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IWF-Chefökonom: Höhere Inflation als Versicherung gegen neue Krisen?

Stabile und niedrige Inflationsraten sind unerlässlich, um den Boden für Wachstum und Beschäftigung zu bereiten. Kaum ein anderer ökonomischer Grundsatz war in der Vergangenheit ähnlich unstrittig. Doch nun wirft der IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard eine brisante Frage auf: Sollen die Notenbanken in Zukunft mehr Inflation wagen?

IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard: Inflationsziel überdenken Quelle: dpa
IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard: Inflationsziel überdenken Quelle: dpa

LONDON. Es gibt kaum ein ökonomisches Problem, bei dessen Lösung sich so viele Volkswirte so lange so einig waren: Was ist das Beste, was die Geldpolitik für Wachstum und Beschäftigung tun kann? Für stabile und vor allem niedrige Inflationsraten zu sorgen, lautete in den vergangenen vier Jahrzehnten der Konsens. Er geht zurück auf den 2006 verstorbenen Nobelpreisträger Milton Friedman und ist bis heute die zentrale Leitlinie der Geldpolitik. Die Notenbanken in den hochentwickelten Industrieländern streben allesamt eine Inflation von zwei Prozent oder weniger an.

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Die Finanzkrise bringt diese Einigkeit nun ins Wanken. „Der konzeptionelle Rahmen, auf dem die bisherige makroökonomische Politik basierte, ist fehlerhaft“, schreibt ein dreiköpfiges Forscherteam um Olivier Blanchard, den Chefökonomen des Internationalen Währungsfonds (IWF), in einer Ende vergangener Woche veröffentlichten Studie mit dem Titel "Rethinking Macroeconmic Policy". In dem Konzeptpapier stellen die drei Wissenschaftler eine brisante Frage: Sollten die Notenbanken als Lehre aus der Krise in Zukunft etwas mehr Inflation wagen? Wäre ein Inflationsziel von vier statt von zwei Prozent die bessere Geldpolitik?

Ein etwas höheres Inflationsziel, so argumentieren die Forscher, würde der Geldpolitik deutlich mehr Spielraum im Kampf gegen Wirtschaftskrisen geben. Der Sicherheitsabstand zur sogenannten Liquiditätsfalle, in der die traditionelle Geldpolitik nicht mehr wirkt, wäre größer. Eine Liquiditätsfalle ist eine Situation, in der die Leitzinsen ihre Untergrenze von null erreicht haben und die Menschen aus Angst vor der Zukunft Bargeld horten, statt es zu investieren.

Dann können die Notenbanken zumindest mit konventionellen Mitteln die Konjunktur nicht mehr beeinflussen. Wenn – wie in der Großen Depression und in der Japan-Krise in den 90er-Jahren – gleichzeitig die Verbraucherpreise fallen, kann die Wirtschaft in eine gefährliche Abwärtsspirale rutschen, aus der es kaum ein Entkommen gibt.

  • 24.02.2010, 11:35 UhrAnonymer Benutzer: W. Schnell

    ich kann nur sagen: Weiter so, dann ist der Abgrund nicht mehr allzu weit !!! Warum nicht gleich 6 oder 8 % inflation. Wo ist denn da noch die Grenze? - Sicher sind mit einer höheren inflationsrate die Staatsschulden der Länder schnell(er) vom Tisch, sowohl in der Eurozone also auch z.b. in Amerika. Aber wären damit die Probleme beseitigt? - Wohl nicht: Die Regierungen würden munter weitere Verschuldungen in Kauf nehmen; die inflation frisst sie ja weg. Ein Sparzwang, der ohnehin schon sehr gering entwickelt ist, wäre kaum mehr vorhanden. Doch die Auswirkungen auf die Wirtschaft wären verheerend: Höhere inflation bedingt zwangsläufig höhere Zinsen, die wiederum die investionskraft bei den Wirtschaftssubjekten schmälert. Die wirtschaftliche Entwicklung würde abgewürgt, was wiederum zu steigender Arbeitslosigkeit führen muß.
    - Und ob unsere Geldgeber und Vermögensmillardäre im Petrodollarraum damit einverstanden sind; ich mag dies bezweifeln. - Höhere inflation wäre sicherlich auch für die Entwicklungsländer, insbesondere in Afrika, ein falsches Signal.

    ich denke, die Palette negativer Folgen dieser Einstellung, ließe sich noch unendlich fortsetzen.
    Wir sollten uns alle gegen das süße Gift einer höheren inflation wehren. Die Regierungen sollen endlich mal anfangen, ihre Ausgaben zu überdenken, und vielleicht z.b. die Subventionen zurückfahren, die überdurchnittlich hohen Pensionsausgaben zu reduzieren und vielleicht ihren Apparat zu verschlanken, also auf der Ausgabenseite sinnvoll mit dem Geld umgehen, und nicht durch eine steigende Verschuldung und anschließende Geldentwertung meinen, Finanzprobleme zu lösen.

