
LONDON. Auf solch eine Idee können nur Briten kommen mit ihrem besonderen Sinn für Humor. Da präsentiert eine ökonomische Denkfabrik eine Studie zu den Gefahren, die von internationalen Großbanken für das Finanzsystem ausgehen - und lässt sich dafür in die Zentrale eines der mächtigsten Geldhäuser der Welt einladen. So geschehen Ende vergangener Woche in London.
Im edlen Hauptquartier von Barclays im Finanzdistrikt Canary Wharf erklärten drei Volkswirte, warum Politik und Finanzmarkt-Aufseher die Risiken, die von Instituten wie Barclays ausgehen, noch lange nicht im Griff haben.
Internationale Großbanken sind in den vergangenen beiden Jahren urplötzlich in das Blickfeld der Wirtschaftsforscher geraten. Schließlich hat die Lehman-Pleite im September 2008 gezeigt: Probleme einzelner Geldinstitute können ganze Volkswirtschaften destabilisieren.
Bis zum Ausbruch der Finanzkrise haben sich die meisten Volkswirte nur am Rande für Geldinstitute interessiert - wenn überhaupt. In den meisten bis heute gängigen Makro-Modellen gibt es noch nicht einmal einen Finanzsektor.
Mittlerweile jedoch haben die Ökonomen sogar ihr eigenes Akronym für internationale Großbanken geprägt: "SIFI". Das steht für "Systemically Important Financial Institutions" - Geldhäuser, die für das gesamte Finanzsystem wichtig sind. Mehr noch: Sie können sogar den Finanzmarkt und die gesamte Wirtschaft destabilisieren. Denn etliche "SIFI" sind inzwischen so groß, dass ihre Mutterländer überfordert wären, sie im Notfall vor dem Untergang zu retten. Das zeigt eine jüngst veröffentlichte Studie der Forscher Asli Demirguc-Kunt (Weltbank) und Harry Huizinga (Tilburg University) mit dem Titel "Are banks too big to fail or too big to save?" .
In Ländern wie der Schweiz, den Niederlanden und Großbritannien seien ähnliche Katastrophen möglich wie in Island im Herbst 2008: Die drei wichtigsten Banken des Landes brachen zusammen und brachten das Land an den Rand eines Staatsbankrotts.
Weltweit gibt es laut Demirguc-Kunt und Huizinga einige Banken, die so groß sind, dass sie nicht gerettet werden können. 30 Banken hätten Verbindlichkeiten, die mindestens halb so hoch ausfallen wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ihres Mutterlandes. Besonders extrem ist es in der Schweiz. Allein die Schulden der UBS summieren sich auf das 3,7-Fache der dortigen Wirtschaftsleistung. Hinzu kommen die Außenstände von Credit Suisse, die sich auf das 2,1-Fache des BIP belaufen. Auch die Außenstände der niederländischen Großbank ING sind mehr als doppelt so groß wie das BIP des Heimatlandes.
Noch krasser ist das Bild, wenn man nicht einzelne Banken betrachtet, sondern die Größe des gesamten Finanzsystems. In Großbritannien zum Beispiel summieren sich die Zahlungsverpflichtungen aller Geldinstitute auf das 5,5-Fache der Wirtschaftsleistung, in der Schweiz sind sie 6,3-mal so groß. "Die Rettung einer solchen Großbank würde erhebliche Belastungen für den Staatshaushalt des jeweiligen Landes mit sich bringen", schreiben Demirguc-Kunt und Huizinga. Die extremen Anstiege der öffentlichen Schulden in den vergangenen beiden Jahren hätten dieses Dilemma verschärft.
"Das wirft Zweifel auf über die Möglichkeit und den Willen von Ländern, ihre größten Banken im Fall der Fälle zu retten", heißt es in der Studie. Bereits im Herbst 2008 waren diese Zweifel auch an den Finanzmärkten vorhanden und haben die Aktienkurse der Großbanken spürbar belastet, weisen die Forscher nach. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise reagierten die Aktienkurse von systemwichtigen Großbanken im Vergleich zu kleineren Wettbewerbern deutlich negativer auf steigende Staatsschulden in ihrem Mutterland.
