Nachrichten

_

Aufsichtsräte: Die Macht der niederen Chargen

Kontrolle fängt im Kleinen an – das gilt besonders für Unternehmen. Eine Studie zeigt: Für den langfristigen Erfolg benötigt ein Konzern gute Kontrollinstanzen und keinen Chef, der auf kurzfristige Gewinne aus ist.

Der Ex-Betriebsratschef von VW, Klaus Volkert, wurde wegen Untreue verurteilt. Quelle: dpa
Der Ex-Betriebsratschef von VW, Klaus Volkert, wurde wegen Untreue verurteilt. Quelle: dpa

FrankfurtArbeitnehmervertreter dürfen in deutschen Unternehmen als Betriebsräte oder gar Aufsichtsratsmitglieder in vielen Dingen mitentscheiden. Da wundert es nicht, dass Unternehmensleitungen immer wieder versuchen, Arbeitnehmervertreter gewogen zu stimmen. Fälle wie die des VW-Betriebsratschefs Klaus Volkert, der sich durch die Annahme von Lustreisen strafbar machte, oder der von Thyssen-Krupp Aufsichtsrat Bertin Eichler, dessen Erste-Klasse-Flüge von vielen als moralisch fragwürdig eingeschätzt werden, sind nur die Spitze eines Eisbergs. Ebenso der Fall Siemens, wo die Unternehmensleitung widerrechtlich mit Millionenbeträgen einen gefügigen Betriebsräteverein aufpäppelte.

Anzeige

Entziehen sich da Vorstände mit fragwürdigen Mitteln der Kontrolle? Oder ist letztlich der Gesetzgeber schuld, weil er übermäßig in das Eigentumsrecht der Aktionäre oder Unternehmer eingreift?

Arbeitnehmermitsprache Die Mitbestimmung im Urteil der Ökonomen

Studien zeigen, dass mehr Arbeitnehmermitsprache auch mehr Rentabilität bedeutet.

Die Ökonomen liefern wenig Munition für diese kritische Sicht auf die Mitbestimmung. Das geht bis hin zu den für ihre Marktradikalität bekannten Wirtschaftswissenschaftlern der Universität Chicago. So haben Viral Acharya, Stewart Myers und der ehemalige Chefökonom des Internationalen Währungsfonds, Raghuram Rajan 2011 unter dem Titel „The Internal Governance of Firms“ dargelegt, warum es im Interesse der Aktionäre ist, wenn alle Mitarbeiter Einfluss auf die Geschäftspolitik haben.

Rangliste Die stärksten Wirtschaften der Welt

  • Rangliste: Die stärksten Wirtschaften der Welt
  • Rangliste: Die stärksten Wirtschaften der Welt
  • Rangliste: Die stärksten Wirtschaften der Welt
  • Rangliste: Die stärksten Wirtschaften der Welt

Ihre Ausgangsdiagnose lautet: „Es ist erstaunlich, wie viel Wert in Unternehmen geschaffen wird, wenn man bedenkt, wie schwach die meisten Aufsichtsgremien sind, die die Eigentümerinteressen wahren sollen.“ Damit ist angesprochen, was die Ökonomen Principal-Agent-Problem nennen.

Der Vorstand soll als Beauftragter (Agent) der Eigentümer (Principal) deren Interesse vertreten. Bei breit gestreuten Eigentumsrechten tun sich die Eigentümer aber schwer, das zu kontrollieren. Der Vorstand kann eigene Ziele verfolgen, wie Bereicherung und Ausbau eigener Macht.

  • 27.01.2013, 22:00 UhrMazi

    Das ist so.

    Aber ich verstehe nicht, weshalb ausgerechnet der Bundesrechnungshof zwar da ist, auch offensichtlich qualifiziert ist, aber seitens der Bundesregierung eher belächelt wird.

  • Die aktuellen Top-Themen
Gastkommentar von Russlandexperte Nitze: Putins größter Fehler

Putins größter Fehler

Der russische Präsident hat innenpolitisch auf geschickte Weise seine Macht gestärkt. In globaler Hinsicht ist Putin jedoch gescheitert, sagt Russland-Experte William Nitze. Er habe viele Chancen für sein Land ignoriert.

Gericht gibt Altkanzler Recht: Helmut Kohl darf seine Geschichte behalten

Helmut Kohl darf seine Geschichte behalten

Helmut Kohls Ghostwriter bekommt die Tonbänder mit den Lebenserinnerungen des Altkanzlers nicht zurück. Das Gericht regte an, das historische Material einem Archiv zu überlassen – damit es nicht in Oggersheim versauert.

Krieg in Gaza: „Sind wir keine Menschen?“

„Sind wir keine Menschen?“

Kein Wasser, kein Strom – dafür Gewalt. Die Situation im Gaza-Streifen zerreißt den Palästinenser Abed Schokry. „In mir kocht es“, sagt er im Interview. Und spricht über den Hass, der alles nur noch schlimmer macht.

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International