  • 17.02.2010, 02:20 UhrAnonymer Benutzer: Eckhard Behrens

    Die Diskussion, welche Höhe die inflationsziele der Notenbanken haben sollten, ist überfällig. Die EZb definierte Geldwertstabilität von Anfang an als eine inflationsrate von unter 2%. Wenn sie dieses Ziel erreicht, "fühlt" die bevölkerung Geldwertstabilität und verhält sich entsprechend, d.h. möglicherweise so zögerlich bei ihren Kauf- und Anlageentscheidungen wie in einer Deflation. Seit Jahren strebt die EZb ausdrücklich eine inflationsrate von "unter, aber nahe 2%" an, weil sie einen "Sicherheitsabstand" von der Deflation einhalten möchte. Dieser ist jedoch zu gering, wie die Krise und die inflationsraten seit 2008 zeigen.
    Wir müssen den bereich "gefühlter Geldwertstabilität" verlassen und uns in den bereich "gefühlter inflation" wagen. Dafür reichen 4 besser 5%. im Sommer 2008 hätten die Notenbanken die inflationsraten auf diesem Niveau stabilisieren können. Nachdem sie abgesunken sind, ist es schwierig, die inflationserwartungen auf dieses Niveau hochzutreiben.
    Die Anlageberater verbreiten jetzt unter Hinweis auf die Geldvermehrung und die Staatsschulden fast schon panische inflationsangst. Das ist wieder eine Chance, die die Notenbanken nutzen könnten, indem sie deutlich machen, welche Höhe die inflationsraten nicht überschreiten dürfen. Den Anstieg zu begrenzen ist leicht, ihn zu fördern schwer. Daraus müssen die Notenbanken jetzt die Konsequenzen ziehen und den Sicherheitsabstand von der Deflation in den bereich gefühlter inflation verlegen. Das wird zu nachhaltigen Verhaltensänderungen bei allen Käufern und Anlegern führen. Es wird ihr Verhalten makroökonomisch berechenbarer machen, als wir es bisher gewohnt sind.
    Eckhard behrens, Heidelberg

  • 17.02.2010, 01:58 UhrAnonymer Benutzer: Eckhard Behrens

    Die Diskussion, welche Höhe die inflationsziele der Notenbanken haben sollten, ist überfällig. Die EZb definierte Geldwertstabilität von Anfang an als eine inflationsrate von unter 2%. Wenn sie dieses Ziel erreicht, "fühlt" die bevölkerung Geldwertstabilität und verhält sich entsprechend, d.h. möglicherweise so zögerlich bei ihren Kauf- und Anlageentscheidungen wie in einer Deflation. Seit Jahren strebt die EZb ausdrücklich eine inflationsrate von "unter, aber nahe 2%" an, weil sie einen "Sicherheitsabstand" von der Deflation einhalten möchte. Dieser ist jedoch zu gering, wie die Krise und die inflationsraten seit 2008 zeigen.
    Wir müssen den bereich "gefühlter Geldwertstabilität" verlassen und uns in den bereich "gefühlter inflation" wagen. Dafür reichen 4 besser 5%. im Sommer 2008 hätten die Notenbanken die inflationsraten auf diesem Niveau stabilisieren können. Nachdem sie abgesunken sind, ist es schwierig, die inflationserwartungen auf dieses Niveau hochzutreiben.
    Die Anlageberater verbreiten jetzt unter Hinweis auf die Geldvermehrung und die Staatsschulden fast schon panische inflationsangst. Das ist wieder eine Chance, die die Notenbanken nutzen könnten, indem sie deutlich machen, welche Höhe die infaltionsraten nicht überschreiten dürfen. Den Anstieg zu begrenzen ist leicht, ihn zu fördern schwer. Daraus müssen die Notenbanken jetzt die Konsequenzen ziehen und den Sicherheitsabstand von der Deflation in den bereich gefühlter inflation verlegen.
    Eckhard behrens, Heidelberg

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