
KÖLN. Der Mann ist nicht zu beneiden. Eineinhalb Stunden steht Werner Mellis, Studiendekan der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Köln, in Hörsaal I der Hochschule – und muss sich nur eines anhören: Kritik. An die 100 Studenten sind gekommen, die meisten haben ihren Bachelor-Abschluss frisch in der Tasche. Doch von Examensfeier-Stimmung keine Spur. Die Studenten sind sauer, weil die Uni ihre Bewerbung um einen Platz im Master-Programm abgelehnt hat. Und das oft trotz sehr guter Noten.
Thilo Heyer ist so ein Beispiel. Seinen Bachelor hat der 22-Jährige mit der Note 2,0 bestanden – eine weit überdurchschnittliche Leistung an der anspruchsvollen Fakultät. Heyer gehört zu den besten 16 Prozent seines Jahrgangs.
Für einen Platz im Masterprogramm mit dem Schwerpunkt „Corporate Development“ reicht es trotzdem nicht. Dafür hätte Heyer eine 1,8 gebraucht. Ein Ergebnis, das viele Absolventen weniger renommierter und anspruchsvoller Hochschulen vorweisen können. Bewerber von Fachhochschulen und Berufsakademien ziehen an Kölner Spitzenstudenten vorbei.
An anderen Top-Fakultäten für BWL und VWL ist die Läge ähnlich: Einerseits umwerben die Unis Studenten mit dem Versprechen einer überdurchschnittlich guten Bachelor-Ausbildung. Andererseits vergeben sie viele Masterplätze an Bewerber von zweit- und drittklassigen Hochschulen, die auf dem Papier bessere Noten mitbringen. An der Frankfurter Goethe-Universität hat fast jeder dritte Master-Student in Wirtschaftswissenschaften seinen Bachelor an einer Fachhochschule oder Berufsakademie erworben.
Schwächen im System
All das ist eine Konsequenz des Totalumbaus der Hochschullandschaft, der ab 1999 nach einem Beschluss der europäischen Bildungsminister in der norditalienischen Universitätsstadt Bologna begann. Formal sind die Reformen abgeschlossen: Bachelor- und Masterstudiengänge haben die Diplom-, Magister- und Ingenieur-Abschlüsse abgelöst – nach einem quälenden Umbauprozess, in dem Unis jahrelang mit sich selbst beschäftigt waren und ihre Studiengänge komplett umgekrempelt haben. Doch jetzt hat die erste Generation von Bachelor-Studenten ihr Studium erfolgreich abgeschlossen – und es offenbaren sich gewaltige Schwächen im System.
Eigentlich sollte der auf sechs Semester ausgelegte Bachelor zum Regelabschluss werden, damit der Großteil des akademischen Nachwuchses früher ins Berufsleben startet. Der auf den Bachelor folgende Master-Abschluss war nur für eine kleine Elite von Top-Studenten gedacht.

Gleichfalls sollte der bachelor nicht mit einer Meisterprüfung gleichgesetzt werden.
Ein Meister macht erst einmal in einer Ausbildung den Gesellenbrief zu Niedrigstlohn, trotzt der Gewinne die mit seiner Arbeit erwirtschaftet werden.
Fallbeispiel: bei mir waren es 300 DEM das heißt ca. 150 euro im Monat bei einer 40h Woche, incl Samstagsarbeit und 18 Tagen Urlaub im jahr, im 3 Lehrjahr waren es 400 DEM, d.h. 200 Euro, sonst gab es: Nichts.
im ersten Gesellenjahr 600 euro netto im Monat. Wir schreiben Das Jahr 1989/90.
----
Nicht zu vergleichen bitte immer wieder mit der industrie etc,.. Dort erhalten auszubildende berufsanfänger im iG Metallvertrag bereits 800 Euro im ersten Lehrjahr. incl eines teueren Ausbildungsvertrages und sonstiger Leistungen.
---
So hat der Geselle nun einige berufsjahre auf dem buckel, erwägt er es einen Meister zu machen. Meist sind es mindestens 8 Jahre harter berufserfahrung oft zum Dumpinglohn.
Doch diese Leute können etwas und haben immer sehr hart gearbeitet.
Das hat nichts mit bachelor und teuer geförderter Ausbildung zu tuen. Garnichts.
Diese Leute haben ihre Arbeitskraft und deren Verschleiß zur Verfügung gestellt.
Ein Uni Absolvent geht meist körperlich topfit und teuer ausgebildet und hochgefördert aus der Schule und meistens stellen diese nur Ansprüche, was sie den jetzt für ein Spitzengehalt erwirtschaften und wenn dies nicht klappt, wird dies an den Arbeitern respektlos und entwürdigend ausgelassen.
Das genau ist die Schwachstelle im system , der Frust der Absolventen die jahrzehntelang auf der Schulbanken hocken und anschließend meinen sie könnten alle anderen abkassieren. Nur weil sie leicht und easy kostenfrei Wissen erhalten haben im Schulsystem als Elite hochgefördert in Deutschland.
Die Gesellen sind schon meist mit 14 Jahren aus der Schule ausgeschieden, die Absolventen erst kerngesund mit weit über 30. Hier klafft die Lücke, der Erfahrung im berufsleben. Diese holen diese erst mit 30 Jahren nach und hinken den Erfahrungen hinterher.
Klappt etwas nicht und ist ihr eigenes Einkommen auf einem Posten gefährdet?
Nein, eben nicht.

ich möchte keine Grundsatzdiskussion FH-bachelor vs Uni-bachelor entfachen. Dazu wurden meines Erachtens in diversen Foren etc. schon genügend mehr oder weniger qualifizierte Meinungen geäußert. Die Unterschiede im Anspruch und in der Ausrichtung sind meiner Meinung nach hinlänglich bekannt. Problematisch ist meiner Meinung nach vor allem, dass sich zukünftig weit weniger Studenten ein bachelor-Studium an einer Top-Uni "antuen" werden, weil es einfach nicht ausreichend honoriert wird. Hier muss ein Umdenken bei eben diesen Unis aber auch in der Wirtschaft stattfinden. Zum einen müssen Universitäten Mittel und Wege finden, die Leistungsfähigkeit und die Motivation der Studenten objektiv zu beurteilen (und damit meine ich nicht! bachelor-Abschluss = bachelor-Abschluss). Dies kann aufgrund der Nichtvergleichbarkeit der Noten z. b. im Wege eines GMATs erfolgen. Standardisierte Aufnahmeprüfungen könnten die Flut an Mehrfachbewerbungen für Masterstudienplätze eindämmen. Darüberhinaus gibt es sicher Möglichkeiten, die bachelor-Noten von Top-Unis bzw. derjenigen, die bereits ihren bachelor an der gleichen Uni absolviert haben, in einem gewissen Maß aufzuwerten. Auf der anderen Seite sollte die Wirtschaft umdenken und den (Uni-)bachelor nicht mit dem Vordiplom gleichsetzen. Es handelt sicher um einen vollwertigen Abschluss, auch wenn dies zu einigen Diplom-Fanatikern noch nicht durchgedrungen ist.
16 Kommentare
Alle Kommentare lesen