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Kreditzyklen: Mit Dell in die nächste Blase

Die Übernahme des Computerherstellers auf Kredit zeigt die Rückkehr des Optimismus an den Finanzmärkten. Doch das ist nicht ungefährlich. Der Optimismus von heute ist die Saat für die nächste Krise.

Dell-Gründer Michael Dell. Quelle: Reuters
Dell-Gründer Michael Dell. Quelle: Reuters

FrankfurtEs ist der teuerste Unternehmenskauf seit 2007: Für 24 Milliarden Dollar übernehmen Vorstandschef Michael Dell, Microsoft und ein Finanzinvestor das von Dell gegründete gleichnamige Computer-Unternehmen. Sie kaufen auf Kredit. Cash liefern die Käufer weniger als vier Milliarden Dollar. Dell-Großaktionär Southeastern Asset Management kündigte an, die Offerte wegen des zu niedrigen Kaufpreises abzulehnen. Aus Branchenkreisen verlautete, drei weitere Großaktionäre lehnten die Offerte ebenfalls ab.

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Der Deal signalisiert: Investoren und Kreditgeber fassen in den USA wieder Vertrauen in die Zukunft. Man will die niedrigen Zinsen nutzen, um zu investieren. "Die faktische Nullzinspolitik treibt Anleger ins Risiko und damit auch in Unternehmensanleihen", warnt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Er sieht zwar noch keine Kreditblase, aber "ein merkliches Risiko, dass sich in der Zukunft eine Blase entwickelt".

Weil die moderne Ökonomie sich nach ihrem Versagen vor und in der Finanzkrise bemüht, Kreditzyklen wieder verstehen zu lernen, sind die Thesen älterer Forscher wie Hyman Minskys Instabilitätshypothese aus den 80er-Jahren en vogue.

Die wichtigsten Fragen zum Börsenjahr 2013

  • Kann ich mit sicheren Anlagen die Inflationsrate schlagen?

    Nein. Und das dürfte vorerst auch so bleiben, weil Zentralbanken und Regierungen die Zinsen unten halten. Nur so können sie vermeiden, dass Staaten von den Schulden erdrückt werden. Wer die Inflation schlagen will, muss begrenzt Risiken eingehen. Mit Aktien zum Beispiel.

  • Soll ich mein Eigenheim jetzt sanieren

    Wann, wenn nicht jetzt? Zehnjähriges Baugeld gibt’s für 2,5 Prozent, von der staatlichen KfW für eine neue Heizung oder ein gedämmtes Dach sogar ab einem Prozent. Auch der Einsatz von Erspartem lohnt: Auf der Bank bringt es kaum Zinsen, und Investitionen für Dämmung und Heizung schützen gut vor Inflation. Die wird stark von Öl-, Gas- und Strompreisen getrieben. Und: Maßnahmen, die Erhalt und Modernisierung dienen, steigern den Wiederverkaufswert.

  • Fällt der Garantiezins meiner Lebensversicherung

    Am Garantiezins aus alten Verträgen kann die Finanzaufsicht nur im Notfall rütteln. Wer neu abschließt, bekommt 1,75 Prozent auf Beiträge garantiert, nach Abzug von Provision und Kosten. Der Garantiezins orientiert sich an der Rendite von AAA-Anleihen im Schnitt der vergangenen zehn Jahre (zuletzt 3,7 Prozent). 60 Prozent davon können sich Versicherer als Garantiezins noch leisten – etwa 2,2 Prozent. Noch bleibt Luft.

  • Ist es Zeit, Schwarzgeld zu legalisieren?

    Das Schweizer Bankgeheimnis ist praktisch erledigt, weitere Steuer- CDs können durchaus noch in die Hände der Finanzbehörden geraten. Und: Per Selbstanzeige kommen Steuerhinterzieher relativ milde davon. Das muss aber nicht so bleiben. Nebenbei: Was passiert, wenn Bürger ihre Steuern nicht zahlen, lässt sich in Griechenland besichtigen.

  • Soll ich mein Vermögen zu Lebzeiten schon verschenken?

    Jedes Elternteil darf jedem Kind alle zehn Jahre bis zu 400.000 Euro steuerfrei schenken. Schön fürs Kind: Es bekommt das Elternhaus schon zu deren Lebzeiten und spart Steuern. Wer seine Villa nur steueroptimiert übertragen, aber selbst noch bewohnen will, sollte vorsichtshalber ein Nießbrauchsrecht eintragen lassen. Mit Kindern kann man sich zer- streiten, Verschenktes aber nur bei „grobem Undank“ zurückfordern. Die Hürden dafür aber sind hoch.

  • Ist mein Geld auf der Bank sicher?

    Käme eine deutsche Bank oder Sparkasse in Schieflage, müssten zunächst die Einlagensicherungs-systeme der Geldhäuser die Sparer entschädigen. Doch klar ist: Bei Pleite einer sehr großen Bank oder einer Kettenreaktion wären die Töpfe schnell leer. Unabhängig davon garantiert daher seit Ende 2010 das Gesetz pro Kopf und Bank 100.000 Euro; wer mehr hat, sollte das Geld also auf mehrere Banken verteilen.

  • Droht ein Aktiencrash?

    Eher nicht. Aktien sind, gemessen an der global schwachen Konjunktur und der Euro-Krise, zwar schon recht weit gelaufen. Und Aktienkurse zieht es nach unten, wenn die Wirtschaft darbt. Aber Investoren suchen Rendite. Sichere Staatsanleihen bringen zu wenig. Aktien solide geführter Konzerne mit guten Dividenden rentieren höher als Anleihen der Unternehmen. Wer Geld übrig hat, steckt einen Teil in solide Aktien.

