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Neue Methode: Wie Forscher mit Google die Arbeitslosigkeit vorhersagen

Immer mehr Ökonomen nutzen die Statistiken von Google um herauszufinden, was die Menschen tatsächlich beschäftigt. So können sie sogar Grippeepidemien und Entlassungswellen vorhersagen.

von Johannes Pennekamp
Aus der Google-Suche lässt sich ablesen, was die Menschen wirklich beschäftigt. Quelle: Reuters
Aus der Google-Suche lässt sich ablesen, was die Menschen wirklich beschäftigt. Quelle: Reuters

DüsseldorfWenn Nikolaos Askitas erklärt, warum er Umfragen nicht mehr so richtig traut, erzählt er gern von einem seiner Vorträge. Da fragte er seine Zuhörer, ob sie heute schon gegoogelt hätten. "Von 25 Personen haben fast alle ihre Hand gehoben", sagt der Ökonom des Bonner Instituts für die Zukunft der Arbeit (IZA). Danach wollte er wissen, wer denn zuletzt im Netz nach Pornografie gesucht habe - nicht eine einzige Hand ging nach oben. Ziemlich unglaubwürdig, findet Askitas. Denn: "Wir wissen, dass Pornografie einen erheblichen Teil der Internet-Aktivitäten ausmacht."

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Das Beispiel zeigt: In Interviews und Befragungen verschweigen Menschen häufig die Wahrheit oder geben verzerrte Antworten. Männer lassen zum Beispiel auch bei anonymen Befragungen oft Depressionen unter den Tisch fallen.

Prognosen für Grippeepidemien und Entlassungswellen

Seit gut zwei Jahren setzt der Bonner Forscher deshalb auf eine neue Methode: Google. Askitas gehört zu einer wachsenden Gruppe von Wissenschaftlern, die Statistiken der Suchmaschine auswerten, um herauszufinden, was die Menschen tatsächlich beschäftigt: Durchstöbern sie Jobangebote? Brauchen sie einen Psychologen oder bestimmte Medikamente? Planen sie, ein Haus zu kaufen?

Aus den Suchanfragen leiten die Forscher ab, wie sich Arbeitslosigkeit, Konsum und andere ökonomische Größen entwickeln. Immer häufiger sind sie damit ihren Kollegen, die mit traditionellen Methoden arbeiten, einen Schritt voraus.

Ein großer Vorteil der ungefilterten Google-Daten: Im Gegensatz zu Umfragen liegen sie quasi in Echtzeit vor. Daher, so sind die Wissenschaftler überzeugt, machen sie es nicht nur möglich, die Vergangenheit zu erklären. Sie erlauben, "die Gegenwart vorherzusagen". Dass dieser Zeitvorteil unter Umständen Leben retten kann, demonstrierte ein Forscherteam des Google-Konzerns in einer Studie, die das angesehene Wissenschaftsmagazin "Nature" veröffentlichte: Wenn Menschen in bestimmten Regionen vermehrt nach Begriffen wie "Flu" ("Grippe"), "Antibiotika" oder bestimmten Krankheitssymptomen suchten, wurden in diesen Landstrichen ein bis zwei Wochen später mehr Grippe-Erkrankungen gezählt. "Bei der Bekämpfung künftiger Grippe-Epidemien kann dieser Ansatz ein wichtiger Bestandteil werden", folgern die Forscher.

Zwar steckt die ökonomische Forschung auf Google-Basis noch in den Kinderschuhen. Der Konzern veröffentlicht seine Suchstatistiken erst seit 2008 mit dem Dienst "Insights for search". Doch bereits jetzt wird in einer Reihe von Studien deutlich, dass sich mit ihnen auch wirtschaftliche Entwicklungen ablesen lassen.

Die IZA-Forscher Nikolaos Askitas und Klaus Zimmermann etwa untersuchten, wie häufig die Deutschen nach Arbeitsagentur, Jobbörsen und Personalvermittlungen googelten - was sie als Hinweis auf drohenden Arbeitsplatzverlust interpretierten. Die Ausschläge nach oben und unten entpuppten sich dabei als wertvoller Frühindikator für die reale Entwicklung.

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