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Privatuni ESMT: Manager, zur Sonne, zur Freiheit

Wo einst Erich Honecker den sozialistischen Sieg voraussagte, werden heute kapitalistische Kader ausgebildet. Die Privatuni ESMT will im ehemaligen DDR-Staatsratsgebäude eine international anerkannte Business School aufbauen - trotz anfänglicher Schwierigkeiten.

Immer bereit: Die ESMT will eine international anerkannte Business School aufbauen. Quelle: Klaus Meinhardt
Immer bereit: Die ESMT will eine international anerkannte Business School aufbauen. Quelle: Klaus Meinhardt

BERLIN. Während ihres Studiums hängt Ekaterina Lobanova die Vergangenheit im Nacken - ganz wortwörtlich. Vorne im Hörsaal spricht der Dozent über den Wettbewerb auf dem österreichischen Mobilfunkmarkt, hinter ihr an der Wand hängt ein großes Mosaik mit dem Staatswappen der DDR. Bis vor einem halben Jahr hat Lobanova bei einem Versicherungsmakler in Moskau gearbeitet. Nun büffelt sie täglich in Berlin für ihren Master of Business Administration (MBA) - im ehemaligen Staatsratsgebäude der DDR in Berlin, unter Hammer, Zirkel und Ährenkranz.

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Es ist eine Ironie der Geschichte: Das topsanierte Gebäude mit den neun Meter hohen Decken und der hellen Holzvertäfelung, aus dem Erich Honecker bis 1989 den ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden steuerte, gehört heute einer kapitalistischen Kaderschmiede: der European School of Management and Technology (ESMT) - einer privaten Ausbildungsstätte für Manager, die so sein will wie amerikanische Business Schools.

Gegen hohe Studiengebühren bieten diese Schulen elitäre Zweitstudiengänge an, die ehrgeizige Nachwuchs-Führungskräfte für eine Karriere im gehobenen Management qualifizieren sollen. Wer einen MBA machen will, muss bereits ein Hochschulstudium abgeschlossen und einige Jahre Berufserfahrung gesammelt haben.

Jede US-Uni, die etwas auf sich hält, betreibt seit Jahrzehnten eine eigene Business School. In Deutschland dagegen steckt dieses Konzept noch in den Kinderschuhen. Die Mannheim Business School oder die WHU in Vallendar gehören in diese Kategorie, die ESMT aber gehört zu den ersten eigenständigen Business Schools der Republik.

Als Mitglied des vierten Jahrgangs von MBA-Studenten paukt die Russin Lobanova gemeinsam mit 25 Kommilitonen aus aller Welt. Unterrichtssprache ist Englisch, das Programm geht von neun Uhr morgens bis in den Abend. "Wir leben praktisch in der Schule", sagt Lobanova. Die 30-Jährige ist eine von rund 90 Voll- und Teilzeitstudenten, die sich an der ESMT zum MBA qualifizieren lassen - für Studiengebühren von 38 000 bis 50 000 Euro.

25 deutsche Großunternehmen haben die private Hochschule 2002 gegründet - und hatten anfangs ein schier größenwahnsinniges Ziel ausgegeben: Ein "Harvard an der Spree" solle entstehen, hatten die Gründungsväter um den Ex-Thyssen-Krupp-Chef Gerhard Cromme getönt.

Tatsächlich folgte ein Fehlstart: Chaos statt Elite, galt in den ersten Jahren. So zog sich der aufwendige, 35 Millionen Euro teure Umbau des Staatsratsgebäudes über vier Jahre hin. Die Schule konnte erst viel später als geplant mit Forschung und Lehre loslegen. Dann hatte die Lehranstalt praktisch keine renommierten Dozenten vorzuweisen - Versuche des ersten ESMT-Präsidenten Derek Abell namhafte Forscher abzuwerben, scheiterten. Im Sommer 2006 beschäftigte die Uni gerade einmal sieben Professoren.

Die Wirtschaftspresse verspottete die ESMT als "Schmalspur-Fakultät", und die Beratungsunternehmen McKinsey und Boston Consulting, die zu den Mitgründern der ESMT gehören, forderten eine Neupositionierung der stolpernden Eliteschule.

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