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Nahrungsmittelspekulation: Wie Finanzinvestoren für mehr Essen sorgen

Die Weltbevölkerung wird größer, Schwellenländer wie China steigern ihr Einkommen: Rohstoffe werden immer teurer. Doch treiben Finanzinvestoren die Nahrungspreise nach oben?

Eine überproportionale Getreideanfrage ist mit ein Grund für steigende Rohstoffpreise. Quelle: dpa
Eine überproportionale Getreideanfrage ist mit ein Grund für steigende Rohstoffpreise. Quelle: dpa

Über die wichtigsten Gründe für steigende Rohstoffpreise herrscht weitgehend Einigkeit. Die Weltbevölkerung wird größer. Bevölkerungsreiche Schwellenländer wie China steigern ihr Einkommen. Die Nachfrage nach Fleisch steigt, was mit einem überproportionalen Anstieg der Getreidenachfrage verbunden ist. Und nicht zuletzt werden große Anbauflächen für die Produktion von Biotreibstoffen und Ähnlichem zweckentfremdet. Das Angebot kann deshalb nicht mit der steigenden Nachfrage Schritt halten.

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Gleichzeitig reagiert die Nachfrage nach vielen Rohstoffen kaum auf die Preise, wie der Fondsmanager Dimitri Speck in einer Untersuchung zu dem Thema erläutert: Das heißt, bei einem Anstieg des Preises sinkt die Nachfrage relativ wenig. Wenn eine überschießende Nachfrage mit einem geringeren Angebot in Einklang gebracht werden muss, steigen die Preise daher relativ stark.

Der Streit geht nun darüber, ob Finanzinvestoren in Rohstoffen den Preis noch weiter nach oben treiben. Speck verweist darauf, dass starke Preisanstiege und -einbrüche auch bei Rohstoffen zu beobachten waren, bei denen Finanzinvestoren kaum eine Rolle spielen, etwa bei Reis. Er vertritt darüber hinaus die These, dass eher das Gegenteil der Fall sein sollte: dass die Geldzuflüsse den Produzenten zugutekommen, so dass sich für diese eine Produktionsausweitung eher lohnt. Das größere Angebot sollte langfristig die Preise eher drücken.

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Die Produzenten sind nämlich oft stark von einer Produktgruppe abhängig und müssen sich deshalb am Terminmarkt dagegen absichern, dass zum Erntezeitpunkt der Preis zu niedrig ist, um die Kosten zu decken. Auf der anderen Seite stehen die Verarbeiter, wie zum Beispiel Bäckereien. Diese sind weniger genötigt, sich abzusichern, weil einzelne Rohstoffe nur einen begrenzten Teil ihrer Kosten ausmachen, und sie Preissteigerungen oft an ihre Kunden weitergeben können.

Wenn keine Finanzinvestoren am Markt sind, müssen Produzenten daher häufig für die Absicherung bezahlen. Das drückt sich darin aus, dass die Futures-Preise niedriger sind als die Spot-Preise.

Speck hat festgestellt, dass die zunehmenden Geldzuflüsse in die Rohstoff-Futures dazu geführt haben, dass immer stärker die umgekehrte Konstellation die Norm geworden ist, bei der die Futures-Preise höher sind als die Kassa-Preise. Das bedeutet, dass die Produzenten an der Absicherung ihrer Erlöse ein Zubrot verdienen. Die Rechnung bezahlen die Finanzinvestoren mit sogenannten Rollverlusten. Jedes Mal, wenn sie auslaufende Futures durch neue ersetzen, zahlen sie drauf.

Das mindert ihren Gewinn aus einer Aufwärtsbewegung. Bleiben die Preise stabil, verlieren sie sogar Geld. Das ist der Preis für die Investorenmode, dem Portfolio Rohstoffe beizumischen, von denen man erwartet, dass sie sich relativ unabhängig von Aktien und Anleihen entwickeln.

Investition in Agrarrohstoffe zu erschweren ist daher keine sinnvolle Strategie gegen den Hunger. Sinnvoller wäre es, die Förderung der Umwidmung von Flächen für die Produktion von Bioenergie zu beenden.

  • 02.02.2013, 23:21 UhrPiaKumar

    Dies ist ein unglaublich zynischer Titel - das Gegenteil ist natürlich der Fall - die Spekulation (und andere Ursachen) führen zur Verteuerung der Lebensmittel und somit zu Verknappung in armen Regionen, weil sich sich Menschen die Lebensmittel schlicht nicht mehr leisten können. Mit Spekulation werden Lebensmittelpreise manipuliert. Ein konkretes Beispiel: Glencore pflegt intensive Beziehung zu Russland. Im Sommer brachte eine Tochterfirma von Glencore die russiche Regierung dazu die Weizenausfuhr zu stoppen. Die Preise stiegen innert Tagen um 15 %. Es wurde auch bekannt, dass Glencore im Frühling 2010 auf steigende Preise gewettet hat... Ausserdem: Herr Speck ist ein Fondsmanager - er wird nie zugeben, dass Spekulation etwas Schlechtes bewirken könnte - so wie ein Milchbauer niemals zugeben würde, dass Milch verschleimt...

  • 31.01.2013, 21:50 UhrMazi

    Wenn Sie von "kleinen" Märkten reden, haben Sie recht. Deshalb will man den Markt auch überschaubar, manipulierbar halten.

    Ist der Markt riesig, und das ist anzustreben, wird angestrebt, dann ist niemand mehr in der Lage Manipulationen vorzunehmen.

    Die Strategie muss also auf Wachstum des Marktes und nicht auf seine Dezimierung gerichtet sein.

  • 31.01.2013, 10:33 UhrRonny

    Diese Geschichte mit der Liquidität betrifft doch eher Aktienmärkte und nicht diejenigen der Rohstoffe.
    Grosse Akteure haben erstens einen Informationsvorsprung, zweitens einen längeren Atem da die Finanzindustrie über unvergleichlich mehr Mittel verfügt, als kleinere Player, sie haben z.B. den Markt für Kakao jährlich durch Käufe angefressen und das Material gelagert und enorme Profite eingefahren. Das was durch Spekulation hineinließt geht auch wieder hinaus. Es ist einfacher Ernten vorherzusehen und man kann durch entsprechende Analysen und Antizipation der Käufe relativ einfach und sicher investieren und abschöpfen, auch wenn es nicht jedesmal klappt. Dies geht letztendlich zu Lasten der Produzenten und Verbraucher.

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