  • Soll ich in Währungen außerhalb des Euro investieren?

    Die goldene Regel heißt: Setze nie alles auf eine Karte. Das gilt auch für Währungen. Problem: Die Fluchtwährungen, allen voran der Schweizer Franken, sind schon sehr teuer. Ein paar norwegische, schwedische oder kanadische Staatsanleihen aber können Sie Ihrem Depot ruhig beimischen.

  • Wie sichere ich meine Kinder ab?

    Indem Sie sicherstellen, dass sie etwas bekommen, wenn Ihnen etwas zustößt: Unerlässlich ist eine Risikolebensversicherung, für etwa 30 Euro monatlich gibt es im Todesfall 250 000 Euro. Dazu regelmäßig eine feste Summe ansparen, am besten in Aktien für ein Kinderdepot. Vorsichtige schließen noch eine Kinder-Invaliditätsversicherung ab, die greift weiter als eine Unfallpolice.

  • Soll ich jetzt Schulden machen?

    Kredite sind billig, Konsum kurbelt die Wirtschaft an. Ist Ihr Job sicher, kaufen Sie sich was Schönes, viel Zinsen gibt es sowieso nicht. Bei Immobilien gilt: Auch Niedrigzins-Kredite müssen verlängert und zurückgezahlt werden. In zehn Jahren können die Zinsen viel höher sein. Wer zu wenig tilgt, ist bis zur Rente nicht schuldenfrei. Baukredite also nur so hoch ansetzen, dass Sie die Rückzahlung in einem vernünftigen Zeitraum stemmen können.

  • Soll ich meine Immobilie verkaufen?

    Die Preise sind hoch, eigentlich ein guter Zeitpunkt. Aber die Euro-Krise ist nicht gelöst, Sachwerte bleiben gefragt. Wer verkaufen will, braucht vor allem aber einen Plan, wie er das Geld anlegt. Wer es nur auf dem Sparbuch parken möchte, sollte seine vermietete Wohnung behalten. Das gilt erst recht für das Eigenheim – so man sich wohl darin fühlt.

  • Soll ich Gold kaufen?

    Im Zweifel ja. Wer Gold als Währung betrachtet, kann Papier immer in Edelmetall tauschen, egal, zu welchem Preis. So gesehen ist Gold das einzige Tauschmittel, das Inflation und Währungsreform überlebt hat. Wer davor Angst hat, kauft Gold – als Versicherung.

  • Gibt es sicheres Tagesgeld für mehr als zwei Prozent Zins?

    Kaum. Solange die EZB Banken Geld für 0,75 Prozent gibt, müssen nur kapitalschwache Institute für zwei bis drei Prozent Geld sammeln. Oft greift dann nur die ausländische Einlagensicherung. Bei Pleiten wird es mühsam, an sein Geld zu kommen.

  • Soll ich in Oldtimer, Kunst, Uhren oder Wein investieren?

    Klar doch, wenn Sie Spaß daran haben – und etwas davon verstehen. Die Angst vor Inflation treibt die Preise von Sachwerten, auch von schönen, nutzlosen, wie Cézanne und Mercedes SL. Aber Vorsicht: Laien werden von Experten übervorteilt. Lassen Sie sich unabhängig beraten, auch wenn das erst mal Geld kostet.

Doch um die geplante Dell-Übernahme einzuordnen, lohnt es sich, noch weiter zurückzublicken. Denn der US-Ökonom Thorstein Veblen hat mit dem Buch "The Theory of Business Enterprise" schon 1904 analysiert, warum es im Wettbewerb der Unternehmen zu Phasen überschäumender Kreditaufnahme kommt, denen dann krisenhafte Abschwünge folgen.

Statt Kapital wie zu Adam Smiths Zeiten als Summe der Produktionsmittel zu betrachten, ist es für Veblen aus Sicht einer Unternehmensleitung der Fundus von Geldwerten, den sie einsetzen kann, um Umsatz und Gewinn auszudehnen. Diesen Fundus versucht das Unternehmen, maximal zu nutzen. Ja, es muss das im Wettbewerb sogar tun, argumentiert Veblen. Daraus resultiert in normalen - und noch mehr in guten Zeiten - eine Tendenz zu zunehmender Verschuldung.

Solange die Rendite höher liegt als der Fremdkapitalzins, wird zusätzliches Geld geliehen. Als Sicherheit dient das Unternehmen selbst, mit seiner am Aktienmarkt bewerteten Ertragskraft. Michael Dell und seine Partner, ebenso wie die Kreditgeber spekulieren auf längerfristig niedrige Zinsen und mindestens anständig laufende Geschäfte.

Wenn der Aktienwert eines Unternehmens steigt, weil das Publikum die künftige Ertragskraft optimistischer einschätzt, steigt auch die Kreditfähigkeit des Unternehmens. Das wird sofort genutzt, um mehr Schulden aufzunehmen.

  • 17.02.2013, 15:15 UhrFreidenker

    Monopel bedeuten auch immer Diktatur!! Die Deutschen sind das Jahrhunderte gewohnt! Der deutsche Untertan...dshalb rührt sich nichst weiter auf Deutschen Straßen!

  • 16.02.2013, 17:12 UhrInvisibleTouch

    Und die Kartellämter schlafen weiter den Schlaf der Gerechten.

    Sieht eigentlich niemand bei der von Banken, Politik und Wirtschaft gut geheißenen Globalisierung die dahinter steckende Monopolisierung? Wenn es so weitergeht, sind es bald nicht mehr 130, sondern nur noch 20 Großkonzerne, die weltweit mit ihren Tochterfirmen und Zweckgesellschaften die Völker auf diesem Planeten beHERRschen. Möchten und wollen wir das wirklich?

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