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Studie zu Wissenslücken: Verband fordert 200 Stunden Ökonomie-Unterricht

exklusivDass das ökonomische Grundwissen der Deutschen eklatante Mängel aufweist hat den Lehrerverband aufgeschreckt. Verbandspräsident Kraus plädiert für ein Fach Wirtschaft, um die Wissenslücken zu schließen.

Unterricht in einer 6. Klasse eines Gymnasiums. Quelle: dpa
Unterricht in einer 6. Klasse eines Gymnasiums. Quelle: dpa

BerlinDer Deutsche Lehrerverband (DL) hat sich für mehr ökonomische Grundbildung für alle Schüler ausgesprochen. „Entscheidend ist aus meiner Sicht, dass es in der Summe rund 200 Stunden Unterricht werden“, sagte Verbandspräsident Josef Kraus Handelsblatt Online. „Allein das bedeutet umgerechnet auf ein eigenes zweistündiges Fach: zweieinhalb Schuljahre Unterricht in diesem Fach.“

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Möglich wäre aus Sicht des Lehrerverbandspräsidenten ein eigenes Fach Wirtschaft einzuführen, wie dies an bayrischen Gymnasien bereits der Fall sei. Dort werden „Wirtschaft und Rechtslehre“ unterrichtet. Möglich wäre aber auch, „Ökonomie“ als Querschnittthema zu begreifen. Das könne dann in den Fächern Politik, Geschichte, Landeskunde/Fremdsprachen, Ethik/Religionslehre verankert sein, sagte Kraus.

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Viele Deutsche haben von Wirtschaft keine Ahnung. Das ist das Ergebnis einer Studie von drei Berliner Forschern. Sie fragten einfache Fakten und Zusammenhänge ab. Hätten Sie die Antworten gewusst? Machen Sie den Test.

Kraus äußerte sich vor dem Hintergrund einer Studie des Berliner Bildungspsychologen Gerd Gigerenzer, der zufolge das ökonomische Grundwissen der Deutschen eklatante Mängel aufweist. Mit 24 Fragen aus den Bereichen Verbraucherschutz, Wirtschaftspolitik und Geldanlage hatten die Forscher untersucht, ob das ökonomische Basiswissen der Deutschen ausreicht, um sich gefahrlos in der Wirtschaftswelt zurechtzufinden.  Im Schnitt konnten die rund 1000 Befragten weniger als 14 Fragen richtig beantworten. Damit sind die Wissenslücken sogar noch gewachsen: Im Vergleich zu einer früheren Untersuchung im Jahr 2010 ist die durchschnittliche Zahl der korrekten Antworten um eine halbe gesunken.

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Die Deutschen wissen immer weniger über Wirtschaft, zeigt eine Studie. Insbesondere junge Leute offenbaren Wissenslücken. Professoren fordern daher das Schulfach „Wirtschaft“.

Kraus ist der Ansicht, dass es auch zu den Aufgaben von elterlicher Erziehung gehöre, aus jungen Leuten „mündige Wirtschaftsbürger“ zu machen. „Leider – das wissen wir seit einigen Jahren – ist es aber mit dem ökonomischen Grundwissen unserer jungen Leute nicht weit her“, klagte er. Schuld daran sei unter anderem eine „vermeintlich moderne Pädagogik“, der es um die Förderung von sogenannten Kompetenzen, nicht mehr aber um die Vermittlung konkreten Wissens und Könnens gehe. „Das aber ist der falsche Weg, denn auch für den Bereich der Wirtschaft gilt: Wer nichts weiß, muss alles glauben und sich ständig ein X für ein U vormachen lassen.“

Tipps der Kinderpsychologin

  • Taschengeld

    „Taschengeld ist sehr sinnvoll, um den Umgang mit Geld zu lernen. Aber man sollte es frühestens ab mit dem Schuleintritt zahlen“, sagt Annette Claar, Kinderpsychologin aus Aschaffenburg. Schließlich müssten die Kinder auch erst einmal rechnen können. Wenn Kinder ihre Wünsche vom eigenen Geld bezahlen müssen, überlegen sie eher einmal, ob es ihnen die Ausgabe wert ist. „Generell bin ich stark dafür, dass Kinder für ihr Taschengeld auch kleine Gegenleistungen erbringen und regelmäßig im Haushalt mithelfen oder ab einem bestimmten Alter auch mal einen Ferienjob machen. Dabei können sie erleben, dass Geld bekommen normalerweise mit einem persönlichen Aufwand verbunden ist und sie können auch gleich Einblicke in das Arbeitsleben gewinnen.“

