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Netzwerke des „Mainstream“: Keynes-Comeback fällt aus

Staatsverschuldung gehört verboten, Kapitalmärkte sollen in Ruhe gelassen werden. Die Mehrheitsmeinung der Ökonomen ist durch die Krise stark in die Kritik geraten. An eine dauerhafte Renaissance der Gegenseite mögen deutsche Keynesianer allerdings nicht so recht glauben. Zu mächtig scheinen die Netzwerke des „Mainstream“.

Revolutionierte 1936 die Ökonomie. Nun hat die Wirtschaftskrise abermals einen regelrechte Keynes-Hype ausgelöst. Quelle: picture-alliance / KPA/TopFoto
Revolutionierte 1936 die Ökonomie. Nun hat die Wirtschaftskrise abermals einen regelrechte Keynes-Hype ausgelöst. Quelle: picture-alliance / KPA/TopFoto

KARLSRUHE. Es ist keine Absicht, doch es wirkt, als wollten sie sich verstecken. In den hintersten Winkel des Brauhauskellers haben sie sich zurückgezogen, die 80 Keynesianer, die zur Konferenz der deutschen Keynes-Gesellschaft nach Karlsruhe gekommen sind.

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Während von der Hochzeit in der Etage darüber der Schlager „Komm lasst uns fröhlich sein“ durch die Decke wummert, sitzen sie im Halbdunkel vor ihren Bieren und warten auf ihr Abendessen. Zehn Vorträge über Keynes und wie er die Welt sah, haben sie sich an diesem ersten Tag der Konferenz „Keynes 2.0“ angehört, jetzt wirken sie etwas ermattet. Die Fröhlichkeit im oberen Stockwerk kann sie nicht richtig anstecken.

Dabei hätten sie gute Gründe zum Feiern: Die Wirtschaftskrise ist für die gegnerische Seite – von den Keynesianern schlicht „Mainstream“ genannt – ziemlich peinlich. Stets hatten deren Vertreter gepredigt, dass Staatsverschuldung verboten gehört, jedes Angebot automatisch die passende Nachfrage findet und der Staat die Kapitalmärkte in Ruhe lassen soll.

Seit den 70er-Jahren war das die Mehrheitsmeinung in der Volkswirtschaftslehre, doch dieses Dogma ist inzwischen stark angekratzt – konnte die Krise doch nur durch massive Staatseingriffe und schuldenfinanzierte Konjunkturpakete in Rekordhöhe abgefedert werden.

Als John Maynard Keynes 1936 die Ökonomie mit seiner „Allgemeinen Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ komplett auf den Kopf stellte, war es genauso: Auch damals hatte eine Weltwirtschaftskrise die vorherrschende Theorie in große Erklärungsnot gebracht.

Die neue Krise hat einen regelrechten Keynes-Hype ausgelöst – gleich drei neue biografische Bücher sind kürzlich erschienen, dazu fast alle Keynes-Schriften in Neuauflage sowie ein Sammelband mit seinen Radioansprachen, die er bei der englischen BBC gehalten hat. Dass aber eine dauerhafte Renaissance keynesianischer Politik und Forschung möglich ist, daran scheinen die deutschen Keynesianer, die sich für ein Wochenende in Karlsruhe versammelt haben, nicht so recht zu glauben. „Der Mainstream hat einfach zu starke Netzwerke“, sagt einer der Teilnehmer resigniert.

Warum veröffentlichten sie keine mutige Imagekampagne? Warum keinen Aufruf für eine Kehrtwende in der Forschung und mehr Pluralismus an den Unis? Die Keynes-Gesellschaft habe ja im Frühjahr mal eine Pressemitteilung herausgegeben mit Empfehlungen für den Weg aus der Krise, verteidigt sich Hagen Krämer, Professor an der Hochschule Karlsruhe und Gastgeber der Konferenz – doch die habe dann keine Zeitung gedruckt. Seither habe man es nicht wieder versucht.

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