_

Ökonomie: Wie bei den anonymen Alkoholikern

Auf ihrer Jahrestagung diskutierte die American Economic Association über die Zukunft ihres Fachs – vor allem darüber, welche Folgen die Finanz- und Wirtschaftskrise für die Ökonomenzunft hat. Wie Ökonomen damit umgehen, dass alte Wahrheiten nicht mehr gelten.

Nach der Krise: Ökonomen suchen nach Orientierung. Quelle: Klaus Meinhardt
Nach der Krise: Ökonomen suchen nach Orientierung. Quelle: Klaus Meinhardt

DENVER. Ein bisschen fühle er sich ja wie bei den „Anonymen Alkoholikern“, gesteht Brad De Long, Ökonomie-Professor der US-Eliteuniversität Berkeley, auf der Jahrestagung der American Economic Association (AEA) in Denver. Bei den Treffen der Selbsthilfegruppe erzählen die Teilnehmer viel über ihre Vergangenheit – wie sie Alkoholiker wurden und wie sie von ihrer Sucht losgekommen sind.

Anzeige

„Ich will heute über all die ökonomischen Erkenntnisse reden, die ich vor drei Jahren noch für wahr gehalten habe und die die Finanzkrise allesamt als falsch entlarvt hat“, sagt De Long. „Das ist ziemlich schmerzlich.“

Der Beinahe-Zusammenbruch des globalen Bankensystems und die tiefste Rezession seit der Großen Depression hat die Volkswirtschaftslehre in eine tiefe Sinnkrise gestürzt: Das Chaos traf das Fach unvorbereitet und war mit den gängigen Theorien nicht zu erklären.

Was haben Volkswirte bis dahin alles falsch gemacht? Welche Lehren muss die Disziplin daraus ziehen? Und was sollte überhaupt der Maßstab für eine gute Wirtschaftspolitik sein? Auf der AEA-Jahrestagung, die Anfang des Jahres in Denver stattfand, waren diese Fragen ein beherrschendes Thema.

An der Schwelle einer Revolution

In mehr als einem halben Dutzend Veranstaltungen diskutierten Volkswirte, was schiefgegangen ist und in welche Richtung sich die wirtschaftswissenschaftliche Forschung weiterentwickeln sollte. „Möglicherweise stehen wir an der Schwelle zu einer neuen Revolution des ökonomischen Denkens“, sagte James Galbraith, Ökonomie-Professor an der University of Texas in Austin.

Die AEA-Jahrestagung ist die mit Abstand wichtigste Ökonomen-Konferenz der Welt. Mehr als 9 000 Wirtschaftswissenschaftler aus aller Welt trafen sich zu Jahresbeginn zu einer viertägigen Konferenz.

  • 20.01.2011, 15:17 UhrAnonymer Benutzer: Schmoller

    ich möchte hier vor allem die Kritik unterstreichen, dass heutzutage unsere Wirtschaftsgeschichte nicht mehr elementarer bestandteil eines volkswirtschaftlichem Studiums ist. Ohne die Erkenntnisse warum wir uns über Jahrtausende zu dem entwickelt haben was wir heute sind, ist es völlig unmöglich dieses komplexe System zu verstehen. besonders die Entwicklung der Städte, die Grund- und Gutsherrschaft und die damit verbundene Arbeitsteilung, die Entstehung von territorialen Staaten, die späteren Volkswirtschaften ist unumgänglich. Ebenso die Geschichte des Handels, des Geld- und Kreditwesen, die Staatspleiten der Vergangenheit sind den meisten Studenten unbekannt. Das all diese Ereignisse die Menschen geprägt, erzogen und entwickelt haben ist für ein Grundverständnis unverzichtbar. Zudem wird davon abgesehen, dass man vor allem bei Wirtschaftswissenschaften interdisziplinär vorgehen muss. Die soziologische / psychologische Komponente hat einen enormen Einfluss in diesem Fachbereich und lässt durchaus auch Prognosen für die Zukunft erkennen.

  • 20.01.2011, 09:15 UhrAnonymer Benutzer: Thomas Ernst

    in keinem einzigen Lehrbuch der VWL steht geschrieben, daß die ökonomischen Theorien im Ergebnis in die Empfehlung münden, sich völlig gewissenlos und unüberlegt in eine exzessive Verschuldung zu stürzen. Auch Keynes hat das so nie gesagt; aber die Akteure, namentlich die Politiker, konnte oder wollten das nicht begreifen.

    Was nützt es denn, wenn etliche Wirtschaftswissenschaftler zu einer vernünftigen und sachgerechten Wirtschaftsordnungspolitik aufriefen und das noch immer tun, wenn keiner ihnen zuhört?

    Man kann der VWL allerdings den Vorwurf machen, daß sie die menschliche Dummheit und Habgier zwar zum Teil berücksichtigt, aber insgesamt jedoch erheblich unterschätzt. Wie Einstein schon sagte, sie ähnelt dem Universum.

  • 16.01.2011, 21:01 UhrAnonymer Benutzer: Mariana Mayer

    Die Leute, incl. me, weltweit haben kein money zum safen, sie verhungern oder vegetieren in Heimen herum.

    Doch der Luxus besteht darin: in deutschland schauen Sozialhilfeempfängerkinder die Tapete an, anderstwo sitzen sie auf dem blanken beton in der Wohnung, oder auf der Strasse.
    Fallbeispiel Frankreich:
    Die Romas die zufrieden dort lebten in einfachsten behausungen werden vertrieben. Weil sie ein paar kupferdrähte abzogen haben und weil es ihnen angeboten wurde, als geschäft. Ja von wem denn?

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Umfragewerte: Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Ganze drei Prozent verliert die Union in einer aktuellen Umfrage. Mit nur 32 Prozent Zustimmung muss Merkels Partei sogar aufpassen, nicht von der SPD eingeholt zu werden. Doch aus der Partei kommen optimistische Töne.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International