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Diskussion: Kommentare zu: Die leeren Versprechen der Wutökonomen

Oliver Stock, Chefredakteur Handelsblatt Online

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Oliver Stock, Chefredakteur Handelsblatt Online

Bitte bleiben Sie fair und halten Sie sich an unsere Community Richtlinien sowie unsere Netiquette.
  • 09.07.2012, 14:36 Uhrhideyoshi

    Hm, aber die Ökonomen anderer Richtungen haben eben auch nur eine (vorübergehende? wers glaubt) Vergemeinschaftung von Schulden zu bieten.
    Aber ob damit die Krise eingedämmt wird? Ist doch dann die Bonität der anderen Länder, starken Geberländer auch anzweifelbar, sinkt deren Bonität, verteuert die Kreditaufnahme. Den Nehmerländern ist nicht geholfen, weil die "Investoren" weiterhin keinen Erfolg bei der Umstrukturierung sehen. Und das ist das Dilemma.

    Man kann es sich schönrechnen wie man will: es geht nicht ohne harte Einschnitte, die sollen aber bitte auch die vornehmen, die es verbockt haben.

    • 09.07.2012, 18:07 UhrMoika

      Nein, aber in dieser Zeit haben die betreffenden Staaten mehr Zeit gewonnen, die wirklich notwendigen Strukturreformen umzusetzen und wirtschaftlich wieder etwas nach vorne zu kommen. Das ist doch der ganze Sinn der Sache. Läuft die Wirtschaft wieder runder, können durch höhere Steuereinnahmen auch wieder die Kredite besser bedient werden.

      Aber so ist es eben Herr Storbeck, da drängt es wohl eine ganze Anzahl von Ökonomen in die Talkshows, jeder möchte mal life dabei sein. Warum verschweigt Sinn eigentlich, daß bei uns Deutschen ein auseinanderbrechen der Währungsunion mit all den heutigen Haftungrisiken - wenn sie denn eintreten - rund dreikommadrei Billionen Euro kosten würde, da sind die jetzt geplanten Hilfen noch immer ein Klacks dagegen.

      Aber ohne diese Wahrheit ist das Schreiben der 172, abgesehen von Duktus und sonstigem Inhalt, absolut unredlich (ich möchte das Wort verlogen vermeiden)!

      Die haben sich keinen Gefallen getan...

      Was mich noch ärgert ist die absolut magere Bewertung Ihres wirklich guten Beitrages. Da verstehen wohl einige nicht, wofür sie die Note abgeben und halten es lieber mit den Fürsten im Altertum: Der Überbringer der schlechten Nachricht wird geköpft.

    • 09.07.2012, 18:20 Uhrwhoknows

      @Moika
      "Nein, aber in dieser Zeit haben die betreffenden Staaten mehr Zeit gewonnen, die wirklich notwendigen Strukturreformen umzusetzen und wirtschaftlich wieder etwas nach vorne zu kommen."

      Bei den vorhandenen Leistungsbilanzdefiziten ist das vollkommen unmöglich, selbst wenn die PIGS das wollten. Die neuen deutschen Bürgschaften werden als Haftungsumme in die vorhandene Horrorzahl addiert, was Deutschland beim Euro Untergang realisieren muss. Weg ist das Geld eh schon.

      Die Krise ist jetzt im 5. Jahr, sehen sie sich die Target2 Salden an.

      "Das ist doch der ganze Sinn der Sache. Läuft die Wirtschaft wieder runder, können durch höhere Steuereinnahmen auch wieder die Kredite besser bedient werden."

      Tagträumerei, die Eurorettung verhindert die notwendige realwirtschaftliche Anpassung der PIGS.

      Ich habe letztens eine interessante Frage gehört:
      Ein Sonnenschirm schützt vor Sonne.
      Ein Regenschirm schützt vor Regen.
      Wovor schützt dann ein Rettungsschirm?

      "Warum verschweigt Sinn eigentlich, daß bei uns Deutschen ein auseinanderbrechen der Währungsunion mit all den heutigen Haftungrisiken - wenn sie denn eintreten - rund dreikommadrei Billionen Euro kosten würde, da sind die jetzt geplanten Hilfen noch immer ein Klacks dagegen."

      Herr Sinn hat doch wirklich immer wieder vor den Haftungsrisiken über die EZB (Target2, SMP, ELA) gewarnt und wurde von Hrn.Storbeck wiederholt diskreditiert. Und nun sind die Haftungen doch auf einmal real? Ja was denn nun.

    • 09.07.2012, 21:01 UhrMoika

      Um ehrlich zu sein, ich kann mir auch nicht vorstellen, daß die Staatsschulden überhaupt einmal - und schon gar nicht in Gänze, zurückgezahlt werden. Das lassen die immer wieder aufflackernden Wünsche und Wohltaten der Politiker einfach nicht zu.

      Auch die Start II Problematik ist mir sehr wohl bekannt - und da geht's um richtiges Geld.

      Trotzdem: Die Invesroren wollen wenigstens, wenn sie weiter Geld geben sollen, sehen, daß die eigene Wirtschaftskraft der nehmenden Staaten ausreicht, um den Schuldendienst problemlos leisten zu können. Aber hier liegt der Knackpunkt eben bei den sogenannten Verschuldungsgrenzen. Für Griechenland dürfte die in etwa bei 40% des jeweiligen BIP liegen, für Spanien bei rund 50% und bei Italien und Frankreich bei ca. 80 % des jeweiligen BIP.

      Was darüber hinaus geht - fressen die Zinsen den Effekt der Ausgaben wieder auf und ab da beginnt das "Nullsummenspiel" - wie gewonnen so zerronnen.

