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Tyler Cowen: Der Theoretiker des Stillstands

Der US-Ökonom Tyler Cowen ist mit einem Blog, einem E-Book und einer unbequemen These berühmt geworden. Er sagt den USA das Ende des Wirtschaftswachstums voraus.

von Christine Mattauch
Die US-Wirtschaft steht laut Cowen vor der Stagnation. Quelle: dpa
Die US-Wirtschaft steht laut Cowen vor der Stagnation. Quelle: dpa

Fairfax /Falls ChurchDer Guru des Abstiegs ist ein rundlicher, gut gelaunter Mann, der selbst noch ein bisschen über seine Erkenntnisse staunt. "Ich bin eigentlich mein ganzes Leben Optimist gewesen", sagt Tyler Cowen. Bis er sich in diesem Winter etliche US-Wirtschaftsstatistiken genauer ansah - und zu einem beklemmenden Befund kam: Amerika geht das Wirtschaftswachstum aus.

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Diese These packte Cowen in einen Text von 15 000 Worten, versah ihn mit der Überschrift "The Great Stagnation" und veröffentlichte ihn als E-Book. Das Werk, verkauft zum Preis von 3,99 Dollar, wurde ein Weltbestseller und machte Tyler Cowen zum "angesagtesten Ökonomen der USA" ("Businessweek"). Zu Kopf gestiegen ist ihm der Ruhm nicht. Im offenen, dunkelblauen Hemd sitzt er in der äthiopischen Sportsbar "Eyo", gelegen in einer schäbigen Einkaufszeile im Washingtoner Vorort Falls Church.

Geduldig verhandelt Cowen mit der Serviererin über die Bestellung: "Gemüseplatte, Hühnchen und Lamm, eine Extraportion gelbe Linsen". Er isst mit den Fingern, und die Geschicklichkeit, mit der Cowen mit Fladen und Fleisch hantiert, lässt ahnen: Hier ist er häufiger zu Gast.

Sicher, auch vor der "Great Stagnation" ist Cowen kein Unbekannter: Er schreibt Kolumnen für die "New York Times", betreibt mit Alex Tabarrok das viel gelesene Blog "Marginal Revolution", hat 15 Bücher veröffentlicht.

Doch gemessen an Koryphäen wie Paul Krugman und Robert Shiller stand der 49jährige Cowen eher in der zweiten Reihe. Mit seiner These von der "Großen Stagnation" hat sich das geändert - denn Cowen hat einen Nerv getroffen. In den USA fragen sich viele, wo die wirtschaftliche Stärke des Landes geblieben ist. Cowen ist überzeugt: Die Quellen, die in den vergangenen Jahrzehnten für hohes Wachstum gesorgt haben, sind versiegt.

BIP-Veränderung USA

In der Vergangenheit sei es für die USA einfach gewesen, hohes Wachstum zu erzielen. Früher habe es große technische Innovationen gegeben, billiges Land und - ausgehend von sehr niedrigem Niveau - gewaltige Forschritte beim Bildungsniveau. Diese "niedrig hängenden Früchte" seien jetzt abgeerntet, und die Zeit der revolutionären Erfindungen und Entdeckungen sei vorbei. "Wir leben auf einem technologischen Plateau." Viele Menschen sähen daher die Aussichten für die US-Wirtschaft zu rosig. "Sie denken, die USA werden ewig und mit hohen Raten wachsen. Das ist ein Irrtum."

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