BWL-Ranking

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Betriebswirte im Porträt: Logistik als Leidenschaft

Der Logistikforscher Stefan Minner zeigt Firmen, wie sie Lagerbestände optimieren und Lieferketten besser miteinander verzahnen können. Dabei schaut der Münchener Professor über die Grenzen seines Fachs hinaus.

Auch im Supermarkt kommt es auf die richtige Logistik an. Quelle: dapd
Auch im Supermarkt kommt es auf die richtige Logistik an. Quelle: dapd

Wenn Stefan Minner einkauft, ist er sozusagen im Dienst. Vor allem kurz vor Ladenschluss wird der Supermarkt zum Studienobjekt: Dann schaut sich der Münchener Professor genau an, welche Frischware-Regale schon abgegrast sind - und welche noch viel zu voll. Oder anders gesagt: Ob der Filialleiter seine Sache gut macht. „Die Kunden sollen natürlich noch genug Auswahl haben, aber gleichzeitig will man ja nicht zu viel wegwerfen“, beschreibt der Professor für Logistik- und Lieferketten-Management das Dilemma eines Einkäufers.

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Mit der Frage nach der optimalen Menge an Vorräten beschäftigt sich auch Minner tagtäglich - allerdings aus wissenschaftlicher Perspektive: Der 43-Jährige ist einer der umtriebigsten deutschen Forscher auf diesem Gebiet. In den letzten Jahren veröffentlichte der gebürtige Bielefelder so viele maßgebliche Arbeiten, dass er im neuen Handelsblatt-Ranking bei der aktuellen Forschungsleistung den 16. Platz einnimmt. In seinen Studien entwickelt Minner mathematisch-theoretische Modelle, die Firmen helfen sollen, ihre Prozesse zu verbessern. Meist geht es dabei um weit komplexere Fragen als die nach der Bestellmenge für Gurken oder Schnitzel.

Stefan Minner vor der TU  München. Quelle: Thomas Einberger / Argum für Handelsblatt
Stefan Minner vor der TU München. Quelle: Thomas Einberger / Argum für Handelsblatt

So untersucht Minner etwa, wie Firmen die Rücknahme von fehlerhaften Produkten organisieren sollten oder wie Autohersteller ihre Fabriken auch bei starken Nachfrageschwankungen besser auslasten können. Zwar betreibt Minner mit seinen Modellen eher Grundlagenforschung. Doch anders als in der Volkswirtschaft, wo Theoretikern oft Praxisferne vorgeworfen wird, finden seine Ideen schnell den Weg in die Praxis. So bilden die Lösungsalgorithmen der Lieferketten-Forschung das Rückgrat der Computerprogramme, mit denen Konzerne ihre Lager organisieren oder ihre Transportwege planen.

Logistikforschung - das klingt erst einmal wenig aufregend, doch Stefan Minner versteht seine Zuhörer zu begeistern. Denn er erzählt mitreißend, die Geschichten sprudeln nur so aus ihm heraus. Mit geradem Rücken sitzt der groß gewachsene, rotblonde Ostwestfale auf seinem etwas zu kleinen Bürostuhl und malt mit spitzen Fingern imaginäre Schaubilder auf die Tischplatte. Hinter ihm steht eine Tafel, vollgeschrieben mit Formeln. Ansonsten ist sein Büro noch kahl und überall stehen österreichische Umzugskartons herum. Denn bevor Minner in diesem Jahr den Ruf der Technischen Uni München annahm, war er vier Jahre an der Uni Wien, davor ebenso lange in Mannheim.

Eigentlich habe er bei beiden Stationen nicht vorgehabt, so schnell wieder zu gehen, sagt Minner. Doch immer kamen Angebote mit noch besseren Arbeitsbedingungen. Ideen für künftige Forschung hat Minner zuhauf. So plant er, mehr über den Tellerrand seines Fachs hinauszublicken und sich etwa mit den logistischen Fragen der Energiewende zu beschäftigen. „Die Frage, wie sich Strom aus erneuerbaren Energiequellen speichern lässt, wird im Moment vor allem als technologisches Problem diskutiert“, kritisiert Minner. Dabei sei es genauso eine Frage der optimalen Lagerhaltung.

BWL-Ranking 2012

Für Investoren stelle sich schließlich die Frage, wie viel Gewinn möglich sei, wenn man überschüssigen Solar- oder Windstrom aufkaufe und speichere, um ihn bei Engpässen wieder zu verkaufen. „Daran bemisst sich ja, wie viel Geld man in neue Speicher investieren kann“, sagt Minner, oder auch, wie hoch staatliche Subventionen sein müssten.

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