      Um noch einmal auf Sinn zurück zu kommen: Was da abgeliefert wurde war ein im Stil billiges, primitives Pamphlet. Ich erwarte von einem Institutsleiter mehr als Scharfmacherei unter den Mitgliedern der W-Union. Was er da mit den Mitunterzeichnern ablieferte war eine direkte Aufforderung, den Euro zu verlassen. Und genau an diesem Punkt hätte er klipp und klar sagen müssen, wie teuer uns denn dieser Ausstieg kommen würde. Das aber hat er tunlichst ganz bewußt vermieden. Denn bei "den" Zahlen hätte er seine eigene Argumentation ad absurdum geführt.

    • 11.07.2012, 11:35 Uhrwolfidoc

      Wieso war der Aufruf ein "billiges Pamphlet"? Wie begründen Sie das? - Ich halte den Aufruf für sehr sachlich und angemessen - in Anbetracht der Sachlage. Schließlich soll Deutschland dasn des ESM für Summen haften, die bei einem Eintritt der Haftung unseren sofortigen Staatsbankrott zur Folge hätten. Ich muss nicht VWL studiert haben, um das zumindest bedenklich zu finden.

    • 10.07.2012, 10:29 UhrHenry

      Sehr geehrter Herr Storbeck,

      wenn der Aufruf der 172 Ökonomen dazu führt, dass der Fiskalpakt und der ESM gestoppt werden, ist das eigentliche Ziel erreicht.

      Je mehr Geld in das System hineingepumpt wird, umso größer werden die Schuldenzinsen. Die wiederum erfordern immer größere Mengen an Kapital. Diese Spirale sprengt den Rahmen des Möglichen. Alle Rettungsschirme führen zum totalen Fiasko in Europa. Der Euro wird in wenigen Jahren aufgrund der progressiven Rettungsschirme nicht mehr zu halten sein.

      Ein Bundesländerfinanzausgleich auf europäischer Ebene ist völlig unrealistisch!

      Mit dem Fiskalpakt sollen wichtige Souveränitäten der Euro-Staaten
      aufgegeben werden. Eurobonds im Mantel einer Fiskalunion und eine dauerhafte Schuldenunion (Bankenunion) werden erhebliche soziale Kürzungen aller Geberländer wie Deutschland hinnehmen müssen. Alle Sozialleistungen wie Rente, Arbeitslosengeld, Harz IV, Kindergeld usw. in Deutschland müssen um mindestens 10% bis 20% gekürzt werden. Glauben Sie ernsthaft, dass das Volk diese Kürzungen hinnehmen wird?

      Herr Storbeck, wenn Sie den sozialen Frieden wollen, dann verabschieden Sie sich schnell von dem unrühmlichen Euro.
      Nur mit einer schwächeren Währung (2. Einheitswährung) können sich die Südländer wirtschaftlich erholen. Alle anderen Maßnahmen werden zu keiner Stabilität in Europa führen.

  • 09.07.2012, 14:49 UhrGlobalyze

    Sehr geehrter Herr Storbeck,

    Sie behaupten, dass "...die Volkswirtschaftslehre nun mal keine Naturwissenschaft mit ewig gültigen Gesetzen und eindeutigen Ursache-Wirkung-Zusammenhängen" wäre. Damit sprechen Sie der Volkswirtschaftslehre den wissenschaftlichen Charakter ab. Diese Feststellung von Ihnen ist natürlich Unsinn. In der VWL gibt es eindeutige Gesetze, die an die naturwissenschaftlichen Gesetze heranreichen. Das Problem sind häufig die vielen unterschiedlichen Einflussgrößen, weswegen wir Volkswirte mit der ceteris paribus Klausel arbeiten. So ist z.B. der Zusammenhang zwischen zu hoher, also über der Produktivität liegenden Geldmenge und Inflation nahezu unbestritten. Was den Aufruf betrifft, so wundere ich mich doch über die Abqualifizierung Ihrerseits ein Wenig. Was glauben Sie, welche Wirkung ein Aufruf mit Formeln hätte? Fakt ist, dass die Kritiker offensichtlich nicht anerkennen können, dass viele der Volkswirte, die sich übrigens schon seit Jahren melden, richtig lagen. Sie sollten sich vielleicht eher die Frage stellen, warum vier Jahre nach der Finanzkrise noch immer im Hauruckverfahren Gesetze durch den Bundestag gepeitscht werden müssen. Das sieht mir persönlich nach nicht sehr solidem Vorgehen aus. Oder sind da auch wir Kritiker dieser falschen Wirtschafts- und Europapolitik dran schuld?

    Mit freundlichen Grüßen

    Norbert Lohrke
    Vorstand Globalyze Invest AG
    (www.globalyze.de)

    • 09.07.2012, 15:23 UhrBrasso

      @Globalyze

      Die Regeln der Volkswirtschaftslehre mögen im menschenleeren Raum ähnlich der Naturwissenschaften sein. Das chaotische Moment in der Volkswirtschaftslehre kommt durch die Politik. Wenn ich bedenke, wieviele Wahlen es in der Zeit im Euroraum gegeben hat, und jede Wahl Einfluss auf die jeweilige Krisenpolitik hatte, muss ich die Theorie des Herrn Storbeck verteidigen. Rein von der Volkswirtschaftslehre wäre das Griechenlandproblem im Frühjahr 2010 zu lösen gewesen, wenn die NRW-Wahl nicht gewesen wäre.

    • 09.07.2012, 23:28 Uhrazaziel

      @ Norbert Lohrke – ich applaudiere Ihren wohlgesetzten und treffenden Bemerkungen!

    • 10.07.2012, 07:50 UhrEinanderer

      Die VWL - ist das nicht jene Wissenschaft die bis vor der Krise die Banken und die Geldschöpfung völlig abstrahiert (=ignoriert) hatte? Aber egal, Hauptsache man IST der Experte.

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