
Eigentlich war es eine Routine-Aufgabe für die Forscher der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Sie wollten ermitteln, wo derzeit der optimale Leitzins liegen müsste. Wie immer fütterten sie ihren Computer mit den neuesten Daten zu Inflation und Wirtschaftslage. Und der spuckte ihnen vor einigen Wochen dieses Ergebnis aus: minus fünf Prozent.
Die optimalen Leitzinsen – ermittelt mit einem seit den frühen 90er-Jahren bewährten Verfahren, der „Taylor-Regel“ –, sie müssten in den USA negativ sein, weil Inflationsrate und Wirtschaftswachstum derzeit so niedrig ausfallen. Diese Zahl ließ die Forscher staunen, denn negative Leitzinsen gelten als unmöglich.
Der Zinssatz, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Zentralbank Geld leihen können, liegt in den USA, genauso wie in Japan und Großbritannien, bereits praktisch bei null. Die meisten Experten sind sich einig, dass die traditionelle Geldpolitik damit am Ende ihrer Möglichkeiten angekommen ist. Tiefer als null können die Leitzinsen der Notenbanken ja nun mal nicht fallen.
Oder etwa doch?
Angesichts der tiefsten Wirtschaftskrise seit der Großen Depression stellen einige prominente Ökonomen die bislang vorherrschende Meinung infrage. „Es gibt keinen theoretischen oder praktischen Grund dafür, dass die Federal Funds Rate, der wichtigste US-Leitzins, nicht bei minus fünf Prozent oder wo auch immer liegen könnte“, schreibt Willem Buiter, Professor an der London School of Economics, in seinem Weblog.
Zusammen mit anderen Professoren hatte er schon Anfang des Jahrzehnts Vorschläge gemacht, wie die japanische Zentralbank mit negativen Zinsen die Dauerkrise des Landes beenden könnte. Japan steckte in einer Abwärtsspirale aus schrumpfender Nachfrage und Preisverfall, der auch mit Zinsen von null Prozent nicht mehr beizukommen war.
Ähnlich wie Buiter argumentiert auch sein Harvard-Kollege Greg Mankiw. Der vergleicht die Einführung negativer Leitzinsen mit der Erfindung negativer Zahlen: „Frühe Mathematiker haben die Idee negativer Zahlen für absurd gehalten“, schrieb der Professor jüngst in in einem Gastbeitrag für die „New York Times“.
Selbst der Privatmann würde den Wertverlust seines angelegten Geldes hin- und annehmen, wenn ihm klargemacht würde, dass negative Zinsen automatisch alle Prokdukte um ca. ein Drittel im Preis günstiger machten. Was sind schon z.B. 5% Wertverlust an Erspartem im Vergleich zu 30% günstigeren Produkten?
Wer fühlt sich berufen klarzulegen, dass ein Drittel der Kosten eines jeden Produkts und einer jeden Dienstleistung aus zu leistenden Zinszahlungen bestehen?
1 Kommentar
Alle Kommentare lesen