
DÜSSELDORF. "Wenngleich die Wurzeln der Krise eindeutig am Finanzmarkt zu suchen sind, kommt man doch nicht um den Eindruck herum, die Rechnungslegung hätte zu ihrer Verschärfung beigetragen", betont Peter Leibfried, Professor für Rechnungswesen an der Universität St. Gallen.
Die bittere Ironie des Schicksals ist: Etliche der problematischen Vorschriften wurden erst wenige Jahre zuvor eingeführt - in der Absicht, das System sicherer zu machen. So waren Banken in Europa ab 2005 gezwungen, Wertpapiere, die sie besaßen, zum jeweils aktuellen Marktpreis in ihren Bilanzen zu verbuchen ("mark to market") - und nicht, wie früher üblich, zum Anschaffungspreis.
Die sogenannte Fair-Value-Bilanzierung führt dazu, dass der Zustand der Bankbilanzen stark von den aktuellen Marktentwicklungen abhängt. Solange es an den Börsen nach oben geht, sehen die Bankbilanzen sehr gut aus - das erlaubt es den Geldhäusern, viele neue Kredite zu vergeben, was den Boom weiter verschärft.
Als die Blase platzte, implodierten in kürzester Zeit die Bilanzen der Banken - der Kursverfall fraß das Eigenkapital der Institute auf und zwang zu Notverkäufen von Wertpapieren. Dadurch wurde der Kursverfall auf den Finanzmärkten weiter verschärft. Weil ihr Eigenkapital schrumpfte, waren die Banken zudem in der Krise gezwungen, ihre Kreditvergabe zurückzuführen.
Eine fünfköpfige Expertenkommission um den Princeton-Ökonomen Markus Brunnermeier hat einen Vorschlag erarbeitet, mit dem sich dieses Dilemma überwinden lässt. Wie Aktiva einer Bank in den Bilanzen bewertet werden, sollte davon abhängen, wie sie finanziert sind ("mark to funding").