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Gefälligkeitsgutachten: Studie rückt Rating-Riesen ins Zwielicht

Nach der Herabstufung der USA durch S&P stehen Ratingagenturen im Kreuzfeuer. Eine Studie belegt: Auftraggeber, die Geld in die Kassen spülen, bekommen eine Vorzugsbehandlung - und Gefälligkeitsgutachten.

Zentrale von Standard & Poor's in Manhattan. Quelle: AFP
Zentrale von Standard & Poor's in Manhattan. Quelle: AFP

Köln/London Sie haben gezögert und ihre Entscheidung immer wieder aufgeschoben. Seit Monaten drohte die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) damit, die USA herabzustufen - auch wegen des erbitterten Stellungskriegs, den sich Demokraten und Republikaner in den USA um höhere Steuern und niedrigere Staatsausgaben leisten. Die Regierung war handlungsunfähig und stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. Nach dem halbherzigen Kompromiss Ende Juli verlor S&P schließlich die Geduld - und stufte einen der wichtigsten Kunden zum ersten Mal in der Geschichte herab. Jedes andere Land, das sich einen ähnlichen Zirkus erlaubt hätte, wäre schon viel eher bestraft worden.

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Diese Zurückhaltung ist kein Zufall. Ratingagenturen messen oft mit zweierlei Maß. Viele Beobachter haben es lange vermutet, ein dreiköpfiges Forscherteam hat es jetzt erstmals empirisch belegt: Ratingagenturen reden wichtigen Auftraggebern nach dem Mund, zeigen die Forscher Jie He (University of Georgia), Philip Strahan und Jun Qian (beide Boston College).

S&P, Moody's, Fitch & Co Die mächtigen Ratingagenturen im Überblick

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Grund dafür dürfte das Geschäftsmodell der Agenturen sein, das massive Interessenskonflikte birgt. S&P und Co. bekommen ihr Geld nicht von Investoren auf den Finanzmärkten, die ihre Urteile nutzen und ein Interesse an kritischen Ratings haben. Bezahlt werden sie von den Emittenten der Wertpapiere, die sich positive Urteile wünschen, weil sie dann weniger Zinsen bezahlen müssen.

Wichtige Auftraggeber, die S&P, Moody's und Fitch besonders viel Gebühren einbringen, bekommen eine Vorzugsbehandlung, zeigen He, Strahan und Qian. In ihrer Studie nahmen sie sich das Epizentrum der Finanzkrise vor: den Markt für verbriefte Hypothekenkredite in den USA, sogenannte Mortgage Backed Securities (MBS). Rund 60 Prozent aller Papiere gaben die Ratingagenturen die Bestnote "AAA". Auf dem Papier waren sie damit so sicher wie US-Staatsanleihen, warfen gleichzeitig aber deutlich höhere Renditen ab. Ab dem Sommer 2007 aber erwiesen sich die MBS-Papiere reihenweise als wertlos. Die Bewertung der Produkte hatte sich bis zur Krise zu einer wichtigen Einnahmequelle für die Ratingagenturen entwickelt. 2006 machte Moody's satte 44 Prozent seines Umsatzes mit strukturierten Produkten.

Fragen und Antworten zur Herabstufung der USA

  • Weshalb haben die USA ihre Top-Bonität verloren?

    S&P war unzufrieden mit den von der Regierung beschlossenen Sparmaßnahmen. Die Demokratische Partei von Präsident Barack Obama und die oppositionellen Republikaner hatten sich zuletzt zwar auf eine Anhebung der Schuldengrenze geeinigt, aber laut S&P keine ausreichenden Maßnahmen zur Begrenzung der Schuldenlast beschlossen. Während der Finanzkrise nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers unterstützte die US-Regierung die Wirtschaft mit milliardenschweren Hilfsprogrammen. Die Schuldenlast und die Defizite im Staatshaushalt sind daher deutlich gestiegen. Nun erschwert das schwache Wirtschaftswachstum die Reduzierung der Haushaltsdefizite. Der scharfe politische Streit zwischen Demokraten und Republikaner mache die US-Politik ineffektiv und unvorhersehbar, begründet S&P ihre Entscheidung. Während die Demokraten auch Steuern anheben wollen, lehnen die Republikaner dies kategorisch ab.

  • Wie reagiert die internationale Politik?

    Vorerst mit Schweigen. Die USA äußern sich nicht direkt zu der Herabstufung, von der EU ist auch nichts zu hören. Auch Berlin gibt sich wortkarg. Hinter den Kulissen geht es aber kräftig zur Sache. Die Notenbankchefs wollten bei einer Telefonkonferenz beraten, wie sich die Herabstufung auf die Märkte auswirken wird. Angeblich wollten die G7-Finanzminister eine verbale Beruhigungspille für die Märkte ausarbeiten.

