Deutsche Bank: „Die Zukunft des Euro hängt von Italien ab“

Deutsche Bank
„Die Zukunft des Euro hängt von Italien ab“

Die Zukunft des Euro wird nach Einschätzung von Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer in Italien entschieden. Sollte es Italien nicht gelingen, bis Mai 2013 die Trendwende zu schaffen, werde die Euro-Zone auseinanderbrechen.
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FrankfurtDas Überleben der europäischen Gemeinschaftswährung werde von der wirtschaftlichen Entwicklung des südeuropäischen Landes abhängen, sagte Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Thomas Mayer im Interview der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Zu Beginn nächsten Jahres werde Italien in eine tiefe Rezession stürzen. „Wenn es dem Land gelingt, da vor den Wahlen im Mai 2013 wieder herauszukommen - was ich erwarte -, dann kann Italien ein Vorbild für alle südeuropäischen Staaten werden. Ansonsten wird die Euro-Zone auseinanderbrechen.“

Auch mit dem Austritt eines Landes aus der Euro-Zone müsse man mittlerweile rechnen, glaubt Mayer. So sei ein Ausscheiden Griechenlands aus der Währungsgemeinschaft nicht mehr tabu. Es bestehe das Risiko, dass dort nach den 2012 geplanten Neuwahlen eine Regierung komme, die entweder nicht willens oder nicht fähig sei, den Sparkurs weiterzutragen. „Dann würden vermutlich die Hilfsprogramme eingestellt. Und die Griechen müssten eigenes Geld drucken, um ihre Rechungen zu bezahlen. Dieses können sie Drachme nennen oder auch anders.“

Deutschland dürfte nach Ansicht des Ökonomen dagegen relativ glimpflich davonkommen und von einem großen Abschwung im kommenden Jahr verschont bleiben. Im Winter werde die Wirtschaft zwar zwei Quartale in Folge schrumpfen und im ersten Halbjahr 2012 werde es schlimmer, als die meisten jetzt noch erwarteten, prognostizierte Mayer. „Aber im zweiten Halbjahr wird die starke Entwicklung in China und den anderen Schwellenländern sowie die erstaunlich solide Entwicklung in den Vereinigten Staaten die deutsche Wirtschaft wieder rausreißen.“ Dass Deutschland infolge der Schuldenkrise 2012 sein Spitzen-Rating verlieren könnte, hält Mayer für unwahrscheinlich. „Anders ist es mit Frankreich. Die Franzosen rechnen ja schon damit, dass sie bald herabgestuft werden.“

Abgetragen werden können die Schuldenberge der Staaten nach Einschätzung des Ökonomen letztendlich wohl nur über einen Anstieg der Preise. Die Europäische Zentralbank (EZB) werde das Problem nur so ähnlich lösen können wie die amerikanische Notenbank Fed, sagte Mayer. „Sie wird einen Teil der Schulden über die Jahre weginflationieren.“ Im kommenden Jahr werde sich der Preisanstieg wegen der Abkühlung der Wirtschaft zwar erst einmal abschwächen und die EZB werde die Zinsen noch bis auf ein halbes Prozent senken. Mit dem nächsten Aufschwung werde aber auch die Inflation zurückkehren. „Sie wird mit den Konjunkturzyklen schwanken, aber im Trend steigen.“

Auch für die Banken ist die Krise nach den Worten Mayers noch nicht ausgestanden. „Die Finanzkrise wird weiter negative Auswirkungen auf die Stabilität der Banken haben. Und zwar nicht nur im nächsten Jahr, sondern im ganzen Jahrzehnt“, sagte der Deutsche-Bank-Chefvolkswirt der Zeitung. Auch weitere Bankenpleiten werde es geben.

Kommentare zu "„Die Zukunft des Euro hängt von Italien ab“"

Alle Kommentare
  • @ Realist,
    was wollen wir mit Leuten die so primitiv denken wie Sie?

  • So wird weiterhin alles dem Zufall überlassen und die
    EU-Bankrotteure von den Ereignissen gebeutelt, bis zu
    dem entscheidenden Moment, wenn die Frage auftaucht,
    wen die BRD als Zahlmeister der EU, nach dem unver-
    meidlichen Großen Knall, aus dem Feuer reißen wird?
    Bestimmt nicht die Deutsche Bank!!

  • Die 10 Gebote für die Euro-Zone - nach der Klima-Kirche jetzt noch die EURO-Religion

    "1. Du sollst nicht über deine Verhältnisse leben
    Kein Staat darf sein Defizit über drei Prozent der Wirtschaftsleistung steigen lassen. Tut er es doch, wird automatisch eine Geldstrafe gegen ihn verhängt."

    ...automatisch eine Geldstrafe.... bezahlt mit den erhaltenen "Rettungs"-geldern?
    Falls nicht bezahlt wird : einmarschieren?
    Die Schuldner leisten nicht mal den täglichen Zahlungsausgleich - einfach mal nach "Target2" suchen...

    Es gab bisher schon Regeln, die haben nur auch keinen interessiert. Aber beim nächsten Mal wird alles besser.

