Die Krise jedoch habe gezeigt: Auch in den Industrieländern funktionieren grundlegende ökonomische Institutionen alles andere als perfekt. „In mancher Hinsicht sind alle Länder Entwicklungsländer“, so Rajan. Daher müssten sich Makroökonomen viel mehr als früher mit den Details der ökonomischen Infrastruktur beschäftigen.Ein Beispiel dafür ist die Frage, welche Bedeutung die Kreditvergabe der Banken für die Realwirtschaft hat. Die etablierte Makroökonomie hat sich damit so gut wie gar nicht beschäftigt und sich weitgehend auf Geldpolitik konzentriert. „Im Rückblick erscheint unsere Fixierung auf Geld – die Frage, wie man es misst, warum die Menschen es halten und so weiter – als tragischer Irrweg“, bedauerte Benjamin Friedman.
Modelle, die die Bedeutung von Banken und Krediten befriedigend erfassen, gebe es bislang nicht. „Das kann aber kein Argument dafür sein, dass wir unseren Studenten nur die alten, überholten Modelle beibringen“, so der Harvard-Ökonom. In der Vergangenheit habe das Fach zudem unter einem Tunnelblick gelitten und viele Fragen zu fragmentiert betrachtet, argumentierte Robert Shiller. „Wir müssen mehr mit unseren Kollegen aus der Psychologie, der Soziologie und der Neurowissenschaft reden“, forderte er.
Die Tatsachen, dass viele Menschen und Unternehmen irrational agierten und dass Märkte oft instabil seien, dürften Ökonomen in Zukunft nicht mehr ausblenden. „Früher war der perfekte Markt der Ausgangspunkt unserer Modelle – in Zukunft sollten wir besser von der Grundannahme ausgehen, dass nichts funktioniert“, sagte Rajan.
Interesse der Studenten so groß wie seit Jahrzehnten nicht
Führende Vertreter der neoklassischen Makroökonomie hielten sich auf der Tagung auffallend zurück. Nur wenige gingen auf die Fundamentalkritik an ihrem Fach ein und verteidigten sich. „Unsere Modelle waren nützlich, um das zu verstehen, was in den vergangenen zwei Jahren passiert ist – und sie werden nützlich bleiben“, betonte Thomas Sargent von der New York University. Als Beispiel nannte er ein 1982 von den beiden Forschern Douglas Diamond und Philip Dybvig veröffentlichtes theoretisches Modell dazu, dass der Staat mit einer Einlagenversicherung Bankruns verhindern könne. Auch Harvard-Professor Robert Barro betonte: „Ich bin niemand, der die Theorie der rationalen Erwartungen infrage stellt.“
Trotz aller Kontroverse schafften es manche Ökonomen in Atlanta, der Krise auch etwas Positives abzugewinnen. „Das Interesse der Studenten“, berichtete Princeton-Ökonom Blinder, „ist so groß, wie ich es in meiner 30-jährigen wissenschaftlichen Karriere noch nicht erlebt habe.“

Mal die Klassiker lesen, Herr Krugman!
„Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll“
Ludwig von Mises (1881-1973)

Große Worte, doch wo bleiben die Taten der Ökonome?
Momentan sehe ich nur ein schlichtes "weiter so" und "alles wird gut".

Die Kritik der "herrschenden Volkswirtschaftslehre" konnte man schon vor der Finanzkrise bei dem im "englischen Exil" lehrenden Volkswirtschaftsprofessor Richard A. Werner in seinem buch Neue Wirtschaftspolitik, Franz Vahlen München 2007, lesen.
9 Kommentare
Alle Kommentare lesen