Ähnliches galt für die Prämien für Versicherungen gegen den Ausfall von Bank-Anleihen, die sogenannten "Credit Default Swaps". Dass die steigenden Staatsschulden die Möglichkeiten, eine Großbank zu retten, einschränken, sei von den Finanzmärkten wahrgenommen worden. "Das signalisiert, dass in der Krise systemwichtige Banken zu groß sind, um gerettet zu werden", schreiben die Forscher.
Die internationalen Großbanken sind mit ihrem hemmungslosen Wachstum offenbar in eine Falle gelaufen, lautet eine zentrale Botschaft der Studie. Lange Zeit war schiere Größe ein enormer Wettbewerbsvorteil. Denn es galt die Regel: Je größer ein Geldhaus, desto wichtiger ist es für die Stabilität von Finanzsystem und Realwirtschaft. Eine Pleite eines solchen Instituts würde so viel Schaden anrichten, dass der Staat sie um jeden Preis verhindern würde. Ökonomen haben für dieses Phänomen den Ausdruck "too big to fail" geprägt.
Kursabschlag auf die Bankengröße
Diese unausgesprochene Staatsgarantie lieferte Großbanken über Jahre tatsächlich spürbare Wettbewerbsvorteile, stellen Demirguc-Kunt und Huizinga fest. Die Institute konnten sich billiger refinanzieren als kleinere Wettbewerber und waren in der Lage, riskantere Geschäfte einzugehen.
Mittlerweile aber hat sich der Wind gedreht. Etliche Geldhäuser haben sich so sehr aufgebläht, dass ihre Größe nicht mehr ein Vorteil, sondern eine Last ist. Sie sind so riesig, dass ihre Rettung die überschuldeten Staaten überfordern würde - "too big to save" statt "too big to fail". Dies gelte vor allem für Institute aus kleinen Ländern und solchen mit hohen Staatsschulden.
Besonders für die Aktionäre dieser Banken rächt sich das übermäßige Wachstum, stellen die beiden Forscher fest. Denn die betroffenen Geldhäuser müssen kräftige Kursabschläge für ihre Größe hinnehmen. Im Schnitt liegen diese laut Studie bei happigen 22 Prozent. Daraus folgt: Wenn sich diese Banken verkleinern, können sie ihren Börsenwert erhöhen - und ihre Anteilseigner glücklicher machen.
Dieses Phänomen, so sind Demirguc-Kunt und Huizinga überzeugt, werde in den kommenden Jahren die Struktur der weltweiten Bankenlandschaft umwälzen. "Vor allem Geldinstitute in finanziell angeschlagenen Ländern haben Anreize, sich zu verkleinern, damit sie sich auch in Zukunft auf die staatlichen Sicherheitsnetze verlassen können."
Auf solche Marktkräfte sollten sich Politiker und Finanzaufseher allerdings nicht verlassen. Auch wenn die internationalen Großbanken aus purem Eigeninteresse heraus in den nächsten Jahren schrumpfen sollten, reicht das aber nicht.
Und für den Kollaps einer internationalen Großbank "ist die Welt nach wie vor nicht gerüstet", warnen die Ökonomen Stijn Claessens (Internationaler Währungsfonds), Richard Herring (University of Pennsylvania) und Dirk Schoenmaker (Duisenberg School of Finance, Amsterdam) in einem in der vergangenen Woche in London vorgestellten Bericht mit dem Titel "A Safer World Financial System: Improving the Resolution of Systemic Institutions".
Die Welt braucht eine Insolvenzordnung für Großbanken
Das entscheidende Problem sei: Die Bankenaufsicht sei Sache der einzelnen Nationalstaaten, die Schieflage eines internationalen Geldinstitutes aber habe direkte Folgen für eine Vielzahl von Ländern.
Gerade bei solch einer internationalen Großbank in Schieflage drohten daher schwere Interessenkonflikte zwischen dem Mutterland des Instituts und den anderen Staaten, in denen es tätig ist. "Nationale Aufsichtsbehörden neigen dazu, die grenzüberschreitenden Folgen ihrer Entscheidungen zu ignorieren." Dieses Problem werde in den Debatten über die Finanzmarkt-Reformen weitgehend ausgeblendet.
