hilton. Die Antwort des Obama-Wahlkampfteams: die Webseite "Low Road Express" macht sich über McCain und dessen vermeintlich unsouveräne Rhetorik lustig. Längst wird der Zweikampf um das Weiße Haus im Internet ausgetragen.
Bereits im Vorwahlkampf hatten die meisten Bewerber intensiv im Internet um Unterstützer geworben. Im Fall von Barack Obama war das Internet der entscheidende Faktor: es ermöglichte ihm den Zugang zu den normalen Bürgern, zu deren Herzen ("Yes, we can!") und folgerichtig auch zu deren Geldbörsen. "Das Internet verändert nicht nur die Kampagnen, sondern auch die Demokratie selber", sagte Andrew Rasiej dem Magazin Economist. Rasiej hatte 2004 Howard Dean bei seinem Kampf um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten beraten und betreibt heute das Personal Democracy Forum.
Deans Bewerbung war damals so etwas wie der Startschuss der Wahldemokratie im Internet. Intensiver als jemals zuvor bezog Dean seine Anhänger in den Wahlkampf ein: Besucher seiner Site konnten Geld Spenden, das Programm studieren und im Blog Wahlkampf und Politik in Washington kommentieren. Deans Wahlkampf ging ab wie eine Rakete, dass Dean letztlich den Kürzeren gegen seinen Parteifreund John Kerry zog lag an mehrerern unbeherrschten Ausbrüchen. Alleine sein Deancamp im Internet hielt Dean länger als sonst denkbar im Rennen - nie zuvor hatte ein Wahlkämpfer die Macht von Social Networks für sich genutzt.
