
KÖLN. Ein Manager, der seinem Chef vorschlägt, die Vertriebs- und Verwaltungskosten zu erhöhen, braucht einigen Mut. Wahrscheinlich erntet er verständnisloses Kopfschütteln oder den Kommentar: „Wohl noch nie in ein Lehrbuch geschaut?“ Denn darin könnte er nachlesen, dass dieser Kostenanteil möglichst gering gehalten werden müsse. Wenn es ganz schlecht läuft, kann sich der Manager schon mal nach einem neuen Job umsehen. Zu Unrecht. Denn eine aktuelle Studie des Kölner BWL-Professors Carsten Homburg stellt die Lehrmeinung auf den Kopf: Es kann sich für Unternehmen auszahlen, Vertriebs- und Verwaltungskosten – Experten sprechen von der SG&A-Ratio (Selling, General and Administrative Expenses) – gezielt zu erhöhen.
Neuere Forschungserkenntnisse wie diese zeigen vor allem eines: Jahrzehntelang für unantastbar gehaltene Bilanzierungs-Gesetzmäßigkeiten geraten zunehmend ins Wanken. Empirische Untersuchungen bringen ans Licht, dass die Wirklichkeit komplexer ist, als es die Lehrbücher vermuten lassen.
Kennzahlen isoliert zu betrachten, um daraus Schlüsse über künftige Gewinne eines Unternehmens zu ziehen, ist aus der Mode geraten. Spitzenforscher sind sich heute einig: Wer wissen will, wie es wirklich um einen Konzern steht, muss analysieren, in welchem Verhältnis verschiedene Kennzahlen zueinander stehen und wie ein Unternehmen innerhalb seiner Branche positioniert ist. So könne der identische Wert einer Kennzahl für Unternehmen A Positives verheißen, während er für Unternehmen B ein Warnsignal sei.
Pauschalurteile führen in die Irre
Solche Differenzierungen sind neu. Glaubt man der bislang in Theorie und Praxis vorherrschenden Lehrmeinung, bedeutet eine hohe oder steigende SG&A-Ratio, dass das betreffende Unternehmen künftig geringere Gewinne einfährt. „Solche klassischen Aussagen, die oft sehr pauschal sind, versuchen wir genauer zu hinterfragen“, sagt Homburg.
Ihn machte skeptisch, dass die Vertriebs- und Verwaltungskosten auch Investitionskomponenten enthalten – also Ausgaben, die einem Unternehmen künftig zugute kommen können, beispielsweise Ausgaben für Mitarbeiterschulungen oder die IT-Optimierung. Um ihrem Anfangsverdacht, dass da „irgendetwas nicht stimmen kann“, nachzugehen, werteten Homburg, seine Mitarbeiterin Ute Bonenkamp und der Doktorand Daniel Baumgarten, der Hauptautor der Studie, die Bilanzen von über 5 500 US-Unternehmen über einen Beobachtungszeitraum von 22 Jahren aus. Die Forscher kamen zu einem überraschenden Schluss: Bei zwei von drei Unternehmen wirkte sich ein Anstieg der SG&A-Kennzahl positiv auf die künftigen Gewinne aus.

@allgemein: danke für den oberflächlichen Hinweis, ein Lehrbuch über bilanzierung zu konsultieren. Aber wenn schon, dann wohl über bilanzanalyse. Und da es um Kennzahlen und deren interpretation geht, kommt man um ein Kennzahlensystem nicht herum. Und diese systeme sind nun mal - das weiss jeder bWL-Student im 4. Semester - hierarchisch aufgebaut. Und die isolierte Anwendung von Kennzahlen ist nun mal nicht mehr up to date. Das war ein Ansatz für die Entwicklung der bSC (1996!). Diese ist sehr wohl fundamental für die Kennzahleninterpretation. Für tieferen Einblick empfehle ich die PiMS-Studie. Also: Tut mir leid, hier werden Plattheiten neu verpackt. ignoranz kann das nicht verschleiern.

@gruenbonz: und wo leben Sie? Hier geht es um die bilanzierung und die Kostenrechnung, mit der bSC hat das erstmal überhaupt nichts zu tun. Und wo stehen liquide Mittel in der bilanz? bevor man hier sein Unwissen zur Schau stellt, sollte man vielleicht auch erstmal in ein Lehrbuch zur bilanzierung schauen.

Ja, wo leben Sie denn? Auch hierzulande ist die Wirkungsanalyse von Kennzahlen ein bereits abgegrastes Wissenschaftsgebiet, spätestens seit Kaplan/Nortons balanced Scorecard. Diese Wirkungsanalyse ist seit vielen Jahren state of the art in vielen Unternehmen, auch Funktions-bestandteil in iT-Lösungen. Was Prof. Homberg anspricht, ist ein altbekanntes Problem: Kostenzentrierung ist als Zielsetzung zweitrangig im Hinblick auf Spitzenkennzahlen (ROi, ROCE usw.).
Und dann noch die Aussage: "... Forderungen eingetrieben und Lagerbestände abgebaut (hätten). Das erhöht das Umlaufvermögen." Sie ist definitiv falsch, da Forderungen und bestände beide zum UV gehören. Was erhöht wird, ist die barliquidität.
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