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Bilanzvorschriften: Der lange Marsch zur Transparenz

Die Finanzkrise hat viele Schwächen in den Bilanzregeln offengelegt. Jetzt arbeitet das International Accounting Standards Board (IASB) mit Hochdruck an einer Reform der Vorschriften. Die Regeln sollen einfacher und transparenter gestaltet werden. Doch Wissenschaftler sehen die Reformen kritisch.

Deutschen Banken, hier die Frankfurter Skyline mit den Bankenhochhäusern, drohen nach Meinung vieler Wissenschafter Abschreibungen von mehr als 90 Milliarden Euro. Quelle: ap
Deutschen Banken, hier die Frankfurter Skyline mit den Bankenhochhäusern, drohen nach Meinung vieler Wissenschafter Abschreibungen von mehr als 90 Milliarden Euro. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Führende Wissenschaftler sind sich einig: Die internationalen Bilanzvorschriften haben die Abwärtsspirale in der Finanzkrise verschärft. Die deutschen Banken seien davon besonders hart getroffen gewesen. So dürften auf die Institute noch Abschreibungen von mehr als 90 Milliarden Euro zukommen, schätzte die Bundesbank im November.

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Das International Accounting Standards Board (IASB), das die in der EU für börsennotierte Gesellschaften geltenden Bilanzregeln entwirft, arbeitet daher mit Hochdruck an einer Reform der Vorschriften. Das große Ziel ist es, die Vorschriften einfacher und transparenter zu gestalten. Im Fokus steht vor allem die Bilanzierung zum Zeitwert ("Fair Value") und die Bewertung von Finanzinstrumenten.

Bilanzexperten beobachten den Umbau der Bilanzvorschriften mit gemischten Gefühlen. Denn der Reformprozess ist extrem komplex - dutzende Regeln stehen gleichzeitig auf dem Prüfstand. Selbst Fachleute haben Probleme, die vielen verschiedenen Baustellen zu überblicken - gleichzeitig steckt der Teufel aber oft im Detail. Kaum ein Experte kann seriös prognostizieren, welche Folgen die einzelnen diskutierten Änderungen in der Praxis haben werden. Die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen ist daher groß. "Das IASB hat zu viele Punkte auf der Agenda und ist zurzeit völlig überfordert", kritisiert Bernhard Pellens, Professor für internationale Unternehmensrechnung an der Ruhr Bochum. -Universität

Die geltenden Regeln haben das Auf und Ab an den Märkten verstärkt

Seit dem Jahr 2005 müssen in der EU börsennotierte Unternehmen die vom IASB entwickelten "International Financial Reporting Standards" (IFRS) anwenden. Ein wichtiger Eckpfeiler dieser Vorschriften ist die sogenannte Fair Value-Bilanzierung: Sie zwingt Unternehmen, Vermögenswerte zum jeweiligen Marktpreis in den Bilanzen zu verbuchen.

Dies verschärft sowohl Auf- als auch Abschwungphasen: Im Boom können Unternehmen Gewinne bereits ausweisen, bevor sie diese durch Verkauf am Markt realisiert haben. Im Konjunkturtal dagegen müssen sie erwartete Verluste antizipieren und zuvor ausgewiesene Gewinnchancen korrigieren. Dieser Mechanismus hat die Banken in der Krise an den Rand des Abgrunds geführt.

Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, im Oktober 2008, lockerte das IASB daher die Fair Value-Vorschriften und erlaubte es Banken, Finanzinstrumente anders zu bewerten: Kreditinstitute konnten Wertpapiere, die sie am Bilanzstichtag zum niedrigeren Fair Value hätten ansetzen müssen, in eine andere Bewertungsklasse umbuchen und diese zu fortgeführten Anschaffungskosten bewerten. Dies verhinderte allein bei den deutschen Banken Abschreibungen in Milliardenhöhe.

Zwar ist bisher nicht belegt, wie stark die Fair Value-Regeln tatsächlich die Krise verschärft haben - das IASB-Erste-Hilfe-Paket hat trotzdem die Gunst der Wissenschaftler gefunden. "Dass das IASB die Möglichkeit geschaffen hat, die Fair Value-Bewertung teilweise auszusetzen, ist richtig", sagt Jens Wüstemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Mannheim. "IASB und EU konnten in dieser Situation nicht warten, bis gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen."

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