Die Mär von den faulen Ausländern

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Keine Belege für Stammtischparolen

„Es gibt bislang nicht viel empirische Forschung zu diesem Thema - aber die Arbeiten, die existieren, zeichnen alle ein ähnliches Bild“, fasst Thomas Bauer, Vize-Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI), den Forschungsstand zusammen.„Das Phänomen der Migration in die Sozialsysteme wird in der öffentlichen Diskussion und der allgemeinen Wahrnehmung weit überschätzt“, sagt der RWI-Forscher. Die ökonomische Forschung zeige: Große Wanderungsbewegungen kommen nur in Gang bei gewaltigen Lohn- und Einkommensunterschieden zwischen Ländern.

Viele Menschen scheuen den Umzug in ein anderes Land aus Gründen, die wenig mit wirtschaftlichen Faktoren zu tun haben: Das Lernen einer neuen Sprache ist mühsam, das gewohnte soziale Umfeld aufzugeben, fällt schwer. „Diese psychologischen Kosten von Migration werden in der öffentlichen Diskussion stark unterschätzt“, betont Bauer.

Selbst innerhalb eines Landes, in dem es keine sprachlichen und kulturellen Barrieren gibt, sind unterschiedlich generöse Sozialleistungen kein Faktor, der Menschen im großen Stil zum Umzug bewegt, zeigt eine Studie der US-Ökonomen Phillip Levine und David Zimmerman. Sie stellten fest: Arme, alleinerziehende Mütter in den Vereinigten Staaten ziehen nicht systematisch in Bundesstaaten, in denen sie mehr Geld vom Staat bekommen.

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Zu ähnlichen Ergebnissen kommt das Forscherteam um Klaus Zimmermann für 19 europäische Staaten und die Jahre 1993 bis 2008. Die Ökonomen trugen aus zahlreichen Quellen detaillierte Daten über die staatlichen Leistungen für Arbeitslose, die Konjunktur- und Arbeitsmarktlage sowie die Migrationsströme zusammen. Sie fanden keinerlei Indizien dafür, dass generösere Sozialleistungen EU-Bürger dazu bringen, von einem Land in ein anderes zu ziehen.

Bei Zuwanderern aus Nicht-EU-Staaten sieht es auf den ersten Blick etwas anders aus: Hier beobachteten Zimmermann und seine Koautoren in den Rohdaten einen moderaten Zusammenhang zwischen Sozialstaat und Zuwanderung.
Allerdings können sie zeigen, dass der Grund dafür ein anderer ist, als an vielen Stammtischen vermutet wird. Nicht hohe Sozialleistungen ziehen mehr Zuwanderer an, sondern die Regierungen reagieren auf höhere Zuwanderung, indem sie Sozialleistungen ausbauen. „Die Debatte über die Sozial-Migration geht in die Irre“, lautet daher das Fazit der Studie. „Sie beruht nicht auf empirischen Belegen.“

  • 04.01.2012, 10:52 UhrMario53

    Die Studie des IZA untersucht offenbar nur die Arbeitslosenversicherung, also offenbar nicht das ALG II, gemeinhin "Hartz IV" genannt, und ist damit in ihrer wissenschaftlichen Aussage nicht relevant. Man müsste korrekterweise die gesamten Sozialleistungen in einem Staat untersuchen, einschliesslich der für Sozialhilfeempfänger kostenlosen Krankenversicherungsleistungen.
    Aus meiner Zeit als Gerichtsdolmetscher kann ich sagen, dass insbesondere Nicht-EU-Ausländer (Kurden, Ukrainer, Moldavier, Libanesen u.a.)hervorragend über alle deutschen Sozialleistungen informiert sind, obwohl sie nur ganz rudimentär Deutsch sprechen oder lesen konnten. Sie kannten sich aber sehr gut aus in Fragen der Kostenübernahme bei der Ausstattung ihrer Wohnung, der Wohnungsgröße, der Erstattung von Nebenkosten, der Anmeldung eines privaten PKW (den ALG-II-Bezieher in der Regel nicht besitzen dürfen) und dem Bezug von Kindergeld. In dieser Hinsicht sind diese Ausländer also alles andere als faul, sondern höchst kreativ! Dies ist keine diskriminierende Meinung, sondern schlicht und einfach meine Erfahrung, die andere Leser wohl auch so oder ähnlich gemacht haben.

  • 31.12.2011, 08:00 UhrAnonymer Benutzer: Adolf

    Der Unterschied zwischen dem was ein Deutscher unter "Migranten und Arbeiten" versteht (schlechtbezahlte Dreckarbeit) und was ein Mensch darunter versteht ist enorm.

  • 10.12.2011, 22:10 UhrAnonymer Benutzer: domklei

    ich empfehle dringend die Lektüre von Ulfkotte Buch "Kein Schwarz.Kein Rot. Kein Gold.", was dort beschrieben wird scheint mir der Wirklichkeit doch deutlich näher zu kommen!

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