
FRANKFURT/WIEN. Fünf Meter nur trennen die beiden Professoren aus Amerika. Der eine, Stan Liebowitz aus Texas, steht am Rednerpult hier in der Wiener Musikhochschule und doziert. Der andere, Felix Oberholzer aus Harvard, ist unter den Zuhörern, er sitzt in einer der vordersten Reihen.
Wissenschaftlich aber liegen Welten zwischen den beiden Herren. Dass sie überhaupt auf derselben Veranstaltung auftreten, ist eine kleine Sensation. Seit Jahren liefern sich Liebowitz und Oberholzer einen erbitterten Streit, wie ihn die Wirtschaftswissenschaften selten gesehen haben. Ein zäher Schlagabtausch, in dem es um die Krise der Musikindustrie geht, das Internet und sauberes wissenschaftliches Arbeiten.
Wie in einem Brennglas bündeln sich in der Fehde fundamentale Probleme der ökonomischen Zunft: zu wenig Transparenz, fragwürdige Qualitätskontrollen, Vetternwirtschaft.
Ausgangspunkt des Disputs ist eine Studie, die Oberholzer 2007 mit seinem Koautor Koleman Strumpf im „Journal of Political Economy“ (JPE) veröffentlichte: Musiktauschbörsen wie Napster sind laut dieser Arbeit nicht für den Kollaps der CD-Verkäufe verantwortlich.
Das Ergebnis ist politisch brisant, schließlich überzieht die Musikindustrie Betreiber und Nutzer von Musiktauschbörsen mit Klagen. Die Zeitschrift, in der die Studie erschienen ist, verleiht ihr besonderes Gewicht: Das JPE gilt als eine der anspruchsvollsten Ökonomie-Journale der Welt. Liebowitz, der auf demselben Gebiet wie Oberholzer forscht, kann nicht glauben, was seine Kollegen da herausgefunden haben wollen, und er schaut sich die Arbeit genauer an. Die Daten sind fragwürdig, die Ergebnisse falsch, lautet sein Verdikt. Schlimmer noch: Autoren wie Herausgeber des JPE hätten den Aufsatz veröffentlicht, obwohl ihnen die inhaltlichen Schwächen bewusst gewesen seien.
Seit Jahren beharken sich beide Seiten in E-Mails und in Diskussionspapieren – in Wien kam es jetzt zu einer der ganz wenigen persönlichen Begegnungen. Ein verzweifelt dreinblickender Moderator wird sie später als „High Noon der Professoren“ bezeichnen.
In den ersten 30 Minuten hat Liebowitz das Wort: Locker und leger gekleidet, mit offenem Hemdkragen und leichter Sommerhose steht er am Rednerpult. Emotional und mit viel Verve in der Stimme wirft er Oberholzer vor, mit falschen Daten, verdrehten Fakten und unkorrekten wissenschaftlichen Annahmen gearbeitet zu haben. „Und dann können natürlich auch keine ordentlichen Ergebnisse herauskommen.“
Als Liebowitz seinen Frontalangriff beendet hat, wartet der Attackierte noch ein wenig. Erst dürfen ein paar Studenten Fragen stellen. Aber dann greift der gebürtige Schweizer selbst zum Publikumsmikrofon. Er ist ganz der Gegenpol zum Texaner: Auch bei 30 Grad legt er die Krawatte nicht ab, der Hemdkragen bleibt zu. Genauso ist auch sein Auftritt: kühl, distanziert, zurückhaltend. „Ich bin es gar nicht gewohnt, dass so viel Kritik auf mich niederprasselt“, sagt er.
Erschreckend!
Offensichtlich streiten sich hier nicht nur zwei Professoren. Es scheint so, als seinen auch Herausgeber von Zeitungen Partei zu ergreifen.
Mir scheint hier ist die Glaubwürdigkeit der Medien in Gefahr. Es hilft nur eins. Kaufen Sie nur Zeitungen, die seriös und unvoreingenommen berichten.
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