_

Studiengebühren: Böses Erwachen zu Semesterbeginn

In NRW ist das Studium seit dieser Woche wieder gebührenfrei. Doch die Unis müssen wegen Geldmangels viele Angebote streichen.

von Andreas Dörnfelder
Start des Wintersemesters an der Universität Köln: Eine Studentin liest am Donnerstag (13.10.2011) auf dem Campus der Universität Köln in ihren Unterlagen. Quelle: dpa
Start des Wintersemesters an der Universität Köln: Eine Studentin liest am Donnerstag (13.10.2011) auf dem Campus der Universität Köln in ihren Unterlagen. Quelle: dpa

Seine Semester plant Lucas Welling stets akribisch im Voraus. Aus einer Liste auf der Internetseite der Kölner Universität sucht sich der BWL-Student aus, wann er welche Prüfungen machen kann. Im neuen Wintersemester, das diese Woche begonnen hat, ist die Auswahl für den 25-Jährigen spürbar kleiner geworden. Viele Professoren bieten pro Halbjahr nur noch einen Klausurtermin an. Bislang waren zwei Termine üblich. "Das ist ärgerlich", klagt der angehende Diplomkaufmann. Er kann seine Prüfungen nicht mehr so gut auf das Semester verteilen. "Zwischen den einzelnen Klausuren habe ich weniger Freiraum fürs Lernen."

Anzeige

Zehntausenden Studenten an NRW-Unis geht es ähnlich: Überall im Bundesland schränken Hochschulen ihre Angebote ein. Sie streichen Assistentenstellen, lassen Tutorien ausfallen und kaufen weniger neue Bücher für die Bibliotheken. Weil die Einnahmen aus den Studiengebühren wegfallen, fehlt es schlicht an Geld. Allein bei der Kölner Wiso-Fakultät fallen zehn Assistentenstellen weg.

Hier bestellen Handelsblatt Ökonomie-Newsletter

Aktuelle Forschungstrends aus VWL und BWL per E-Mail -der kostenlose Ökonomie-Newsletter des Handelsblatts informiert sie einmal pro Woche. Für den Bezug melden Sie sich bitte auf der Handelsblatt-Webseite an (Account einrichten) und wählen dann unter den verschiedenen Newslettern den Ökonomie-Newsletter aus.

Hier bestellen: Ökonomie-Newsletter

Seit Herbst 2006 mussten Studenten in NRW bis zu 500 Euro pro Semester bezahlen. Die neue rote-grüne Landesregierung hat diese Gebühren wieder abgeschafft. Den Hochschulen hatte die Politik versprochen, den Ausfall der Studiengebühren auszugleichen, damit "die Qualität der Lehre gesichert wird", wie NRW-Wissenschaftsministerin Svenja Schulze 2010 betonte. 249 Millionen Euro stehen dafür bereit. So hoch war das Gebührenaufkommen im Jahr 2009.

Doch eine Handelsblatt-Umfrage unter sämtlichen Universitäten in Nordrhein-Westfalen zeigt: Die Summe reicht hinten und vorne nicht. Fast überall fehlt Geld durch den Wegfall der Campus-Maut. An fünf Hochschulen klafft eine Lücke von 15 Prozent und mehr gegenüber den bisherigen Gebühreneinnahmen. Der Wuppertaler Uni-Sprecher Michael Kroemer wirft der Landesregierung daher den "Bruch des Wahlversprechens" vor.

  • Video

Politik Bundestag stärkt Organspende

Krankenversichterte ab 16 Jahren werden in Zukunft häufiger gefragt, ob sie Organspender werden wollen. Dieses Gesetz hat der Bundestag mit großer Mehrheit verabschiedet - und noch einige weitere Entscheidungen gefällt.

  • Die aktuellen Top-Themen
Kontrolle weiter abgelehnt: Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Iran plant Bau eines neuen Atomkraftwerks

Der Iran bleibt beim Atomprogramm stur: Kontrolleuren wird nach wie vor der Zugang zu den Anlagen verweigert - gleichzeitig kündigte die Regierung nun den Bau eines neuen Kernkraftwerks an. Streit ist vorprogrammiert.

Umfragewerte: Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Union sinkt in der Wählergunst auf 32 Prozent

Ganze drei Prozent verliert die Union in einer aktuellen Umfrage. Mit nur 32 Prozent Zustimmung muss Merkels Partei sogar aufpassen, nicht von der SPD eingeholt zu werden. Doch aus der Partei kommen optimistische Töne.

Wird Strom teurer?: Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Koalition sorgt sich um Kosten der Energiewende

Der neue Bundesumweltminister Peter Altmaier will mehr Tempo bei der Energiewende. Es ist eine Herkulesaufgabe. Nun drohen auch noch die Kosten auszuufern. Ein Zurück zur Atomkraft soll es aber nicht geben.

Global Reporting Krieg gegen Krankenhäuser

An einem Sonntagmorgen im Sommer 2011 wollte der 21-jährige Syrer Khaled al-Hamedh Medikamente für seinen kleinen Bruder besorgen. Khaled machte sich auf den Weg zu einem Krankenhaus in seiner Heimatstadt Hama. Die Apotheken in Hama waren... Von Jan Dirk Herbermann. Mehr…

Handelsblog Feuert die Dicke Bertha in die falsche Richtung?

Ein Kernproblem im Euro-Raum ist, dass es in den Krisenstaaten einen gefährlichen Link gibt zwischen dem Bankensystem und den Staatsfinanzen dieser Länder. Geldinstitute in Griechenland, Spanien, Irland und anderen Ländern stehen mit dem... Von Olaf Storbeck. Mehr…

  • Konjunkturtermine
Konjunkturtermine: Wochenvorschau

Wochenvorschau

Die wichtigsten Ereignisse und Indikatoren in Europa und International