BWL-Ranking

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Die Top-Fakultäten: Deutsche Betriebswirte fallen zurück

Selbst im deutschsprachigen Raum spielen deutsche BWL-Fakultäten nicht in den höchsten Ligen mit. Gegen Hochschulen aus der Schweiz und aus Österreich haben sie das Nachsehen. Nur bei den Privat-Unis gibt es Lichtblicke.

LondonZehn Jahre sind eine lange Zeit, zumindest in normalen Leben. Nicht aber im deutschen Wissenschaftsbetrieb. So hat sich noch längst nicht unter allen deutschen Betriebswirten herumgesprochen, dass es seit 2002 an der Technischen Universität München (TUM) eine Fakultät für Wirtschaftswissenschaften gibt. "Ich treffe bis heute Kollegen, die darüber ganz überrascht sind", erzählt der Münchener Dekan Gunther Friedl. Dabei sitzen an der TUM nicht irgendwelche Betriebswirte, sondern die forschungsstärksten der Republik: Im neuen Handelsblatt-BWL-Ranking hat die junge Fakultät ihre Münchener Kollegen von der Ludwig Maximilians Universität und auch den bisherigen deutschen Platzhirschen Mannheim überholt.

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"Unsere Fakultät ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen", erklärt Friedl den Aufstieg. Allein seit 2010 hat die TUM zehn zusätzliche BWL-Professoren eingestellt. Die bayerische Landesregierung investierte mehr Geld in die Unis, weil die Zahl der Abiturienten wegen der Verkürzung der Schulzeit kurzfristig steigt. Zwei der TUM-Lehrstühle werden zudem aus Studiengebühren finanziert.

Bei der Besetzung der neuen Stellen warb die TUM ganz gezielt international erfolgreiche Forscher an. "Wir könnten keine gute Lehre machen, wenn wir keine guten Forscher hätten", ist Friedl überzeugt.

Mit dieser Einstellung stehen die Münchener Betriebswirte allerdings in Deutschland vergleichsweise isoliert da. Die große Masse der staatlichen BWL-Fakultäten ist mit Blick auf ihre Forschungsleistung international nicht konkurrenzfähig, zeigt das Handelsblatt-BWL-Ranking.

Betriebswirte bekämpfen Forschungsranking „Deutschland sucht den Super-Prof“

Mit seinem neuen BWL-Ranking sorgte das Handelsblatt für Wirbel: Über 300 Wissenschaftler wollten die Veröffentlichung der Ergebnisse verhindern. Die Folge: Eine Debatte über Transparenz und Bedeutung von Forschung.

Betriebswirte bekämpfen Forschungsranking: „Deutschland sucht den Super-Prof“

Vier der fünf in der Forschung führenden deutschsprachigen BWL-Fakultäten liegen in der Schweiz und in Österreich, ist dem Handelsblatt-Ranking zu entnehmen. Noch nicht einmal die Hälfte der 25 besten Adressen für BWL-Forschung sind staatliche deutsche Hochschulen - und das, obwohl 91 der 106 für das Ranking relevanten Hochschulen in der Bundesrepublik angesiedelt sind.

Die Handelsblatt-Studie orientiert sich an international gängigen Standards zur Evaluierung wirtschaftswissenschaftlicher Forschung. Betrachtet werden Publikationen in Fachzeitschriften, deren unterschiedliche Qualität berücksichtigt wird. Die Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich erstellt die Rangliste im Auftrag des Handelsblatts. Ein Teil der Rohdaten stammt von der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften in Kiel.

Uni-Ranking

  • Platz 1

    Universität St. Gallen

    Mit 44 Vollzeit-Professoren hat die Uni St. Gallen nach der Wirtschaftsuni Wien (45 Vollzeit-Professoren) die zweitgrößte BWL-Fakultät im deutschsprachigen Raum. Vor allem dank der schieren Masse führt die Hochschule das Handelsblatt-Ranking an. Betrachtet man den Pro-Kopf-Forschungsoutput der Professoren, schneidet St. Gallen dagegen nur unterdurchschnittlich ab.

    Zahl der Professoren: 44 (davon 2 aus den Top 100)

    Punkte pro Professor: 1,6

    Gesamtpunktzahl: 118

  • Platz 2

    Universität Wien

    Vom ersten Platz verdrängt wurden die Betriebswirte der Uni Wien - zumindest, wenn man die für das Handelsblatt-Ranking maßgeblich absolute Publikationsleistung der Fakultät betrachtet. Anders sieht es dagegen beim Pro-Kopf-Output der Professoren aus: Hier liegt Wien gemeinsam mit der ETH Zürich deutlich vor allen anderen BWL-Fakultäten.

    Zahl der Professoren: 16 (davon 7 aus den Top 100)

    Punkte pro Professor: 3,7

    Gesamtpunktzahl: 91

  • Platz 3

    Universität Zürich

    Die Uni Zürich, die auch in der VWL seit Jahren in den Handelsblatt-Rankings vorne liegt, hat in der BWL im Vergleich zu 2009 weiter zugelegt. Eine ihrer Stärken ist die Forschung an der Schnittstelle zwischen VWL und BWL. So hat der Verein für Socialpolitik jüngst Felix Kübler, der zur BWL-Fakultät gehört, den renommierten Gossen-Preis für Volkswirte unter 45 verlieren.

    Zahl der Professoren: 27 (davon 6 aus den Top 100)

    Punkte pro Professor: 2,5

    Gesamtpunktzahl: 89

  • Platz 4

    Wirtschaftsuniversität Wien

    Die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien ist mit 45 Professoren die größte BWL-Fakultät im deutschsprachigen Raum. Traditionell ist sie eher für ihre praxisnahe Ausbildung als für Spitzenforschung bekannt, hat aber auch da zuletzt aufgeholt. Die Pro-Kopf-Publikationsleistung der WU-Professoren ist aber im Vergleich zum Durchschnitt aller Topfakultäten um 40 Prozent niedriger.

