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Studie belegt Einfluss: "Übermäßig aktive Blogger" treiben Ökonomen an

Nach einer neuen Weltbank-Studie ist klar: Nicht nur Qualität und Quantität der Ökonomie-Blogs steigen, der Einfluss von Bloggern auf die ökonomische Forschung ist ebenfalls deutlich höher als gedacht.

Eine Frau schreibt auf der Tastatur eines Computers. Quelle: dpa/picture alliance
Eine Frau schreibt auf der Tastatur eines Computers. Quelle: dpa/picture alliance

LondonManche Volkswirte halten sie einfach nur für eine lästige Plage: Blogger, die im Internet über Ökonomie schreiben. So lästerte Ifo-Chef Hans-Werner Sinn über "übermäßig aktive Blogger", nachdem das Zeit-Blog "Herdentrieb" und das "Handelsblog" des Handelsblatts seine Thesen zu einem angeblichen Geheim-Bailout der EZB kritisch beleuchtet hatten.

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Kartik Athreya, ein Volkswirt aus dem Forscherstab der Federal Reserve Bank of Richmond, argumentierte im Juni 2010 in einer Streitschrift sogar: Volkswirtschaftslehre (VWL) sei so kompliziert, dass man sie in Blogs nicht angemessen darstellen könne. Bloggende Ökonomen würden nichts zur wirtschaftspolitischen Diskussion beitragen. Athreya: "Sie sollten von der Öffentlichkeit ignoriert werden."

Im Internet schlug ihm daraufhin so viel Kritik entgegen, dass er sein Papier schnell wieder zurückzog. Es ging auch völlig an der Realität vorbei. Denn tatsächlich sind Blogs in der VWL ein immer wichtigeres Diskussionsmedium - und sie verändern das Fach fundamental. Ohne Platzrestriktionen und im direkten Dialog mit den Lesern können dort Ideen ausführlich und tiefgehend diskutiert werden.

Die Weltbank-Ökonomen David McKenzie und Berk Özler liefern dafür jetzt erstmals harte empirische Belege. In ihrer Studie "The Impact of Economics Blogs" kommen sie zu dem Schluss: "Wirtschaftsblogs haben enormen Einfluss, sie leisten viel mehr, als Forscher nur von ihrer eigentlichen Arbeit abzulenken."

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Ein Beispiel dafür ist die Diskussion über die Arbeitsweise des Züricher Ökonomieprofessors Bruno Frey. Unter seinen Kollegen war es ein offenes Geheimnis, dass Frey systematisch identische Arbeiten ohne Querverweise mehrfach veröffentlicht - ein klarer Verstoß gegen wissenschaftliche Ethikrichtlinien. Aber erst, nachdem US-Blogger über ein Eigenplagiat von Frey berichtet hatten, wurde das Thema offen in der Profession diskutiert. Das "Journal of Economic Perspectives" hat Frey formal gerügt, die Uni Zürich ermittelt.

In den USA erreichen VWL-Blogger wie der Nobelpreisträger Paul Krugman oder Tyler Cowen, der "Marginal Revolution" betreibt, schon heute mehrere Zehntausend Leser pro Tag. Von solchen Zahlen können deutsche Autoren nur träumen, aber auch hierzulande ist das Wirtschaftsbloggen im Aufwind, zeigen die Daten des Bielefelder Unternehmensberaters Dirk Elsner, der das "Blicklog" betreibt. Seit drei Jahren erfasst Elsner alle deutschsprachigen Wirtschaftsblogs: "Am Anfang gab es zwischen 70 und 80 - heute sind es rund 200." Dass einzelne Blogger wie der vielgelesene Thomas Strobl (Weissgarnix.de) den Spaß verlieren, seine Domain verkauft hat und sich zurückziehen, ändert an dem Trend nichts.

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