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Krisenprävention: Die Volkswirtschaft aus dem PC

Weil klassische Modelle an ihre Grenzen stoßen, forschen Volkswirte immer öfter mit Computerökonomien. Bei ihren Kunstgesellschaften können sie umstrittene Annahmen aussparen. Die Daten sollen auch vor Krisen schützen.

Ein Computerprofi am Werk. Auch Ökonomen entdecken den Reiz von Computerprogrammen. Quelle: dpa
Ein Computerprofi am Werk. Auch Ökonomen entdecken den Reiz von Computerprogrammen. Quelle: dpa

Wer heutzutage Stadien oder Flughäfen baut, muss gewährleisten, dass alle Besucher heil herauskommen, wenn eine Panik ausbricht. Doch in der Realität lässt sich das nicht prüfen - schließlich kann man nicht Tausende Menschen zu Tode erschrecken und dann beobachten. Also wird simuliert: IT-Experten bestücken ein virtuelles Stadion mit virtuellen Menschen, die sich nach realistischen Regeln verhalten, und schauen, ob die Besucherströme schnell genug zum Ausgang fließen. Genauso gehen Biologen vor, wenn sie untersuchen wollen, ob ein Ökosystem in Gefahr ist - oder Verkehrsforscher, die den Grund für Staus suchen.

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Computersimulationen sind heute in vielen Natur- und Gesellschaftswissenschaften verbreitet, um drohendes Ungemach in einem System aufzuspüren. Nur eine Disziplin hat diese Methodik bisher größtenteils ignoriert: die Ökonomie. Hier sind noch immer abstrakte mathematische Modelle, die sich auf die gröbsten Funktionen einer Volkswirtschaft beschränken, das Maß aller Dinge. Schon vor Jahren warf der schwedische Wirtschaftswissenschaftler Axel Leijonhufvud seinen Kollegen daher vor, Modelle zu nutzen, "in denen schlaue Menschen in unglaublich einfachen Situationen handeln, während in der Realität einfach gestrickte Menschen mit einer unfassbar komplexen Welt zu kämpfen haben."

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Doch seit die Weltwirtschaftskrise die Schwachstellen der modernen Wirtschaftswissenschaft offengelegt hat, nimmt das Interesse der Ökonomen an den sogenannten agentenbasierten Simulationen zu: In den letzten Jahren ist die Zahl der Veröffentlichungen stark gestiegen. "Der Ansatz steckt zwar noch in den Kinderschuhen", sagt etwa Michael Roos, Makroökonom an der Uni Bochum, "doch er hat großes Potenzial."

Der Grund: Mit Computersimulationen lässt sich ein genaueres Abbild der Wirtschaftswelt zeichnen. Gerade für die Politikberatung sei das ein großer Gewinn, meint Roos - schließlich gehe es dabei meist um Detailfragen.

Einer, der seit Jahren mit Simulationen forscht, ist Herbert Dawid von der Uni Bielefeld. Am Computer schafft er eine künstliche Gesellschaft: Darin tummeln sich Tausende Firmen, die Waren produzieren, wachsen oder auch pleitegehen können. Dazu gibt es Banken, Behörden und Arbeitnehmer. Es wird gearbeitet, gehandelt, Geld gespart und eingekauft.

  • 01.10.2012, 09:48 UhrHotSix

    Solange der Mensch nicht wieder ins Zentrum unseres gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Handelns rückt, wird es keine stabile und gesunde Wirtschaft gegen.

  • 04.10.2012, 16:40 Uhrdkrueger29

    Diesen Artikel kann man wirklich nicht unkommentiert lassen: Zitat vom Artikel:

    Computersimulationen sind heute in vielen Natur- und Gesellschaftswissenschaften verbreitet, um drohendes Ungemach in einem System aufzuspüren. Nur eine Disziplin hat diese Methodik bisher größtenteils ignoriert: die Ökonomie.

    Und dies 25 Jahre nach Auerbach und Kotlikoff's Buch? Nachdem seit Jahrzehnten Oekonomen in Makro, Finazwissenschaften und vielen anderen Bereichen die Konsequenzen von alternativen Politiken simulieren (auch und gerade auch in Deutschland, man koennte ja mal bei Alex Ludwig in Koeln, Hans Fehr in Wuerzburg, Rudi Bachmann in Aachen oder vielen anderen fuehrenden Forschern in GER nachfragen, oder beim Kollegen Storbeck, der ueber diese Arbeiten im Handelsblatt berichtet hat).

    Das einzige, was vielleicht richtig ist an diesem Artikel ist die Tatsache, dass die Rationalitaetsannahme von Haushalten, die vielen dieser Simulationsmodelle zugrunde liegt, erst seit kurzem hauefiger durch andere Alternativen ersetzt wird (wobei es die Arbeiten am Santa Fe Institute auch nicht erst seit gestern gibt). Darauf bezog sich Leijonhufvud's Kritik.

    Man kann den Oekonomen ja so einiges vorwerfen, und ich will auch nicht behaupten, dass wir den Naturwissenschaftlern in unseren Simulationstechniken ebenbuertig sind, aber es ist ein Faktum, dass diese Techniken weit verbreitet sind und fast jedes Doktorandenprogramm Kurse hat, in denen diese Kenntnisse an eine neue Generation von Forschern weitergereicht werden.

    Dirk Krueger

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