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Schuldenkrise: Die Griechen und das „Extrageld“

Kann Griechenland dank versteckter EZB- Kredite weiter über seine Verhältnisse leben? Ifo-Chef Sinn ist davon überzeugt. Die Bundesbank nicht.

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Ein Demonstrant mit der griechischen Flagge vor dem Parlament in Athen. Quelle: Reuters
Ein Demonstrant mit der griechischen Flagge vor dem Parlament in Athen. Quelle: Reuters

Auf die deutsche Regierung sind viele Griechen in diesen Tagen nicht gut zu sprechen. Auf ihre Autos aus Deutschland lassen sie aber nichts kommen: „Love, love, my Mercedes-Benz!“, schwärmt eine Frau auf der Facebook-Seite des Athener Mercedes-Clubs.

Nicht nur für Autos aus Deutschland haben die Griechen eine Vorliebe. Jahr für Jahr importieren sie dreimal mehr Güter und Dienstleistungen, als sie exportieren. Um das zu bezahlen, verschuldeten sie sich von 2008 bis 2010 mit fast 85 Milliarden Euro im Ausland – so hoch war ihr Leistungsbilanzdefizit.

Woher bekommen die Griechen dieses Geld? Ifo-Chef Hans-Werner Sinn ist überzeugt: von den Notenbanken. Die würden seit 2008 „Extra-Geld“ drucken, um die Leistungsbilanzdefizite der Krisenländer Griechenland, Irland, Portugal und Spanien (GIPS) zu finanzieren.

Diese These ist politisch brisant. Deutschen Steuerzahlern wäre es kaum vermittelbar, warum sie Griechenland helfen sollen, während das Land auf Kosten der Notenbanken weiter gut leben kann. Auch mit dem Geist der EZB-Statuten wäre solch ein Vorgang kaum vereinbar. Doch etliche Experten melden Zweifel an Sinns Sicht der Dinge an.

Auf den ersten Blick hat Sinn die Zahlen auf seiner Seite: Die Leistungsbilanzdefizite der GIPS-Staaten summieren sich zwischen 2008 und 2010 auf 365 Milliarden Euro. In der gleichen Zeit hat die EZB Forderungen in Höhe von 340 Milliarden Euro gegen die Notenbanken der Problemländer aufgebaut – im elektronischen Zahlungssystem „Target2“, über das private Banken grenzüberschreitende Geldgeschäfte abwickeln.  

Jede private Geldüberweisung zwischen Euro-Ländern hinterlässt Spuren in den Notenbank-Bilanzen. Wenn ein Grieche Geld nach Deutschland überweist, hat die griechische Zentralbank danach aus buchhalterischen Gründen eine Verbindlichkeit gegenüber der EZB – und die Bundesbank eine Forderung gegen die Europäische Zentralbank in gleicher Höhe.

Weil seit Ausbruch der Krise aus den GIPS-Staaten deutlich mehr Geld in andere Euro-Staaten überwiesen wurde, als in umgekehrte Richtung floss, haben sich in den Target-2-Bilanzen der Notenbanken massive Ungleichgewichte gebildet.

Sinn ist überzeugt: Dieses Geld nutzen die GIPS-Staaten dazu, weiter über ihre Verhältnisse zu leben. Das habe verhindert, „dass sich die GIPS-Staaten allmählich an die neuen Realitäten anpassen“.

Viele Banken- und Hochschulvolkswirte sowie die Bundesbank widersprechen ihm. Leistungsbilanz- und Target-2-Salden seien nur zufällig ähnlich groß. „Der Zusammenhang zwischen dem Leistungsbilanzsaldo eines Landes und der Veränderung seines Target-2-Saldos ist nicht eindeutig“, betonte die Bundesbank auf Anfrage des Handelsblatts. Leistungsbilanzdefizite könnten mit steigenden, sinkenden oder unveränderten Target-2-Salden einhergehen. „Auch bei ausgeglichener Leistungsbilanz können sich Veränderungen der Target-2-Positionen ergeben, sofern gegenläufige Entwicklungen im Kapitalverkehr auftreten.“

  • 02.07.2011, 08:20 Uhrcashca

    Ist das nicht interesssant. Sobald einer Fakten aufdeckt, der Wahrheit auf der Spur ist, kommt sofort das Widerspruchskommando angerollt. Das Lügenkartell positionieert sich postwendend, in Deutschland funktioniert das immer noch hervorragend.
    Jedenfalls, mit irgenwas muß ja dieser Konsum, das Leben auf Pump in dieser "Brot und Spiele" Gesellschaft der EU bezahlt werden.
    Wenn es nicht gestohlen wird, dann muß es wohl gedruckt werden.Das gehtheute sogar mit ein paar PC Tasten. Wie ist
    es heute doch bequem. Früher spuckte der Goldesel Taler, heut der PC- oder doch die Druckerpresse?
    Was werden wir doch von früh bis abend verarscht.

  • 02.07.2011, 11:16 UhrWirtschaftsphilosoph

    Storbeck zeigt durchaus Fehler bei Sinn auf, übersieht jedoch weiterhin, dass dessen grundlegender Punkt richtig ist: Die Target-Salden sind ein Problem, weil die nur dort ausgehandelten Kredite insbesondere in Griechenland ausfallen können. Siehe meinen Blog unter http://wirtschaftsphilosoph.wordpress.com/2011/07/02/nochmals-zu-den-target-salden/

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