  • Wie üblich wird in vielen Kommentaren der Bote der schlech-ten Nachricht erschlagen. 2012 brauchen sehr viele Staa-ten, Banken und Unternehmen sehr viel Liquidität... Und die Banken werden geprügelt, obwohl sie die wichtigsten Geldgeber der Staaten sind. Fallen die Banken, zB weil sie zu tode reguliert werden, als Financiers teilweise aus, wer bitte schön sorgt dann für die Finanzierung der Staa-ten? Warum die deutschen Politiker - insgesondere Grün-Rot - bereit sind, den deutschen Steuerzahler bis aufs Blut auszuquetschen, um den Südländern mit ihren sehr viel reicheren Bürgern auszuhelfen, kann ich nicht nachvoll-ziehen. Nachdem Deutschland nur der Einäugige unter Blinden ist, wäre es gut, wenn das Land bezüglich seiner Staatsschulden vorbildlich agieren würde. Der Rechnungshof weist den Behörden jedes (!) Jahr Geldverschwendung in einer Höhe nach(30 Mrd €), die oberhalb der Neuverschul-dung liegt (!), dh ohne diese Verschwendung hätten wir kein Problem, die aufgehäuften Schulden langsam zu tilgen und (!) etwas gegen die kalte Progression zu tun.

  • Der Euro hatte seit seiner Einführung NIE eine Zukunft.
    (Greenspan)

    Warten wir ganz entspannt auf den Crash; Krisenvorsorge in jeder Hinsicht schon lange abgeschlossen.

    Mayer und anderen Dummschwätzern sei ins Stammbuch geschrieben, daß der € schon lange Tot ist; Leute wie er haben das nur noch nicht "merken dürfen".

  • Sehr geehrter Her Dokt-or Mayere,
    mi Verlaub, es ist nidiskutabel, daß
    - die Werte der Bürger monetisiert werden um die Schuldenlast zugunsten anderer europäischer Staaten abzubauen.
    - Deutschland von Euro profitieren wird. Nachdem Prof. Sinn in August detailliert das Gegenteil beschrieben hatte ist jene zusätzlich belastende causa in den verschiedene politischen Foren x-mal erörtert worden. Den Bären können Sie weder der Zivilbevölkerung, noch de Banken, noch der deutschen Wirtschft draufsatteln. Ich bin nach Adam Smith zuerst Deutsche und dann Europäerin.Jedoch zähle ich nicht zu den Indianern oder denjenigen, die dden deutschen Unternehmern und Arbeitnehmern, Angestellte und Selbständuge die Zeit nicht geben, ihre Verhaltensweisen umzustellen.Deutschland hat stabile Überschüsse3 von circa 255 Milliarden. Wurden diese europäisch und weltweit sachlich reinvestiert?!Wurde die Steuergesetzgebubg rechtzeitig angepasst?!
    - die Pfandklugheit und der Tilgungsglaube in der Politik jemals eine Rolle gespielt hat.
    - der Cantilloneffekt nicht berücksichtigt wird.
    - die deutsche Bevölkerung im europäischen Vergleich reich sei.
    Aus diesen Gründen ist ethisch,politisch und ökonomisch zuerst die S i c h e r h e i t zu bedenken.Die geignete Literatur haben Sie in Wien,9. Kapitel,Seite 156-172.

    Gutes Neujahr im relativ schwierigen ersten Quartal.

  • Der Mayer ist noch relativ unbekannt und ohne großes Renommee in der Branche, und muss sich mit solch reißerischen Schlagzeilen irgendwie Gehör verschaffen !!!

  • @rokober: Ich würde mir den kompletten Wertverfall des Euros nicht so sehr wünschen. Es droht ein Lastenausgleichsgesetz 201x.

  • So ein Quatsch Hr. Mayer !

    Auch meine Kindeskinder werden in 30 - 50 Jahren noch mit dem Euro als offizielles Zahlungsmittel in Deutschland bezahlen und ihre Einkünfte generieren. Vielleicht sind bis dahin einige der jetzt aktiven Mitspieler (GRE, POR) - zwischenzeitlich - nicht mehr mit an Bord, aber dafür kommen auch immer wieder neue mit hinzu (POL, CR, LET, LIT), wie zuletzt EST. Für die Kernländer (DE, FRA, ITA, FIN, AUT, BENELUX) wird sich aber mit 100%iger Sicherheit in den nächsten 30 - 50 Jahren nichts mehr ändern !

  • Gold kann von mir aus auch runterfallen bis 800 Dollar. Bin dann immer noch mit mehr als 150% im Gewinnbereich drin. Der Euro kann von mir aus sofort als wertlos verfallen - würde mich sehr freuen, da ich vorgesorgt habe und nicht gutgläubig den Murksel'schen Reden getraut habe.
    Daß es wirtschaftlich im Jahre 2012 runtergeht, das ist doch schon lange abzusehen, ebenso, daß die Inflation kommen wird.
    Wer da sich nicht abgesichert hat, den beißen eben die Hunde, aber diejenigen sind auch nicht zu bedauern. Sollten vielleicht anstatt der Volks"bild"ungszeitung lieber Wirtschaftszeitungen lesen.

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