Nachrichten

_

Arbeitsmarkt: Kleine Unternehmen stark überschätzt

Kleine Betriebe schaffen mehr Jobs als große - daran orientierte sich eine ganze Generation von Wirtschaftspolitikern. Doch neue Studien zeigen, dass der Mythos auf falschen Berechnungen beruht. Das Alter ist demnach viel wichtiger als die Größe.

Wirtschaftsminister Brüderle: fan der kleinen Betriebe. Quelle: dpa
Wirtschaftsminister Brüderle: fan der kleinen Betriebe. Quelle: dpa

HB LONDON. Aus seiner Vorliebe für kleine Unternehmen hat Rainer Brüderle nie einen Hehl gemacht. Der Bundeswirtschaftsminister selbst kommt aus der Familie eines Kleinunternehmers: Sein Vater hatte ein Wäschegeschäft in der Südpfalz. "Handwerker sind innovative Unternehmer, die selbst Verantwortung übernehmen, zupacken, vor Ort Arbeitsplätze schaffen", sagt er. Seit Jahren fördert der Staat kleine Unternehmen auf allen möglichen Wegen - zum Beispiel mit einem vereinfachten Kündigungsschutz, Steuervergünstigungen und verbilligten Krediten. Denn gerade kleine Unternehmen, so die Logik, schaffen besonders viele Arbeitsplätze.

Anzeige

Immer mehr Wirtschaftswissenschaftler jedoch stellen genau diesen Befund nachhaltig infrage. Neue Studien zeigen, dass kleine Unternehmen keineswegs eine Sonderrolle auf dem Arbeitsmarkt spielen. Vieles deutet darauf hin, dass Forscher wie Politiker die Bedeutung dieser Unternehmen für die Beschäftigungsentwicklung deutlich überschätzt haben. Denn die aktuellen Untersuchungen zeigen: Nicht die Größe einer Firma ist entscheidend dafür, wie viele Jobs ein Unternehmen schafft - es kommt hauptsächlich auf das Alter der Firmen an.

Zu diesem Schluss kommt ein Forscherteam um John Haltiwanger, Ökonomie-Professor an der University of Maryland. Für ihre Studie mit dem Titel "Who creates Jobs? Small vs. Large vs. Young" haben die Forscher detaillierte Daten aus den USA für die Jahre 1992 bis 2005 ausgewertet.

Auf den ersten Blick sah es so aus, dass die Zahlen die gängige These stützen: Kleine Unternehmen trugen tatsächlich etwas stärker zum Beschäftigungswachstum bei als große. Allerdings war der Effekt minimal: Unternehmen mit bis zu vier Mitarbeitern schufen zum Beispiel insgesamt 4,2 Prozent mehr Jobs als Firmen mit mehr als 10 000 Mitarbeitern.

  • Die aktuellen Top-Themen
Deflation und ihre Folgen : Jagt die EZB ein Gespenst?

Jagt die EZB ein Gespenst?

Die Preise in der Eurozone steigen kaum noch. EZB-Chef Draghi sieht sich deshalb zum Handeln gezwungen. Doch wäre eine Deflation wirklich so schlimm? Ein Pro und Contra über den Nutzen und Schaden sinkender Preise.

Verbot der Sonntagsarbeit: Wenn die Beschwerden bis Montag warten müssen

Wenn die Beschwerden bis Montag warten müssen

Ein Gericht hat in Hessen die Sonntagsarbeit in Callcentern und Videotheken verboten. Auch andere Bundesländer erwägen nun nachzuziehen. Das könnte Unternehmen aus etlichen Branchen in Bedrängnis bringen.

Preisverfall: Russland passt Haushaltsplanung an Ölpreis an

Russland passt Haushaltsplanung an Ölpreis an

Russland muss angesichts des niedrigeren Ölpreises seine Haushaltsplanung für das kommende Jahr anpassen. Die Preise für den Rohstoff sind in der letzten Zeit dramatisch gefallen, nun gibt es Einschnitte in Russland.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International