_

Geschichte des Unternehmertums: Vom Zwiebelhändler zum Milliardär

Was hätten Henry Ford oder Steve Jobs vor 2 600 Jahren gemacht? Hart geschuftet, damit das Essen für die Familie reicht? Eher nicht. Wahrscheinlich hätten sie dasselbe getan wie heute: ein erfolgreiches, innovatives Unternehmen gegründet – so wie Iddin-Marduk, der im 7. Jahrhundert v. Chr. mit dem Knollenhandel das Zeitalter des Unternehmertums einleitete.

Innovatives Unternehmertum ist so alt wie die menschliche Zivilisation. Quelle: Klaus Meinhardt
Innovatives Unternehmertum ist so alt wie die menschliche Zivilisation. Quelle: Klaus Meinhardt

KÖLN. Der junge Mann lebte im 7. Jahrhundert v. Chr. in Babylonien, dem Zweistromland zwischen Euphrat und Tigris. „Er hat ein Nischenprodukt entdeckt und ist damit reich geworden“, sagt Frühzeit-Forscherin Cornelia Wunsch.

Anzeige

Bei der Getreideernte fragte sich der Geschäftsmann: „Warum nicht auch mit den Knollen handeln, die sonst keiner beachtet?“ Bis dahin hatten Bauern Zwiebeln nur zum Privatgebrauch angebaut. Iddin-Marduk kaufte ihnen die Knollen im großen Stil ab und verschiffte sie in die Städte. Auf den Märkten, auf denen bislang vor allem Datteln und Getreide verkauft wurden, entstand in kürzester Zeit ein florierender Zwiebelhandel. Bald war die Knolle aus keinem Kochtopf mehr wegzudenken.

Innovatives Unternehmertum ist so alt wie die menschliche Zivilisation – und hat schon immer für Wachstum und Fortschritt gesorgt. Das zumindest behaupten David Landes, Joel Mokyr und William Baumol in ihrem kürzlich erschienenen Sammelband „The Invention of Enterprise“. Doch wovon hängt es ab, ob es in einer Gesellschaft genügend findige Unternehmer gibt, die für Wachstum sorgen?

Um das herauszufinden, haben sich die drei Ökonomen auf die Suche nach den Ursprüngen des unternehmerischen Denkens gemacht und erforscht, unter welchen Bedingungen es in einer Gesellschaft zu einem Gründerboom kommt.

Eine Erkenntnis der Forscher: Kulturelle Gepflogenheiten und soziale Anerkennung, die ein Gründer in der Gesellschaft bekommt, sind eine wichtige Voraussetzung. In Babylonien beispielsweise stand Unternehmertum schon immer hoch im Kurs. Auch wenn Iddin- Marduk, der erste namentlich bekannte Unternehmer war, deuten Keilinschriften darauf hin, dass Händler im heutigen Irak bereits im 3. Jahrtausend v. Chr. profitorientiert dachten und es als Händler zu Reichtum und Anerkennung brachten.

Der Gründergeist überlebte in Nahost bis in die neubabylonische Epoche, in der auch Zwiebelhändler Iddin-Marduk reich wurde. Um das Jahr 500 v. Chr. besaß die Familie dieses Entrepreneurs 16 Häuser, mehr als 100 Sklaven und einen unüberschaubaren Landbesitz. Der Zwiebelhandel war nur eine der Einnahmequellen, die Spezialität der Dynastie waren kreative Kredit- und Immobiliengeschäfte.

Die Familie kaufte Häuser auf Pump und vermietete sie weiter. Die Mieteinnahmen reichten aus, um Kredite inklusive Zinsen zu bedienen. Ein revolutionäres Geschäftsmodell, das der Familie stets genügend Liquidität für neue Investitionen bescherte.

  • Video

Video Reaktionen auf Röttgens Entlassung

Die Opposition nimmt die Demission Röttgens zum freudigen Anlass, die Bundeskanzlerin scharf anzugreifen. So meldeten sich die Grünen-Vorsitzenden Özdemir und Roth sowie SPD-Fraktionsgeschäftsführer Oppermann zu Wort.

  • Die aktuellen Top-Themen
Neuwahlen in Griechenland: Sparbefürworter können auf Wahlsieg hoffen

Sparbefürworter können auf Wahlsieg hoffen

Nach dem Scheitern der Regierungsbildung in Griechenland zeigt die neueste Umfrage ein überraschendes Bild. Plötzlich können die Unterstützer des Sparkurses bei den Neuwahlen auf einen Sieg hoffen.

Neuer Umweltminister: Altmaier muss direkt anpacken

Altmaier muss direkt anpacken

Peter Altmaier ist als Bundesumweltminister noch gar nicht vereidigt worden, doch die Erwartungen an den Neuen im Kabinett von Angela Merkel sind groß. Ein Thema muss der CDU-Politiker schnell anpacken: die Energiewende.

Revolte in Syrien: UN-Chef hat Al-Kaida in Verdacht

UN-Chef hat Al-Kaida in Verdacht

Hat das Terrornetzwerk Al-Kaida bei den Unruhen in Syrien seine Finger im Spiel? Ja, glaubt Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon. Damit gießt er allerdings Wasser auf die Mühlen der syrischen Regierung.

Handelsblog War da was? Deutsche Ökonomen und der Elsevier-Boykott

Im Februar habe ich im Handelsblatt ausführlich über die akademische Protestbewegung gegen die Preis- und Abo-Politik des Elsevier-Verlags berichtet. Ausgehend von einigen Mathematikern haben bislang mehr als 11.000  Forscher aus aller Welt... Von Olaf Storbeck. Mehr…

Handelsblog Die seltsame Geheimniskrämerei der ESMT und Stefan Reichelsteins

Es war eine ziemlich peinliche Nachricht, die die private Berliner Business School ESMT gestern bekanntgeben musste: Der Stanford-Professor Stefan Reichelstein, der eigentlich in weniger als drei Wochen die Führung der Hochschule übernehmen... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International