Die Gerüchteküche der Volkswirte

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Die Anonymität ist Anreiz und Problem gleichzeitig

Auf ein Interview mit dem Handelsblatt lässt sich Kirk ein – anonym und per E-Mail. Warum die Heimlichtuerei? „Weil EJMR häufig Neuigkeiten über Kontroversen in der VWL-Szene enthüllt, könnte es meiner Karriere abträglich sein, als Moderator der Seite bekannt zu sein.“

Die junge, akademische Zielgruppe macht die Seite interessant für Bannerwerbung. Der US-Managerverband Vistage wirbt dort ebenso wie die Kaufhauskette Macy’s. Ein Dauerkunde ist die Online-Stellenbörse Econ-Jobs.com, die EJMR im Design so ähnlich ist, dass man einen Zusammenhang zwischen beiden vermuten könnte. Das bestreitet Kirk. Er wolle zwar mit seiner Seite auch Geld verdienen, doch sei sie „in erster Linie ein Hobby“.

Handelsblatt VWL-Ranking Deutschland sucht den Super-Volkswirt

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Kirk betreibt die Seite seit einem guten Jahr. Gegründet wurde sie vor einigen Jahren von einem ebenfalls anonymen Internetnutzer, der sich „Tatonnement“ nannte. In ihren Anfängen war sie ein ernsthaftes akademisches Forum, und teilweise funktioniert sie auch heute noch so – etwa wenn sich Absolventen darüber austauschen, wie die Jobaussichten bei der Weltbank sind oder weshalb man von einer Top-Hochschule zu einer kleineren Uni wechselt („nettere Kollegen, mehr Geld“). In der Diskussion um die Eigenplagiate des Schweizer Ökonomen Bruno Frey war EJMR ein wichtiges Forum.

Das interessiert auch viele Lehrstuhlinhaber. Rüdiger Bachmann etwa, Professor für Makroökonomik an der RWTH Aachen und vor kurzem aus den USA zurückgekehrt, schaut einmal pro Woche in das Diskussionsforum, „in Spitzenzeiten auch mal täglich“ auf die Seite. Die Unsinnsdebatten stören ihn, „die wertvollen Informationen muss man suchen“. Doch immer wieder gebe es sie: „Vor allem in der heißen Zeit des Jobmarkts. Da wird gepostet, wer von welcher Uni eingeladen wurde und wie viele Angebote ein Kandidat hat.“

Der Reiz der Website, die Anonymität, ist zugleich ihr großes Problem. In einem Ratgeber für junge Volkswirte, herausgegeben vom Bonner Forschungsinstitut IZA, empfiehlt Cornell-Professor John Cawley, Nachwuchsökonomen sollten das Forum besser ignorieren. Er habe beim Start der Website große Hoffnungen gehabt „im Glauben, es könne sich zu einer wichtigen Informationsbörse entwickeln. Leider strotzt es vor irrelevanten und anstößigen Beiträgen.“

Kirk widerspricht: Höchstens zehn Prozent der Beiträge seien zu beanstanden. „Sie werden schnell gelöscht oder sinken ans Ende der Seite, wo sie keiner beachtet.“ Er moderiere die Seite sehr wohl, „allerdings sehr diskret“. Vielen Nutzern ist das zu wenig. „Kirk, warum lässt du zu, was aus diesem Forum wird?“, beschwert sich, stellvertretend für viele, „Economist bd7c“. „Das läuft wirklich aus dem Ruder.“

  • 17.12.2011, 21:00 UhrAnonymer Benutzer: Olli

    "... betrunkene Teenager und nicht wie die wissenschaftliche Elite von morgen ..." - Weil es Eliten nicht gibt, schon gar nicht in den Wirtschaftswissenschaften, weil die gar nix wissen und von dubiosen Veröffentlichungen leben. Oder wie ist das gewesen mit:

    "Gauß ist tot, es lebe Gauß!"?

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