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Urs Schweizer: „Schon vor Jahren haben uns manche abgeschrieben – zu Unrecht“

Urs Schweizer leitet die Bonn Graduate School in Economics, das älteste und renommierteste VWL-Doktorandenprogramm. Olaf Storbeck sprach mit ihm über die Lage der Bonner VWL.

Handelsblatt: Jahrzehntelang war Bonn in Deutschland die unbestrittene Nummer eins in der VWL. Jetzt hat Mannheim sie überholt. Woran liegt das?

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Urs Schweizer: Wir haben im Moment acht freie Stellen für Professoren und Junior-Professoren – und sehr hohe Ansprüche an die Bewerber. Zuletzt hatten wir etwas Pech: Jacob Goerre hat sich in letzter Sekunde gegen Bonn und für Zürich entschieden.

HB: Weil Ihr Angebot nicht attraktiv genug war?

Schweizer: Ich glaube nicht. Bei solchen Entscheidungen spielen immer auch persönliche Gründe eine Rolle. An den Konditionen, die wir bieten, kann es nicht gelegen haben. Wir bieten Forschungsgelder, da können Sie nur staunen. Vor allem, wenn man es damit vergleicht, wie zum Beispiel Reinhard Selten vor 15 Jahren auch nach seinem Nobelpreis behandelt wurde. Trotzdem gelingt nicht jede Berufung.

HB: Sind Ihre Ansprüche zu hoch?

Schweizer: Nein, da dürfen wir nicht weich werden. Wir müssen so lange suchen, bis wir die richtigen Leute haben. Vor 20, 30 Jahren war das übrigens nicht anders: Auch damals wurde in Bonn manche Stelle erst im dritten Anlauf besetzt.

HB: Erleben wir derzeit den Anfang vom Ende der Bonner Dominanz?

Schweizer: Eine der großen Stärken Bonns ist es, dass wir über viele Jahrzehnte eine außerordentliche Stabilität haben. Schon vor Jahren, nach den Emeritierungen von Hildenbrand und Selten, haben uns manche abgeschrieben – heute ist klar: zu Unrecht.

HB: Aber die Konkurrenz wächst, auch bei den Graduiertenschulen.

Schweizer: Das stimmt. Aber schauen Sie sich mal an, wo die Kollegen, die an den anderen Universitäten aktiv sind, studiert, promoviert oder habilitiert haben. Da sitzen überall ehemalige Bonner. Wir dagegen warten noch darauf, dass uns die neuen Graduiertenschulen in vergleichbarem Umfang Gutes tun.

HB: Ist Bonn zu einseitig auf Mikro-Theorie ausgerichtet?

Schweizer: Na ja, wir sind auch in der experimentellen Wirtschaftsforschung sehr stark. Momentan bauen wir auch unsere Makro-Gruppe aus. Das Problem dabei ist: Es gibt auf dem Gebiet der Makroökonomie keine Uni, die so wie Bonn in Mikro seit Jahrzehnten erstklassige Forscher ausgebildet hat. Das Angebot an hochkarätigen Makroökonomen ist viel geringer.

  • 16.12.2010, 14:54 UhrAnonymer Benutzer: Bonner

    So isser halt der Urs, aber er hat voellig recht damit!

  • 19.03.2010, 19:26 UhrAnonymer Benutzer: Berliner

    Ganz schön selbstgefällig, dieser Professor Schweizer. Das verheißt nichts Gutes für die bonner Z(uk)unft.

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