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Ökonomenstreit: Kölner Volkswirte bleiben hart

Die Volkswirte der Universität Köln halten trotz massiver Kritik an der geplanten Neuausrichtung ihrer Fakultät fest. Indes haben der IHK und Unternehmer ihre Kritik an dem Systemwandel erneuert – sie kritisieren den mangelnden Praxisbezug der Neuausrichtung.

Der Streit der Volkswirte an der Universität Köln geht weiter. Quelle: Lutz Widmaier
Der Streit der Volkswirte an der Universität Köln geht weiter. Quelle: Lutz Widmaier

KÖLN. „Wir sind als Universität in erster Linie der Wissenschaft verpflichtet“, betonte der Kölner Ökonomie-Professor Axel Ockenfels Ende vergangener Woche vor rund 400 Studenten auf einer Podiumsdiskussion der Uni. Es sei ihre Aufgabe, erstklassige Wissenschaftler zu berufen und nicht in erster Linie wirtschaftspolitische Berater, sagte Ockenfels und fügte hinzu: „Es kann nicht sein, dass Leute, die mit Forschung schon lange nichts mehr zu tun haben, uns sagen wollen, wer als Professor infrage kommt und wer nicht.“

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Ockenfels Fakultätskollege Achim Wambach ergänzt: Bei der Auswahl des Forschungspersonals werde sich die Uni auch in Zukunft und stärker als früher an internationalen wissenschaftlichen Standards orientieren. Die Uni wolle aber wirtschaftspolitische Beratung keineswegs aufgeben.

Um die Personalpolitik der Kölner Volkswirte tobt seit Monaten ein heftiger öffentlicher Streit, der eine bundesweite Debatte über die richtige Ausrichtung der VWL ausgelöst hat. Im Kern geht es darum, ob sich das Fach zu sehr vom wirklichen Leben entfernt hat und zu viel Wert auf Theorie und mathematische Methoden legt. In zwei gegensätzlichen öffentlichen Aufrufen haben sich mehr als 270 Ökonomie-Professoren in die Diskussion eingeschaltet: 83 teilen die Kritik, 188 stärken der Fakultät dagegen den Rücken.

Die Uni Köln stand lange in der Tradition der ordoliberalen Wirtschaftspolitik, die mathematische Methoden und Modelle skeptisch sieht und eher normativ-philosophisch ausgerichtet ist. Zurzeit will die Uni Köln sechs vakante Professorenstellen zu einem Forschungsschwerpunkt für Makroökonomie zusammenfassen. Darunter sind mehrere traditionsreiche Lehrstühle, die jahrzehntelang auf das Thema Wirtschaftspolitik spezialisiert waren. Kritiker sehen die Pläne der Kölner als Ende dieser Epoche. Zu den heftigsten Gegnern der Neuausrichtung gehören die emeritierten Kölner Wirtschaftspolitik-Professoren Hans Willgerodt (85) und Christian Watrin (78), aber auch einflussreiche Vertreter aus Unternehmen und Verbänden.

Die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise zeige, wie problematisch die rein mathematische Betrachtung ganzer Volkswirtschaften sei, sagte Werner Görg, Vizepräsident der Kölner IHK und Vorstandschef der Gothaer Versicherung, am Freitag auf einer Podiumsdiskussion der Kölner IHK zu dem Thema. Die Welt sei zu komplex, als dass sie sich in formalen Modellen abbilden und analysieren lasse. Nötig sei daher eine „Rückbesinnung auf die ordnungspolitische Ausrichtung der Volkswirtschaftslehre“ – auch und gerade an der Uni Köln. „Eine Universität mit hohem Praxisbezug ist ein wesentlicher Standortvorteil“, sagte Görg. Die Hochschule solle daher bei ihrer Personalpolitik auch auf die Wünsche der ortsansässigen Wirtschaft hören.

Patrick Adenauer, Geschäftsführender Gesellschafter der Kölner Unternehmensgruppe Bauwens und Präsident des Verbandes „Die Familienunternehmer – ASU“, argumentierte auf der IHK-Veranstaltung ähnlich: „Wirtschaftspolitik und Volkswirtschaft sind keine rein mathematischen Wissenschaften, sondern haben viel mit dem Denken in Ordnungen zu tun. Das wurde viel zu lange vergessen oder verdrängt, was sich jetzt zu rächen beginnt.“

Auch Walther Otremba, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, warnte vor einer zu starken Mathematisierung der Volkswirtschaftslehre: „Das Denken in gesamtwirtschaftlichen Zusammenhängen darf nicht verlorengehen.“ Volkswirte dürften nicht einfach nur Anwender von mathematischen Verfahren sein. Zugleich müsse die wirtschaftswissenschaftliche Forschung in Deutschland aber auch international konkurrenzfähig sein. Eine rein ordnungspolitisch ausgerichtete VWL sei das nicht. „Es reicht nicht, morgens ,Freiburger Schule’ und abends ,Ludwig Erhard’ zu sagen“, betonte Otremba. „Ich wünsche mir, dass bei den Kölner Volkswirten einiges so bleibt, wie es ist, und sich gleichzeitig einiges an internationale Standards anpasst, damit es nicht irgendwann heißt: ,Die Kölner Volkswirte, das sind die Ewiggestrigen.’“

Drei der sechs makroökonomisch orientierten Stellen an der Uni sind inzwischen besetzt – mit dem Arbeitsmarktforscher David Jaeger (45) aus New York, dem Mannheimer Makroökonomen Alexander Ludwig (34) und dem Karlsruher Theoretiker Martin Barbie (36). Die Verhandlungen mit dem in Los Angeles forschenden Makroökonomen Christian Hellwig (34) sind in einer heißen Phase. Zwei weitere Stellen, bei denen mehrere Kandidaten abgesprungen sind, wird die Uni möglicherweise neu ausschreiben. Aber auch dann werde die international sichtbare Forschungsleistung das zentrale Auswahlkriterium sein, heißt es aus der Fakultät – ebenso wie bei den weiteren sieben VWL-Professorenstellen, die bald zu besetzen sind.

Allerdings werde die Kölner VWL auch in Zukunft das wirkliche Leben bei ihrer Forschung nicht aus dem Blick verlieren, betonte Wambach auf der IHK-Veranstaltung. „Anwendungsorientierte Forschung ist eine wichtige Stärke der Kölner VWL, die wir weiter pflegen werden.“

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