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Studie: Das amerikanische Übergewicht

Wer als Ökonom erfolgreich sein will, muss in den besten US-Fachzeitschriften publizieren. Dabei sind die Chancen ungleich verteilt, denn die Journals bevorzugen amerikanische Themen und Wissenschaftler. Und auch abweichende Meinungen kommen bei den Top-Zeitschriften wenig gut an.

US-Journals bevorzugen amerikanische Themen und Wissenschaftler. Quelle: Lutz Widmaier
US-Journals bevorzugen amerikanische Themen und Wissenschaftler. Quelle: Lutz Widmaier

FRANKFURT. Es klang immer ein bisschen nach Neid auf die erfolgreichen US-Kollegen, wenn europäische und andere nicht-amerikanische Ökonomen sich beklagten. Sie hätten keine faire Chance, mit ihren Studien in die führenden Fachzeitschriften zu kommen. Doch die Vorwürfe perlten an den Herausgebern der Journals aus den USA immer ab. Es fehlte der wissenschaftliche Beweis für ihre These.

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Jetzt aber haben zwei Forscher in einer groß angelegten Untersuchung nachgewiesen, dass die Klage sehr wohl berechtigt ist. Die beiden Weltbank-Ökonomen Jishnu Das und Quy-Toan Doin werteten die wissenschaftlichen Artikel aus 20 Jahren in den fünf Zeitschriften aus, die weltweit als die führenden gelten. Drei davon, der "American Economic Review", das "Quarterly Journal of Economics" und das "Journal of Political Economy", werden in den USA herausgegeben. Sie dominieren die Auswahl, weil sie zahlenmäßig viel mehr Aufsätze veröffentlichen als die beiden anderen, die britische "Econometrica" und der britisch-schwedische "Review of Economic Studies".

In den amerikanischen Spitzenjournals zu veröffentlichen ist für die Karriere eines Ökonomen ungemein wichtig. Weltweit hat sich das in den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten als dominierendes Kriterium für die Berufung und die Karriere eines Ökonomen in der Wissenschaft herausgebildet.

Für US-Journals sind nur US-Daten interessant

Nach der Analyse der Entwicklungsökonomen von 200 Fachzeitschriften befasste sich von 76 000 empirischen Aufsätzen knapp die Hälfte mit der US-Wirtschaft. Und von diesen ohnehin stark überrepräsentierten Aufsätzen zu den USA schafft es ein deutlich überdurchschnittlicher Anteil in die fünf Spitzenzeitschriften, nämlich 6,5 Prozent. Von den Studien über andere Länder, von denen es ohnehin viel weniger gab, schafften es dagegen nur 1,5 Prozent in die Top fünf. In 20 Jahren druckten die fünf Spitzenzeitschriften 2 383 Aufsätze über die US-Wirtschaft - aber nur 39 Aufsätze zu Indien und 65 Aufsätze zu China.

"Ein europäischer Datensatz muss schon sehr originell sein, dass man damit in die Top-Journals kommen kann", bestätigt der Münchener Ökonom Klaus M. Schmidt. Im Großen und Ganzen sieht Schmidt, der einer der international erfolgreichsten deutschen Ökonomen ist, dies aber nicht als großes Problem an.

Bruno Frey von der Universität Zürich dagegen, der laut Handelsblatt-Ranking forschungsstärkste deutschsprachige Ökonom, kann sich über die Macht der Top-Zeitschriften durchaus echauffieren. "Wissenschaftler außerhalb der USA haben eine deutlich geringere Chance, in die Top-Journals zu kommen", beklagt er. "Ausgenommen, man hat exzellente Beziehungen zu amerikanischen Wissenschaftlern." Hinzu komme, dass Ökonomen an amerikanischen Spitzenuniversitäten überzeugt seien, dass nur solche Studien etwas taugen, die an ihren Seminaren vorgestellt wurden: "Ein gutes europäisches Papier ist deshalb von vorneherein ein Außenseiter mit geringen Erfolgschancen."

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