BWL-Ranking

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Dokumentation: „Falsche Anreize schaden der Wissenschaft“

Hunderte Wissenschaftler haben in einem offenen Brief ihre Kritik am Handelsblatt-Ranking erklärt. Die Vorwürfe reichen von methodischen Mängeln bis hin zu falschen Anreizwirkungen. Die zentralen Argumente der Gegner.

Alfred Kieser von der Zeppelin Universität Friedrichshafen hat zusammen mit Margit Osterloh von der Uni Zürich den Offenen Brief initiiert. Quelle: Privat
Alfred Kieser von der Zeppelin Universität Friedrichshafen hat zusammen mit Margit Osterloh von der Uni Zürich den Offenen Brief initiiert. Quelle: Privat

Der offene Brief, in dem mehr als 300 Betriebswirte ihren Boykott des Handelsblatt-Ranking begründen, nennt mehrere Argumente. Eine Dokumentation der wichtigsten Kritikpunkte aus dem Offenen Brief - und eine Erwiderung.

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Die Kritik: "Eindimensionalität der Leistungsmessung: Personenrankings, die ausschließlich auf die Publikationsleistungen abstellen, blenden aus, dass es noch weitere Tätigkeiten gibt, die darüber entscheiden, wie gut ProfessorInnen ihrer Aufgabe insgesamt gerecht werden."
Unsere Antwort: Wissenschaft und Forschung ist eine Hauptaufgabe von Universitätsprofessoren, die daher eine deutlich geringere Lehrverpflichtung als Fachhochschulprofessoren haben. Das Ansehen im Kollegenkreis und die berufliche Karriere eines Universitätsprofessors hängt zentral von seiner Forschungsleistung ab. Das Handelsblatt-Ranking erhebt nicht den Anspruch, die "besten" Professoren auszuweisen, sondern die forschungsstärksten.

Top 100 seit 2008 Welcher Ökonom seit 2008 am meisten forscht

Wer führt die deutschsprachigen Betriebswirte in Sachen Forschung in den vergangenen Jahren an? Seit 2009 ist das Stephan M. Wagner, Professor an der ETH Zürich. Sein Fachgebiet: Logistik.

"Das Handelsblatt-BWL-Ranking enthält gravierende methodische Mängel und vermittelt deswegen ein unzutreffendes Bild der Forschungsleistungen von WissenschaftlerInnen."
Es gibt verschiedene Verfahren, um individuelle Forschungsleistungen vergleichbar zu machen, jedes hat Stärken und Schwächen. Das Handelsblatt hat sich bei der Konzeption des Rankings von führenden Experten auf dem Gebiet der Evaluation wissenschaftlicher Arbeiten beraten lassen, die angewandte Methode ist international gängig. Kein Ranking kann bei Personalentscheidungen die detaillierte Analyse der individuellen Forschungsleistung ersetzen.

Betriebswirte bekämpfen Forschungsranking „Deutschland sucht den Super-Prof“

Mit seinem neuen BWL-Ranking sorgte das Handelsblatt für Wirbel: Über 300 Wissenschaftler wollten die Veröffentlichung der Ergebnisse verhindern. Die Folge: Eine Debatte über Transparenz und Bedeutung von Forschung.

"Die Kombination verschiedener Rankings in den Handelsblatt-Ranglisten macht es unmöglich, die Qualität der Datenbasis abzuschätzen."
Für die Zeitschriftenliste wurden zwei existierende und in der BWL gängige Zeitschriften-Rankings sowie Daten des "Social Science Citation Index" herangezogen. Darüber herrscht volle Transparenz (alle Details hier) . Die Publikationsdaten stammen teilweise von der Deutschen Zentralbibliothek für Wirtschaftswissenschaften, jeder Forscher kann seine individuellen Daten prüfen. Wissenschaftler können die Rohdaten für Forschungszwecke nutzen.

  • 11.09.2012, 20:10 Uhreberspaecher

    Es ist schade, dass sich zwei sehr verdiente pensionierte Professoren um Kopf und Kragen schreiben.

  • 10.09.2012, 13:54 Uhresm

    Alfred geh Tennisspielen und lass die junge Generation ran. Du bist eh nur ein Prof. für Organisation gewesen. Verkaufst mit deinen Prof. Kumpels das Toyota Prinzip als heiligen Gral, obwohl wir in der Realität schon teilweise beyond sind. Hättest du dir anständig Gedanken gemacht, dann wüsstest du auch dass wir auf die volle Automatisierung zusteuern und im Bereich Robotics gibts noch einiges zu erforschen. Englische Paper sind da meistens ganz hilfreich und helfen dem Informationsaustausch.

  • 10.09.2012, 13:48 UhrExpat

    Sorry, aber als deutschsprachige Forscher im Ausland muss ich feststellen, das Ihr Ranking ein absoluter Witz ist. Die Leute, die bei Ihnen als Top-Forscher aufscheinen sind international ueberhaupt nicht bekannt (keiner in Top-Schools kennt diese Leute). Die besten deutschsprachigen Forscher belegen hintere Plaetze oder sind erst gar nicht vertreten.

    1. International (besonders and Top-Universitaeten) werden nur A+ Publikationen gezaehlt; der Rest ist nicht interessant;

    2. Ihr Ranking ermutigt Professoren sich automatisch auf Papers raufzuschreiben - leider eine unethische Praxis die in Deutschland noch weit verbreitet ist.

    3. Es kommt zu Entwicklung von einer reinen Bean-counting Kultur. War der Fall Lichtenthaler nicht schon schlimm genug.

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