BWL-Ranking

_

Gastbeitrag : Frische Brise des  Rankings wird zum zerstörerischen Taifun

Die Professoren Alfred Kieser und Margit Osterloh vergleichen das BWL-Ranking des Handelsblatts mit dem Niveau von „Deutschland sucht den Superstar“. In einem Gastbeitrag erklären sie die Gründe.

Professor Alfred Kieser lehrt an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Quelle: Privat
Professor Alfred Kieser lehrt an der Zeppelin Universität in Friedrichshafen. Quelle: Privat

Die Verweigerung von 339 Professorinnen und Professoren, am BWL–Ranking teilzunehmen und die Unterschriften von 309 unter den offenen Brief haben eine intensive Debatte über die Forschungskultur des Faches in Gang gebracht. Sie sollte allerdings nicht in Diskreditierung der „Verweigerer“ münden.

Anzeige

„Relevant“ sind für das Handelsblatt offenbar nur nur diejenigen Professoren, die es, hätten sie nicht verweigert, in die Top-Ränge des BWL-Rankings geschafft hätten. Und das sind „nur“ 23. Wer in der BWL wichtig ist, bestimmt das Handelsblatt-Ranking. So wird Wirklichkeit konstruiert – die Wirklichkeit des Handelsblatt-Rankings.

Diskreditierung bedeutet es auch, die Verweigerer als zum alten Eisen gehörend zu erklären, welche die „neue BWL“ nicht mehr so richtig verstehen. Zwei Experten haben für das Handelsblatt wissenschaftlich analysiert: „Je länger ein Professor im Dienst ist, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er das Ranking ablehnt.“ Auch zitiert das Handelsblatt einen typischerweise anonymen Beitrag einer „Doktorandin“ in unserem Blog, die den Boykott als „einen „peinlichen Versuch, das Rad zurückzudrehen und ein veraltetes deutsches Verständnis der BWL-Forschung zu rechtfertigen“.

Betriebswirte bekämpfen Forschungsranking „Deutschland sucht den Super-Prof“

Mit seinem neuen BWL-Ranking sorgte das Handelsblatt für Wirbel: Über 300 Wissenschaftler wollten die Veröffentlichung der Ergebnisse verhindern. Die Folge: Eine Debatte über Transparenz und Bedeutung von Forschung.

Es unterschlägt die Erwiderung eines (nicht anonymen) jungen Wissenschaftlers, der feststellt: „Die Aussage, es würden nur diejenigen aussteigen, die eh im Ranking schlecht wären, ist lächerlich und ohne Anstand angesichts vieler sehr bekannter Namen auf der Liste.“

Jeder, der sich in der Betriebswirtschaftslehre etwas auskennt, wird beim Studium der Liste der Unterzeichner des offenen Briefs – veröffentlicht in unserem Blog – zahlreiche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausmachen, die wesentlich zur Entwicklung des Fachs beigetragen haben und immer noch beitragen. Das wissenschaftliche Renommee dieser Unterzeichner sollte bei dem einen oder anderen Leser Zweifel an der suggerierten Objektivität des Rankings wecken. 17 Wissenschaftler, die unter die Top 250 beim Lebenswerk gekommen wären, haben die Opt-Out-Option gewählt.

Udo Steffens „Wissenschaftler sind es nicht gewohnt evaluiert zu werden“

Viele deutsche BWL-Professoren haben das Handelsblatt Ranking boykottiert. Im Handelsblatt-Interview erklärt BWL-Professor Udo Steffens, warum so viele Professoren sich geweigert haben am Ranking teilzunehmen.

Besonders beachtlich ist, dass in der Auswertung für die aktuelle Forschungsleistung sechs der führenden 100 Forscher nicht genannt werden wollen und sieben bei den unter-40-Jährigen. Die Verweigerer der beiden letzten Gruppen sind die eigentlichen Helden: Sie bringen durch die Verweigerung ihre kritische Einstellung zum Handelsblatt-Ranking zum Ausdruck und nehmen dabei bewusst Nachteile in Kauf, weil das Handelsblatt-Ranking einen starken Einfluss auf Karrieren haben kann. Ältere Verweigerer sind davon weniger betroffen, was erklärt, warum diese überwiegen.

  • 17.09.2012, 17:03 Uhrmshalb

    Für mich ist das Ranking eher weniger aussagekräftig. Der Schwerpunkt "Forschung", der für den Bewertungsmaßstab dieses Rankings nahezu ausschließlich ist, stellt in meinen Augen einen für die Güte einer guten Ausbildung zum Betriebswirten eher unmaßgeblichen Gesichtspunkt dar. Stoff vermittelt sich nicht von alleine. Besonders hinsichtlich des Fachs BWL, bei dem in meinen Augen die Forschung eher nachrangig ist. Ein Professor kann noch so gute Forschungsergebnisse abliefern, dies macht ihn noch lange nicht zu einem guten Professor. Nach vielen Erfahrungsberichten von Bekannten kann ich mir kaum vorstellen, dass man an Massenunis wie Köln, München (LMU) oder Wien gute Lernbedingungen vorfinden kann. Das Ranking sollte sich nicht nach den Forschungsleistungen einzelner richten, sondern an die für Studenten!! vorzufindende Gesamtsituation der Uni.

  • 10.09.2012, 22:20 Uhrinnovation

    Kieser war mal innovativ mit seiner Upol online Verantstaltung. Geschwindigkeit auf 2fach gestellt und man konnte seine Thesen angenehm schnell folgen. Warum stellt er die nicht endlich mal bei Youtube online? Transparenz heisst das Gebot der Stunde - Insbesondere wenn man 40 Jahre lang von öffentlichen Steuergeldern Gehalt kassiert hat. Kommt runter von eurem Thron ihr Prof. Dr. Dr. h.c.

  • 10.09.2012, 16:58 UhrLaCucaracha

    Noch mal zu der 'Verweigerer=Underperformer' These: Ich war 2009 unter den Top 50 und kann mich dem Brief und Gastbeitrag von Kieser und Osterloh nur uneingeschraenkt anschliessen. Heroisch ist daran gar nichts - wer dieses Mindestmass an Zivilcourage nicht aufbringt, sollte nicht mit der Bildung/Ausbildung zukuenftiger VerantwortungstraegerInnen betraut werden. Period.

  • Die aktuellen Top-Themen
Israels neuer Präsident: Reuven Rivlin, der freundliche Falke

Reuven Rivlin, der freundliche Falke

Mitten in der Nahost-Krise übernimmt ein rechter Hardliner die israelische Staatspräsidentschaft von Schimon Peres. Doch der Neue macht auch Hoffnung, schließlich gilt er als „Verfechter der Demokratie“.

Uno-Bericht: Irakische Extremisten befehlen Genitalverstümmelungen

Irakische Extremisten befehlen Genitalverstümmelungen

Laut einem Bericht der Uno haben die sunnitischen Extremisten in dem von ihnen kontrollierten „Kalifat“ die massenhafte Genitalverstümmelung bei Frauen und Mädchen befohlen. Millionen Opfer könnten davon betroffen sein.

Warnung vor Islamisten-Angriff: Terroralarm in Norwegen

Terroralarm in Norwegen

Eine Terrordrohung beunruhigt Norwegen. Islamistische Kämpfer sollen einen Angriff planen, und zwar bald. Die Regierung sieht eine ernste Gefahr. Sie warnt öffentlich. Das soll die Terroristen abschrecken.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International