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Prognosebörsen: Mitarbeiter handeln mit Erwartungen

Hundert Laien sind oft schlauer als ein Experte. Unternehmen machen sich dieses Prinzip zu Nutze. Sie richten Prognosebörsen für ihre Mitarbeiter ein. Mit überraschendem Erfolg. Über die Klugheit der Masse und ihren unschätzbaren Wert für heikle Entscheidungen.

von Hans Christian Müller
Wohin gehen die Kurse: Prognosebörsen liefern verlässliche Perpektiven. Quelle: ap
Wohin gehen die Kurse: Prognosebörsen liefern verlässliche Perpektiven. Quelle: ap

DÜSSELDORF. Nichts versüßt den Büroalltag so wie ein gewonnener Wettkampf gegen die Kollegen: Wer wirft mehr Papierkugeln in den Eimer, wer kann alle Bundespräsidenten aufzählen, wer tippt den richtigen Herbstmeister? Mit solchen Mitteln werden die alten Schulhof-Wettkämpfe wieder aufgenommen.

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Was vielen Vorgesetzten ein Dorn im Auge ist, sollte sie freuen: Wissenschaftler haben in den vergangenen Jahren ein Werkzeug entwickelt, das den Spieltrieb der Angestellten ausnutzt, um damit Marktforschung zu betreiben. Die Idee: Die Mitarbeiter sollen ein künftiges Ergebnis prognostizieren - etwa die Absatzzahlen eines neuen Produkts oder die Strategie der Konkurrenz. Wer am besten ist, bekommt hinterher einen Preis, mit dem es sich prima angeben lässt.

Diese sogenannten Prognosemärkte funktionieren nicht wie einfache Tippspiele beim Fußball, sondern wie ein Aktienmarkt. Wie an der Börse handeln die Mitarbeiter mit Aktien - allerdings mit Spielgeld und virtuellen Aktien, deren Kurs dann dem erwarteten Ergebnis entspricht.

"Auf diese Weise lassen sich äußerst treffsichere Vorhersagen machen, das gilt mittlerweile als wissenschaftlich erwiesen", sagt Martin Spann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität Passau. Spann hat als einer der ersten Wissenschaftler in Deutschland vor mehr als zehn Jahren angefangen, über Prognosemärkte zu forschen und Unternehmen bei der Umsetzung zu beraten.

Für professionelle Marktforscher wird der Boom der Prognosemärkte langsam zur Gefahr, denn die neuen Plattformen sind nicht nur billiger, sondern auch besser. Beim US-Computerkonzern Hewlett-Packard zum Beispiel waren die virtuellen Märkte meistens treffsicherer als die bisher genutzten Prognoseverfahren, zeigte eine Studie des California Institute of Technology. Achtmal sollten die Mitarbeiter an einer Prognosebörse die Zahl der bis zum Halbjahresende verkauften Drucker schätzen - sechsmal lieferten sie bessere Ergebnisse als die Vorhersagen, die HP bei Experten in Auftrag gegeben hatte.

  • 06.11.2009, 01:22 UhrSascha

    Wir haben mit Prognosebörsen auch sehr gute Erfahrungen gemacht, auch und gerade in Sachen ideenmärkte. Wir können bestätigen, dass ideenmärkte funktionieren aber die Anreizstruktur muss in solchen Fällen sehr genau geplant werden und darf zugleich nicht zu komplex werden, denn sonst wird sie von den Teilnehmern (Mitarbeitern) wiederum nicht verstanden und damit kann sie auch ihre Wirkung nicht entfalten. Siehe hier: http://www.crowdworx.de/news/wp-content/uploads/2009/10/using-prediction-markets-in-business-forecasting-pre-print-ivanov-20091.pdf

  • 06.11.2009, 12:10 UhrTOBx

    Falscher Link auf http://eix.handelsblatt.com !!

  • 06.11.2009, 12:33 UhrRudzinski

    Das kann ich auch nur bestätigen.Gerade hinsichtlich Organisationsapekten haben wir gute Erfahrungen gemacht: Prognosemärkte bieten neue Kommunikationsangebote innherhalb der Organisation an und damit erhält das Management wiederum vorher nicht dagewesene Einblicke als Grundlage für fundiertere Entscheidungen. Auch zeigen unsere Untersuchungen, dass Prognosemärkte die intensität der Wahrnehmungsleistung seiner Teilnehmer schärft, so dass über den Mechanismus aktuelle und akurate Realitätseinschätzungen von unterschiedlichen Personen vereinigt und transparent gemacht werden: http://mz-witten.de/mzw-denkwerkstatt/files/informationsmaerkte_-_Rudzinski_-_REVUE_-_Prediction_Markets.pdf

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