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Konjunkturpolitik : Keynes und die Mafia

Wirken staatliche Konjunktur-Programme oder nicht? Neue Studien zeigen, dass aktive Fiskalpolitik sehr wohl funktioniert. Zu verdanken ist haben wir diese Erkenntnis unter anderem der italienischen Mafia.

John Maynard Keynes - Illustration von Lutz Widmaier für Handelsblatt. Quelle: Lutz Widmaier
John Maynard Keynes - Illustration von Lutz Widmaier für Handelsblatt. Quelle: Lutz Widmaier

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London

Es war eine der teuersten Unterschriften in der Geschichte der Vereinigten Staaten. Barack Obama war dafür extra nach Denver, Colorado, gereist - in eine Region, in der die Rezession besonders heftig zugeschlagen hatte. Am 17. Februar 2009 unterzeichnete der US-Präsident dort den "American Recovery and Reinvestment Act" - mit 787 Milliarden Dollar das größte Konjunkturpaket der Geschichte.

Nicht nur in den USA, überall auf der Welt haben Regierungen mit gewaltigen Hilfsprogrammen gegen die schlimmste Krise seit Jahrzehnten gekämpft. Hätte die Welt sonst eine zweite Große Depression erlebt? Oder war die Politik nur teuer und unwirksam?

Die Antworten, die Volkswirte auf diese Fragen geben, könnten unterschiedlicher nicht sein. Wenige Themen sind in der ökonomischen Zunft so umkämpft wie Sinn oder Unsinn von Konjunkturpolitik. In den 70er- und 80er-Jahren hatte sich ein Konsens herausgebildet, dass Fiskalpolitik nicht funktioniert - eine Position, die der wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums noch im März 2008 in einem Gutachten vertrat.

Tatsächlich aber hat sich der Forschungsstand seit den 90er-Jahren deutlich verändert. Es mehren sich die Indizien, dass aktive Konjunkturpolitik besser ist als ihr Ruf. "In den letzten zehn Jahren hat es erhebliche wissenschaftliche Fortschritte bei unserem Verständnis von Fiskalpolitik gegeben", schrieb Norman Gemmell, Chefökonom des neuseeländischen Finanzministeriums und zuvor VWL-Professor an der University of Nottingham jüngst im "Economic Journal". "Von einem neuen Konsens sind wir aber noch weit entfernt."

Für die totale Ablehnung, die viele Volkswirte traditionell gegen Fiskalpolitik hegen, gibt es aber wenig empirische Gründe. Theoretische Argumente, Staatsausgaben könnten die private Initiative verdrängen, bestätigten sich in der Realität bestenfalls begrenzt. "Fiskalpolitik kann kurzfristig Konsum und Output erhöhen", fasst Gemmell die Botschaft von mehreren neuen empirischen Arbeiten zusammen.

Die Wirkungen höherer Staatsausgaben oder niedrigerer Steuern seriös zu messen bereitet Volkswirten seit Jahrzehnten großes Kopfzerbrechen. Denn die bloße Beobachtung, dass die Welt die Rezession von 2008/09 schnell überwunden hat, sagt noch nichts aus. Niemand weiß, wie sich die Dinge ohne die Konjunkturprogramme entwickelt hätten. Zudem ist es oft schwierig, Ursache und Wirkung auseinanderzuhalten: Legt das Wachstum zu, weil die Staatsausgaben steigen, oder ist es umgekehrt?

Ein dreiköpfiges Forscherteam um den Cambridge-Ökonomen Giancarlo Corsetti hat dieses Problem in einer neuen Studie erstmals überzeugend gelöst - mit Hilfe der italienischen Mafia.

  • 13.05.2011, 12:37 UhrKlaus Haase

    Sorry, Ihr Mafia-Beispiel ist ein klassisches Non sequitur: Dass der Multiplikator nach unten wirkt, daraus folgt nicht, dass er auch in die expansive Richtung wirkt.

    Besten Gruß
    k.haase@kaboa.de

  • 23.04.2011, 12:29 UhrErnst

    Ein Revolver kann ein lebensrettendes Instrument bei einem Angriff eines Pumas sein (um mal bei einem amerikanischen Raubtier zu bleiben). In den Händen von Kindern ist das Ding nun aber definitiv lebensgefährlich.

    Jetzt die Preisfrage: Wie kindlich sind Politiker?

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