Ein Beispiel dafür sei die Lehman-Pleite: Die amerikanischen Behörden hätten eine unkontrollierte Pleite der US-Sparte von Lehman Brothers verhindert und so den unmittelbaren Schaden für das amerikanische Finanzsystem in Grenzen gehalten. Um die zahlreichen Auslandstöchter der Investmentbank habe sich die amerikanische Bankenaufsicht aber nicht gekümmert. Diese seien unkontrolliert zusammengebrochen. Erst dieses unilaterale Handeln der USA habe die Pleite von Lehman Brothers so zerstörerisch gemacht.
Allein mit einer engeren internationalen Koordinierung der Bankenaufsicht und einer Harmonisierung der Vorschriften lasse sich dieses Problem nicht lösen, argumentieren die Ökonomen Claessens, Herring und Schoenmaker. Die Welt brauche eine klare Insolvenzordnung für internationale Großbanken. Nicht nur die Kompetenzen müssten darin sortiert werden - sondern auch, welches Land wie viel Geld zu den Rettungspaketen beisteuert und wie die Verluste aufgeteilt werden.
bei all den Krisen, die im Moment so rumgeistern wird immer von den Schuldnern gesprochen, aber was ist mit den Gläubigern? ich glaube mittlerweile verstanden zu haben, dass Staaten wie Griechenland Schulden bei den banken haben. Der Rest der Welt (EU) steht für diese Schulden gerade, damit unsere großen banken nicht Pleite gehen und dies einen totalen Kollaps mit sich bringt. Aber wem schulden die banken Geld? Geht es hier wirklich darum unsere Gesellschaft vor einem finaziellen Kollaps zu bewahren, oder werden hier nur die Gläubiger auf Kosten der Steuerzahler geschützt? Mit freiere Marktwirtschaft (Survival of the fittest) hat all das nichts mehr zu tun. Wir bezahlen die, die zu blöd sind, sich auf dem freien Markt zu behaupten. Und die bauen sich davon das nächste baudenkmal am Starnberger See oder auf Sylt. Es handelt sich hier um eine staatlich organisierte Umverteilung von arm nach reich. Wohin das führt mag ich mir gar nicht ausmalen. Wir lassen zu, dass unsere Gesellschaft von banken und Politik schrittweise demontiert wird.
Zu guter Letzt noch mal meine Frage:
Wer sind die Gläubiger?
Haben wir nicht eine freie Marktwirtschaft?
also, wer nicht seriös wirtscahftet geht bankrott.
Das macht einen Knall, dann ist Grunddie Hölle los und hernach geht es weiter. Es gibt keinen plausiblen Grund sich dauernd um das Wohl der banken zu kümmern.
Wir nähern uns in allem der Gemeinschaftshaftung.
Das ist Sozialismus pur. Das beitigt jedes eigenverantwortliche Handeln. Der einzelne haftet doch für nichts, folglich frönt er seinen Gelüsten.
Lasst sie pleite gehen, die Welt geht damit nicht unter.
Eigenverantwortung ist doch die Devise, die man jahrelang gepredigt hat. Soll die nun nicht mehr gelten? Wir können und ein Finanzcasino nicht leisten und brauchen es auch nicht. Wir brauchen seröse banken, stabile banken und keine Zockeranstalten.
Die seriösen überleben, der Rest soll untergehen.
Was geht mich als Steuerzahler das Unwesen der banken an, warum soll ich dafür mithaften.
Jeder Spieler trägt sein Risiko selber, dann wird er sich das überlegen.
Nur dann bekommen wir wieder ordentliche Verhältnisse.
Wenn sie so weitermachen, jeden und alles retten, gehen sie selbst bankrott.
Sind das diese Zockerbrüder wert?
Keine solide Wirtschaft braucht ein Finanzcasino,für das die Gemeinschaft haftet, sondern eine solide Finanzwirtschaft. Davon sind wir meilenweit entfernt.
Wenn Wirtschaft Politik kauft, was seit Jahrzehnten passiert, Lobbyisten, Aufsichtsratpöstchen, Versorgungsposten, beraterverträge etc. sind wir eben da wo wir jetzt sind. Wer von den Proviteuren hat denn interesse das zu ändern.
ihr könnt ja versuchen die bANGSTER wegzubeten. Wenn es dann nicht klappt kann man wenigstens behaupten der Herr hat es so gewollt.
OHJEOHJE
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