  • Geht die Talfahrt an den Finanzmärkten weiter?

    Das ist sehr schwer vorherzusagen. An den Märkten wurde eine Herabstufung durch S&P in den vergangenen Tagen schon erwartet - es gab eine Vorwarnung der Ratingagentur. Zudem haben die USA noch bei den beiden anderen Ratingagenturen Moody's und Fitch die Bestnote „AAA“. Niemand muss also US-Anleihen verkaufen. Zudem haben große Anleger wie China und Japan kaum eine wirkliche Alternative zum großen und liquiden US-Markt. „Den amerikanischen Anleihemarkt dürfte dies mittelfristig wenig beeindrucken“, erwartet Thomas Mayer, Chefvolkswirt der Deutschen Bank im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Er verweist auf Japan, das mit einem schlechteren Rating und einem höheren Schuldenstand sich problemlos an den Märkten refinanzieren kann. „Aber natürlich ist dieser Schritt für die Anleihemärkte eine weitere Belastung.“ Tatsächlich könnte der Zeitpunkt aber kaum ungünstiger sein. Die doppelte Schuldenkrise in den USA und Europa hat an den Aktienmärkten in den vergangenen Tagen zu schweren Kurseinbrüchen geführt. Zudem signalisierten einige Konjunkturdaten, dass die USA in die Rezession zurückfallen könnte. Und was bedeutet das für die globale Konjunktur? Die Weltwirtschaft könnte belastet werden, falls nun die Zinsen in den USA merklich steigen würden. Dies könnte die sowieso schon schwächelnde US-Konjunktur belasten und die Weltwirtschaft unter Druck bringen. Allerdings dürfte die US-Notenbank in einem solchen Fall erneut massiv US-Anleihen kaufen, und so die Wirtschaft stützen. Ein Zusammenbruch der Kreditversorgung wird weder in den USA noch in Europa befürchtet. Die Notenbanken können aus ihren Erfahrungen aus der Lehman-Krise schöpfen und würden die Märkte ausreichend mit Liquidität versorgen. So hat die Europäische Zentralbank (EZB) den Banken bereits am vergangenen Donnerstag zusätzliche Liquidität angeboten. Eine deutliche Abschwächung der Weltwirtschaft ist aber angesichts der hohen Unsicherheit nicht unwahrscheinlich. Dies würde einen Abbau der hohen Schulden erschweren.

  • Ist mein Erspartes sicher?

    Ja, sollte es nicht zu dem eher unwahrscheinlichen Zusammenbruch des Weltfinanzsystem kommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte zuletzt die Garantie der Regierung für alle Sparguthaben bestätigt. Allerdings dürfte jetzt die EZB bei einer Zuspitzung der Krise die Zinsen nicht mehr weiter anheben. Dies hätte beispielsweise auch Auswirkungen auf die Zinsen des Sparbuchs.

  • Die USA wurden erstmals seit 1941 abgestuft. War die Lage damals schlimmer?

    Nein, denn die USA erhielten auch damals schon Bestnoten für ihre Kreditwürdigkeit. Standard & Poors entstand 1941 aus den beiden Agenturen Standard Statistics und Poor’s Publishing. Beide Unternehmen hatten die USA zuvor stets mit ihren jeweiligen Bestnoten bewertet.

    Bei der jüngsten Herabstufung auf AA+ handelt es sich also um ein wahrhaft historisches Ereignis: Noch nie zuvor haben die Vereinigten Staaten ihre Topbewertung verloren.

  • 13.08.2011, 10:28 UhrAnonymer Benutzer: Reihnard

    Was soll den hier "vermuten" heißen? Mein Sohn geht in die dritte Klasse und hat mich bei den Fersehnachrichten gefragt warum die Lügen. Ein Kind mit 8 Jahren hat begriffen, dass hier beschissen wird, dass alles zu spät ist.

  • 12.08.2011, 05:17 UhrAnonymer Benutzer: Peter

    Warum kann so eine Studie denn nicht mal aus Deutschland kommen ?

    Jeder aus der Branche weiss aber auch dass immer die schlechtesten eines Finance-Jahrgangs zu den Rating Agenturen gehen - die mit den guten Noten gehen lieber in richtige Firmen und verdienen Geld.

  • 11.08.2011, 23:04 UhrAnonymer Benutzer: gast01

    Ach kommen sie. Welche eine Sensation!
    Das glaubt ihnen doch kein Mensch.

    Das ist die Zeit in der wir leben, legalisierte Korruption und Vetternwirtschaft.

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