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Donald Shoup: Die Ökonomie der Parkplätze

Es sind die ganz großen Fragen unseres Daseins, über die sich Volkswirte gern den Kopf zerbrechen: Was macht Länder reich? Wie bekämpft man Armut und Arbeitslosigkeit? Wie egoistisch ist der Mensch? Den US-Wirtschaftsforscher Donald Shoup treibt seit 35 Jahren etwas anderes um: Wohin mit dem Auto?

Parkplätze sind ein zentraler ökonomischer Faktor. Quelle: gms
Parkplätze sind ein zentraler ökonomischer Faktor. Quelle: gms

NEW YORK. Donald Shoup, Ökonomie-Professor an der University of California, Los Angeles (UCLA), forscht auf einem etwas anderen Gebiet. Der Mann denkt über Parkplätze nach. Wo dürfen Menschen ihr Auto abstellen, und wie viel sollten sie dafür bezahlen? Gibt es so etwas wie faire Verteilung von Parkplätzen?

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Seit 35 Jahren grübelt Shoup über diese Fragen. Und über kaum etwas sonst. Fünf Bücher hat er über das Thema geschrieben und Dutzende von Fachaufsätzen.

Ein Orchideenthema? Keineswegs. Parkplätze sind ein zentraler ökonomischer Faktor, zeigt die Forschung von Shoup. Sie bestimmen, wie wir leben und arbeiten, wie unsere Städte aussehen und wie unsere Wirtschaft strukturiert ist. So muss ein Gastwirt, der in Los Angeles auf 100 Quadratmetern Gäste bewirten will, 330 Quadratmeter Parkplätze bereitstellen. Shoup: "Da stimmt doch etwas nicht!"

Seine Karriere als Parkplatz-Ökonom begann im Jahr 1975 - durch puren Zufall. Im Auftrag des Bundesstaates Kalifornien sollte er zwei Behörden in Los Angeles vergleichen. Bei der einen war das Parken für Mitarbeiter gratis, die andere verlangte Geld. Bei der Behörde mit kostenlosen Parkmöglichkeiten saßen drei Viertel der Autofahrer allein im Wagen - bei der anderen nur 40 Prozent. Der Rest organisierte Fahrgemeinschaften. Shoup staunte: "Schlagartig wurde mir klar, wie stark Parken den Verkehr beeinflusst."

Auch die Umwelteffekte sind gewaltig. Das zeigt eine Studie, die Shoup vor drei Jahren in einem Geschäftsviertel von Los Angeles machte. Jeder Autofahrer kurvt dort im Schnitt dreieinhalb Minuten um den Block, bis er einen Parkplatz gefunden hat. Bei 8000 Wagen pro Tag kommen im Jahr 1,5 Millionen Kilometer zusammen - und 730 Tonnen Kohlendioxid. Insgesamt verursache die Parkplatz-Suche in Amerikas Innenstädten fast ein Drittel des Autoverkehrs.

Jahrzehntelang stand Shoup mit seiner Parkplatz-Forschung ziemlich alleine da. Im Autoland USA interessierte sich kaum jemand für seine Ergebnisse - kostenlose Parkplätze waren dort lange so selbstverständlich wie Atemluft.

Doch weil inzwischen auch die US-Städte im Verkehr ersticken, ist der 72-Jährige mittlerweile ein gefragter Mann: Universitäten im ganzen Land laden ihn zu Vorträgen ein, die "New York Times" bittet ihn um Gastkommentare, und immer mehr US-Städte lassen sich von ihm beraten, wie sie ihr Parkplatz-Problem in den Griff bekommen. "Manche Ideen", sagt Shoup, "brauchen eben ein bisschen länger, bis sie sich durchsetzen."

  • 18.11.2010, 15:47 UhrAnonymer Benutzer: nachhaltiger

    was fehlt im Artikel: wie funktioniert dies beim fahrenden Verkehr auch in der Langstecke:

    aus den Spritpreisen dieser Welt mit den verschiedenen Steuersätzen:
    doppelter Verbrauch bei halbem Preis bei ähnlicher Kaufkraft.
    Das heißt bei europäischem Steuerniveau für benzin und Diesel in den USA würde sich der Verbrauch nach einer Fahrzeuggeneration um 50% verringern, weil sich der Preis mit 40 cent anstatt 5 cent pro Liter fast verdoppeln würde.

    Weniger fahren und anderes fahren bei entsprechenden Reizen mit erheblich weniger Verschwendung.

    Kombiniert mit dem Parkplatzmanagement würden die Amis richtig vernünftig.

    Auch wir würden profitieren, weil bei erheblich weniger Nachfrage nach Öl aus den USA der Weltmarktpreis tiefer liegt, als bei einem weiter so.

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