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Dennis Snower: "Herausgeber können Gott spielen"

Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, ist ein scharfer Kritiker der etablierten Fachzeitschriften . Im Interview erklärt er, warum Verlage und Herausgeber zu viel Macht haben und wieso er ein neues, kostenloses VWL-Journal gegründet hat.

IfW-Chef Snower: Wissenschaftsverlage haben zu viel Marktmacht. Quelle: dpa
IfW-Chef Snower: Wissenschaftsverlage haben zu viel Marktmacht. Quelle: dpa

Handelsblatt: Herr Snower, wie viel Wettbewerb herrscht auf dem Markt für wissenschaftliche Fachzeitschriften?

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Dennis Snower: Wir haben bei wissenschaftlichen Fachzeitschriften ein Oligopol mit sehr hohen Preisen. Die Verlage haben Marktmacht, und die nutzen sie aus.

Handelsblatt: Unterstützen Sie den Boykottaufruf gegen Elsevier?

Snower: Nein. Freier Zugang zu Informationen ist für mich ein Wert an sich - da kann ich mich nicht gleichzeitig einem Boykottaufruf anschließen. Ein besserer Weg, um das Problem zu lösen, ist mehr Wettbewerb zwischen den Journalen. Das versuche wir, mit der für jedermann kostenlos im Internet zugänglichen Fachzeitschrift "Economics", die wir 2007 gegründet haben, zu tun.

Handelsblatt: Fristet das Journal nicht bis heute ein Nischendasein?

Snower: Wenn Sie eine neue Fachzeitschrift etablieren wollen, brauchen Sie einen sehr langen Atem. Sie müssen erst Reputation aufbauen, damit Ihnen die Forscher wirklich gute Arbeiten anbieten. Dabei machen wir große Fortschritte: "Economics" ist seit diesem Jahr im Social Science Citation Index und bekommt einen Impact-Faktor. Ich bin sicher, dass danach die Zahl der Einreichungen deutlich steigen wird.

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Handelsblatt: Die Verlage argumentieren, dass ohne sie der wissenschaftliche Publikationsprozess nicht funktionieren kann.

Snower: Das glaube ich nicht. Die Produktionskosten sind durch das Internet deutlich gefallen, und die Qualitätskontrolle - der sogenannte Peer-Review - erfolgt seit jeher durch Wissenschaftler, die ehrenamtlich arbeiten. Ich halte das Geschäftsmodell der Wissenschaftsverlage mittelfristig für ein Auslaufmodell. Ich kenne übrigens viele Leute in Verlagen, die das genauso sehen.

Handelsblatt: Aber kostet der Aufbau von Webportalen und digitalen Archiven nicht viel Geld?

Snower: Wir betreiben ja bei Economics so eine elektronische Plattform - die Kosten sind nicht so hoch. Die Verlage können nicht ernsthaft behaupten, dass die hohen Abo-Gebühren nötig wären, um ihre Kosten zu decken. Die Gewinnmargen, die derzeit mit wissenschaftlichen Zeitschriften gemacht werden, sind enorm.

Handelsblatt: Bei "Economics" läuft auch der Peer-Review anders: Die Meinung der Gutachter wird veröffentlicht, jeder Nutzer kann mitdiskutieren. Was erhoffen Sie sich davon?

Snower: Das traditionelle Verfahren gibt den Herausgebern der Journale und den Gutachtern zu viel Macht - diese Leute können Gott spielen. Die ethischen Werte, die für Wissenschaftler zentral sein sollten, sind uns abhanden gekommen.

Handelsblatt: Was läuft falsch?

Snower: Im traditionellen Gutachterverfahren fehlt die Transparenz. Herausgeber, die eine Studie aus welchen Gründen auch immer persönlich nicht mögen, können sie ganz bewusst an Gutachter schicken, von denen sie sehr genau wissen, dass sie die Arbeit ablehnen werden. Viele Gutachter arbeiten auch unglaublich langsam und schreiben unfaire Reports. Das hat vermutlich jeder Ökonom schon mehrfach erlebt. Neue Ideen haben es dadurch sehr schwer.

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