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Forensische Ökonomie: Volkswirte auf Verbrecherjagd

Ob illegaler Waffenhandel oder Steuerhinterziehung - Ökonomen stöbern immer häufiger Missetäter auf. Die forensische Ökonomie ist ein boomender Forschungszweig. Ermittlungsbehörden nutzen die Erkenntnisse der Forscher.

Robert Downey jr. als Sherlock Holmes (l.) im Film: Der Detektiv hätte einen guten Ökonomen abgegeben. Quelle: dapd
Robert Downey jr. als Sherlock Holmes (l.) im Film: Der Detektiv hätte einen guten Ökonomen abgegeben. Quelle: dapd

Auch als Ökonom hätte Sherlock Holmes eine gute Figur gemacht. Er hatte alles, was ein Forscher braucht: einen messerscharfen Verstand, gute Theorien und einen genauen Blick für die empirische Datenlage. Kein Wunder also, dass immer mehr Ökonomen in die Fußstapfen des berühmtesten Ermittlers der Literaturgeschichte treten und zu Detektiven werden. Forensische Ökonomie heißt die Fachrichtung, bei der Wirtschaftsforscher Verbrechen aufdecken.

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Vom Grabräuber bis zum Waffenhändler haben sie schon viele Täter überführt. Ihre schärfste Waffe dabei ist die Ökonometrie. Mit statistischen Werkzeugen können Ökonomen in großen Datensätzen Hinweise auf Verbrechen finden. So decken sie zum Beispiel mit Börsendaten illegalen Waffenhandel auf.

Aktuelle Forschung

Die Forscher Stefano Della Vigna (Berkeley) und Eliana La Ferrara (Universität Bocconi) analysierten die Aktienkurse von Rüstungsfirmen und stellten fest, dass die Kurse einiger Waffenproduzenten nach dem Ausbruch von Bürgerkriegen nach oben schnellten - obwohl Waffenlieferungen in die Konfliktstaaten verboten waren. Ein Indiz dafür, dass die Firmen sich nicht an das Embargo hielten, so die Forscher. „Firmeninsider und Investoren wissen oft gut über illegalen Handel Bescheid“, so Della Vigna.

Auch Grabräuber müssen sich vor cleveren Ökonomen in Acht nehmen. Raymond Fisman und Shang-Jin Wei von der Columbia Universität konnten mit Hilfe von Zollerklärungen Schmuggel von archäologischen Funden aus Ländern wie Ägypten, Iran und Griechenland aufdecken. Weil die US-Behörden auf historische Artefakte keine Zölle erheben, melden Grabräuber ihre Fundstücke bei der Einreise in die USA oft ordnungsgemäß an.

  • 09.07.2012, 00:26 Uhrwhisky

    Und wann forschen die bei den Finanzwirtschaftlern?
    Wie die Isländer?

  • 09.07.2012, 05:17 UhrAusgeraubtesLand

    Und wann bei allen Politikern?

  • 19.07.2012, 10:42 Uhrnetshadow

    Na, die muß nur jemand bezahlen, wie alles andere auch.
    Dieses Geld ist sicher besser angelegt als sich als Hehler zu betätigen.

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