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Ranking: Die BWL erfindet sich neu

exklusiv Wer sind die forschungsstärksten Betriebswirte? Zum ersten Mal hat das Handelsblatt die Forschungsleistung aller 2100 Betriebswirte in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz analysiert. Die Studie orientiert sich an internationalen Standards und zeigt: Die Betriebswirtschaftslehre (BWL) steckt in einem tiefen Umbruch.

Quelle: Klaus Meinhardt
Quelle: Klaus Meinhardt

DÜSSELDORF. Jedem Anfang wohnt ein Ärger inne. Als die deutschen Professoren für Betriebswirtschaftslehre (BWL) im vergangenen Herbst erstmals wegen des Betriebswirte-Rankings des Handelsblatts Post bekamen, ging ein Aufschrei durch die Profession.

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"Das ist eine Leistungsbewertung", empörte sich ein Ordinarius, "so etwas lehne ich ab." Einige drohten mit Klagen, andere fürchteten eine Verödung der Forschungslandschaft. "Forschung hat immer von Vielfalt gelebt", argumentierte ein Professor. "Wenn ich in gewisse Zeitschriften kommen möchte, mache ich am besten das, was alle machen."

Im Vergleich zu ihren Kollegen aus der Volkswirtschaftslehre (VWL) reagierten die Betriebswirte auf das Thema Ranking extrem sensibel. Das 2006 erstmals veröffentlichte VWL-Ranking des Handelsblatts, das die Publikationsleistung von Forschern und Fakultäten nach international gängigen Standards analysiert, wird im Fach weithin akzeptiert.

Mit ähnlicher Methode analysiert das Handelsblatt ab sofort jährlich die Forschungsleistung der Betriebswirte im deutschsprachigen Raum. Erstellt wird die Studie vom Thurgauer Wirtschaftsinstitut (TWI) an der Universität Konstanz. Das TWI hat dafür die Publikationen von allen an Universitäten tätigen BWL-Professoren in Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz erfasst - insgesamt handelt es sich um mehr als 2 100 Wissenschaftler.

Basis des Rankings sind Aufsätze in 761 Fachzeitschriften, deren Qualität anhand verschiedener Indikatoren beurteilt wird. "Wissenschaftliche Zeitschriften spielen für die Beurteilung der Qualität der Forschung eine immer wichtigere Rolle", sagt Alfred Wagenhofer, Vorsitzender des Verbandes der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft (VHB). "Messbare Kriterien für Forschungsleistungen werden von vielen gefordert, um zu evaluieren und um über die Vergabe von Forschungsmitteln zu entscheiden."

Die internationalen Top-Zeitschriften legen eine hohe Messlatte an: Arbeiten müssen inhaltlich und methodisch dem neuesten Stand der Wissenschaft genügen. Unabhängige Gutachter nehmen jeden Beitrag kritisch unter die Lupe - und lehnen einen Großteil der angebotenen Studien ab. Wer in diesem Wettbewerb besonders erfolgreich ist, dem begegnen Kollegen mitunter mit Missgunst. "Der Neid", sagt ein international erfolgreicher Betriebswirt, "ist groß."

Das erste umfassende Betriebswirte-Ranking des Handelsblatts zeigt: Die deutsche BWL ist ein Fach der zwei Geschwindigkeiten. Immer mehr deutsche Betriebswirte etablieren sich im internationalen Forschungsgeschäft. Aber die große Masse der BWL-Professoren ist international unsichtbar. Das Gefälle zwischen beiden Gruppen ist gewaltig: Die 200 forschungsstärksten Betriebswirte haben genauso viel publiziert wie die restlichen 1 900.

  • 20.11.2011, 22:38 UhrAnonymer Benutzer: Frank

    Die unfreie Welt leidet an einem Ranking-System, das dehnbar ist wie ein Gummiband.

  • 17.03.2011, 23:25 UhrAnonymer Benutzer: Dakra

    Wagenhofer sollte mal erklären, welche betriebswirtschaftlich relevanten Fragen sich nicht in Formeln pressen lassen. Mir ist das ehrlich gesagt nicht klar.

  • 01.08.2010, 16:04 UhrAnonymer Benutzer: Andreas Wieland

    ich möchte vorschlagen, dass auch das Ranking der britischen Association of business Schools auf http://www.the-abs.org.uk/?id=257 im Zeitschriftenranking berücksichtigt wird. Dadurch gewinnt man ein breiteres bild als nur durch VHb alleine.

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