    Zahl der Professoren: 45 (davon 3 aus den Top 100)

    Punkte pro Professor: 1,2

    Gesamtpunktzahl: 87

  • Platz 5

    Technische Universität München

    Die TU München gehört zu den stärksten Aufsteigern des BWL-Rankings und verdrängte Mannheim als Nummer eins in Deutschland. Die erst 2002 gegründete Fakultät, die in den vergangenen zwei Jahren zehn zusätzliche Professoren eingestellt hat, setzt auf technikorientierte BWL. Die Studenten sollen auch die Sprache der Ingenieure sprechen können.

    Zahl der Professoren: 23 (davon 6 aus den Top 100)

    Punkte pro Professor: 2,8

    Gesamtpunktzahl: 85

  • Platz 6

    Universität Mannheim

    Der einstige deutsche Platzhirsch ist zuletzt etwas zurückgefallen - vom dritten auf den sechsten Platz. Zudem hängt der Publikationsoutput stark an einer Person: Christian Homburg ist für ein Fünftel der Publikationsleistung verantwortlich. Eine Stärke Mannheims ist dagegen der hohe Anteil an Veröffentlichungen in den 19 anspruchsvollsten und renommiertesten Fachzeitschriften.

    Zahl der Professoren: 24 (davon 3 aus den Top 100)

    Punkte pro Professor: 2,7

    Gesamtpunktzahl: 78

  • Platz 7

    Universität Frankfurt

    Die Universität Frankfurt will die führende Hochschule für Banken- und Finanzthemen in Deutschland sein. Die Bankbetriebswirte arbeiten mit Juristen und Volkswirten im House of Finance unter einem Dach. Auch sonst haben die Frankfurter die Grenze zwischen VWL und BWL aufgeweicht. "Die strikte Trennung macht keinen Sinn", sagt Forschungsdekan Michael Kosfeld.

    Zahl der Professoren: 27 (davon 3 aus den Top 100)

    Punkte pro Professor: 2,0

    Gesamtpunktzahl: 70

  • Platz 8

    Ludwig Maximilians Universität München

    Dass sie im Handelsblatt-Ranking von der lokalen Konkurrenz der Technischen Universität München überholt wurden, wird die Betriebswirte der Ludwig Maximilians Universität (LMU) nicht erfreuen. Ein Trost dürfte das Pro-Kopf-Ranking der Professoren sein. Bei dieser Betrachtungsweise ist die LMU in Deutschland ganz vorn mit dabei.

    Zahl der Professoren: 22 (davon 6 aus den Top 100)

    Punkte pro Professor: 2,7

    Gesamtpunktzahl: 69

  • Platz 9

    Universität Hamburg

    Mit 32 Lehrstühlen hat die Uni Hamburg mit Abstand die größte BWL-Fakultät in Deutschland. Der Fachbereich erhebt den Anspruch, die kaufmännische Tradition der Hansestadt mit den Methoden und Theorien der modernen Managementforschung zu verbinden und legt Wert auf Interdisziplinärität. Beim Pro-Kopf-Leistungsvergleich der Professoren schneidet die Uni aber unterdurchschnittlich ab.

    Zahl der Professoren: 32 (davon 4 aus den Top 100)

    Punkte pro Professor: 1,6

    Gesamtpunktpunktzahl: 68

  • Platz 9

    Universität zu Köln

    "Innovation for Society" lautet das Motto, das sich die Wirtschaftswissenschaftler der Uni Köln gegeben haben. Sie wollen Grundlagenforschung und angewandte, praxisnahe Forschung verknüpfen. Gemessen an der Gesamtmenge der Publikationen sind sie im Handelsblatt-Ranking etwas zurückgefallen, pro Kopf betrachtet ist die Forschungsleistung aber überdurchschnittlich.

    Zahl der Professoren: 25 (davon 5 aus den Top 100)

    Punkte pro Professor: 2,5

    Gesamtpunktzahl: 68

  • 18.09.2012, 21:23 UhrInsider

    Das ganze Ranking ist absurd, wenn man bedenkt das die Uni St. Gallen (HSG) letztes Jahr zwei "Star" Professoren aus den USA angestellt hat, die nur "part-time" an der HSG sind. Genauer gesagt kommen die beiden Professoren nur für wenige Wochen im Jahr in die Schweiz und unterrichten Doktoranden. Studenten auf Bachelor- oder Masterstufe werden diese "Stars" nie sehen. Der eigentliche Grund diese "Stars" anzustellen war u.a. das HB Ranking, für das natürlich alle Publikationen der "Star" Professoren voll zählen. Bedeutet dies, dass bald auch andere Unis in Deutschland ihre "Website" mit "U.S. Stars" erweitern, die "normale" Studenten aber nie zu sehen bekommen?

  • 17.09.2012, 15:32 Uhrbeberspaecher

    @in-von-d: das ist nicht richtig, schauen Sie sich doch mal REPEC oder andere Rankings an. Die deutschen Wissenschaftler holen immer mehr auf, ob BWL, VWL etc.

  • 17.09.2012, 14:44 Uhrln-von-d

    Es ist ja nicht nur BWL. Im angelsächsischen Hochschulränking fallen die deutschen doch auch immer weiter zurück. So in Richtung dritte Welt.
    Man fragt sich, warum die Absolventen der supertollen Eliteuniversitäten Oxford, INSEAD etc etc etc
    bei der Führung von Wirtschaftsunternehmen nichts gebacken bekommen. Die deutschen Tölpel exportieren mehr Hochtechnologie als F und GB zusammen.

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