  • Schulden machen

    „Kinder müssen begreifen, dass sie Schulden machen, sobald sie einen Vorschuss für ihr Taschengeld bekommen“, sagt Annette Claar, die schon Mitte der 90er-Jahre den Ratgeber „Was kostet die Welt – wie Kinder lernen, mit Geld umzugehen“ geschrieben hat. Am besten sei es, den Kindern gar nicht erst die Möglichkeit zu eröffnen, ihr Budget zu überziehen. Problematisch sei auch, dass Eltern häufig Geld nachlegen, wenn das Taschengeld frühzeitig aufgebraucht ist. „Wenn Eltern doch mal eine Ausnahme machen, müssen sie das ausführlich besprechen und an konkrete Bedingungen knüpfen.“

  • Bedeutung des Materiellen

    „Ich erlebe oft, dass Kinder Wünsche erfüllt bekommen, die sich ihre Eltern selbst nicht leisten“, sagt Annette Claar. Es sei zwar schön, wenn die Eltern alles für ihre Kinder tun, aber das Materielle dürfe nicht im Vordergrund stehen. „Viel wichtiger sind gemeinsame Unternehmungen und die müssen auch nicht teuer sein. Kinder haben an gemeinsamen Unternehmungen viel größere Freud als an Geschenken.“

  • Teilhabe an der Budgetplanung

    „Eltern sollten mit ihren Kindern über die finanzielle Situation sprechen, ganz wichtig ist aber, dass dies dem Alter entsprechend geschieht“, sagt Claar. „Es ist wichtig, den Kindern zu erklären, wofür die Familie Geld ausgibt.“ Nur so könnten sie verstehen, warum die Eltern dieses oder jenes nicht kaufen können.

  • Einkaufen gehen

    Wichtig sei aber auch, Kindern und Jugendlichen nicht nur theoretisches Wissen zu vermitteln, sondern auch den praktischen Umgang zu zeigen. „Spannend ist es zum Beispiel mit Kindern einkaufen zu gehen und mit ihnen ganz bewusst zu schauen, wo die Produkte stehen, die besonders auf Kinder abzielen. Man könnte auch einmal die Kinder gezielt die verschiedenen Angebote zu einem Produkt suchen lassen und mit ihnen vergleichen, zu welch unterschiedlichen Preisen es angeboten wird.“

  • Freundliche Konsequenz

    „Kinder entwickeln teilweise ausgeklügelte Strategien und Quengeltechniken, um ihre Wünsche bei den Eltern durchzusetzen“, weiß die Psychologin. „Auf die Eltern lauert eine große Falle: Sie wollen, dass sich ihr Kind freut und sie lieb hat. In ein strahlendes Kindergesicht schaut man schließlich lieber als in ein weinendes. Aber Kinder dürfen mit Quengelstrategien keinen Erfolg haben, sondern müssen auch mal ein Nein akzeptieren.“

  • 12.03.2013, 18:46 Uhrklarissimo

    Wieder werden die "Kleinen" für Dumm gehalten dabei sind es die "Großen" wie Rothschild, Rockefeller und nun real verkörpert die EZB, die das System finanziell dehydrieren und so dem Ziel, der Vorgabe von Chicago-1930 folgen: Konsumgesellschaft aufbauen und ein Drittel der Leute aushungern, den Rest LEBEN "WIR" ...phantastico.

  • 12.03.2013, 18:57 UhrSchollsen

    Wie heißt denn die Studie und ist sie öffentlich (vielleicht sogar in englischer Sprache) verfügbar?

  • 12.03.2013, 21:31 UhrTraumschau

    Mhh, kann man unter der Voraussetzung machen, dass die Ökonomen ihre Lehrbücher den Realitäten anpassen. Diese sind aber nicht mal im Angesicht der empirisch zu besichtigenden Katastrophe in Europa bzw. an den Finanzmärkten dazu bereit, ihre Thesen zu überdenken. Wäre das nämlich so, würde eine andere Politik gemacht!
    Aber man schaue sich einen VWL´er wie Brüderle an. Der hat in Wahrheit nichts verstanden. Genauso wie der Sachverständigenrat. Diese beraten doch tatsächlich unsere Regierung zu mehr freiem Markt, weniger Regulierung ...
    als wären die Zeit seit Lehman nie geschehen. Einfach absurd. Diese Leute verstehen nichts von volkswirtschaftlichen Zusammenhängen noch von unserem Geldsystem - was noch wichtiger wäre.
    Aber den Unsinn, den unsere Studenten leider immer noch an den Unis lernen, auch noch unseren Kindern in der Schule beizubringen, ist ein absolutes Desaster!
    NÖ!

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