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Streit über Feldexperimente: Ökonomen stecken Entwicklungshilfe ins Labor

Was die einen als Revolution feiern, ist für andere unethische Schmalspurforschung. Mit kontrollierten Feldexperimenten wollen manche Ökonomen die Entwicklungspolitik umkrempeln. Kritiker bezweifeln die Aussagekraft.

Schulmädchen in Niger. Die Bildungspolitik ist ein beliebtes Experimentierfeld für Entwicklungsökonomen. Quelle: dpa
Schulmädchen in Niger. Die Bildungspolitik ist ein beliebtes Experimentierfeld für Entwicklungsökonomen. Quelle: dpa

DüsseldorfManche Ökonomen wären gerne Arzt oder Physiker. Dann könnten sie ihre Ideen mit einem Experiment überprüfen. So wie Mediziner neue Medikamente testen oder die Forscher im Teilchenbeschleuniger messen, ob Neutrinos tatsächlich schneller als Licht sind. In der Ökonomie sind Experimente schwierig.

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Wenn Ökonomen mit einem Experiment herausfinden wollten, was passiert, wenn die Zentralbank die Leitzinsen senkt, bräuchten sie zwei gleiche Volkswirtschaften. In einer könnten sie die Zinsen senken und in der anderen nicht. Doch Volkswirtschaften unterscheiden sich in so vielen Aspekten, dass ein sauberes Experiment unmöglich ist. Ökonomen versuchen daher traditionell eher mit statistischen Werkzeugen, Wirkungszusammenhänge zwischen ökonomischen Variablen zu belegen.

Entwicklungshilfe Ökonomen kritisieren Hilfsmaßnahmen

Experimentalökonomen bezweifeln, dass bessere Kochstellen armen Menschen helfen.

Das ist aber sehr fehleranfällig. Es besteht die Gefahr, dass die Forscher wichtige Faktoren außer Acht lassen und so die beobachteten Wirkungen fälschlicher Weise den untersuchten Variablen zuweisen. Deshalb suchen sich Ökonomen zunehmend Forschungsfelder, in denen sie tatsächlich wie in Medizin oder Physik die untersuchten Variablen isolieren können.

Vor allem Entwicklungsökonomen wollen neuerdings so herausfinden, ob zum Beispiel kostenlos verteilte Medikamente gegen Darmparasiten dafür sorgen, dass Kinder häufiger zur Schule gehen, oder ob Mikrokredite die Armut lindern. „Experimente könnten die Entwicklungsökonomik revolutionieren“, versprechen Esther Duflo und Abhijit Banerjee vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) vollmundig im Bestseller „Poor Economics“.

Nur mit kontrollierten Feldexperimenten, bei denen die Teilnehmer per Zufall ausgewählt werden, lasse sich herausfinden, ob Hilfsprojekte wirken. So hat Duflo etwa gezeigt, dass Eltern ihre Kinder öfter impfen lassen, wenn sie für den Arbeitsausfall mit Lebensmittelspenden entschädigt werden.

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