
DÜSSELDORF. Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine gute Nachricht: Die Gläubigerbanken des angeschlagenen Familienkonzerns Schaeffler sind offenbar bereit, dem hochverschuldeten Automobilzulieferer Tilgungszahlungen zu stunden, weil sie so Abschreibungen auf Schaeffler-Kredite vermeiden können.
So positiv eine solche Einigung für Schaeffler ohne Frage wäre - für die deutsche Wirtschaft insgesamt wäre es ein böses Omen. Denn die Milde der Banken weckt böse Erinnerungen an die Japan-Krise in den 90er-Jahren. Die Erfahrungen von damals legen nahe: Wenn die Banken in Deutschland häufiger so handeln, wie die Schaeffler-Gläubiger es vorhaben, dann machen sie die Krise möglicherweise nur noch schlimmer.
In Japan hatte das Platzen der Spekulationsblase an den Aktien- und Immobilienmärkten in den frühen 90ern die Banken ins Mark getroffen. Politik und Finanzaufsicht erlaubten es den Geldinstituten aber, ihre Probleme weitgehend unter den Teppich zu kehren. Um faule Kredite nicht offenlegen und abschreiben zu müssen, bekamen auch stark angeschlagene Unternehmen weiter Kredite - in der vagen Hoffnung, dass sich mancher Schuldner vielleicht irgendwann von allein wieder berappeln und seine Kredite doch noch zurückzahlen würde.
Tatsächlich aber verschärfte sich dadurch die Wirtschaftskrise, zeigt eine jüngst im "American Economic Review" erschienene Studie. Ein Forscherteam um Ricardo Caballero, Professor am Massachusetts Institute of Technology, gelingt es darin erstmals, Ausmaß und Folgen der japanischen Krisenzeit valide zu beziffern.
Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis: Die aus der Not geborene Milde japanischer Banken gegenüber ihren Schuldnern führte dazu, dass zahlreiche, eigentlich dem Untergang geweihte Unternehmen weiterleben konnten. Es entstanden untote Unternehmen, die den Markt erheblich verzerrten und gesunden Konkurrenten das Leben schwermachten. Caballero und seine Co-Autoren sprechen von "Zombie-Unternehmen".