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US-Studie: Die Wahrheit über Mindestlöhne

Deutsche Wirtschaftswissenschaftler verkaufen es gern als ein ökonomisches Naturgesetz: Wenn der Staat Mindestlöhne vorschreibt, vernichtet er damit Arbeitsplätze. Doch neue Studien zeigen, dass die Wahrheit komplizierter ist.

Bauarbeiter in Stuttgart: In vielen deutschen Betrieben werden die gesetzlichen Mindestlöhne unterlaufen. Quelle: dpa
Bauarbeiter in Stuttgart: In vielen deutschen Betrieben werden die gesetzlichen Mindestlöhne unterlaufen. Quelle: dpa

LONDON. Deutsche Wirtschaftswissenschaftler verkaufen es gern als ein ökonomisches Naturgesetz: Wenn der Staat Mindestlöhne vorschreibt, vernichtet er damit Arbeitsplätze. Unweigerlich und in jedem Fall. Eindringlich warnten die Chefs von sieben Wirtschaftsforschungsinstituten 2008 vor einem „staatlichen Lohndiktat“. Denn dies würde zu „erheblichen Beschäftigungsverlusten“ führen. Bis heute haben sie ihre Meinung nicht geändert.

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Dabei ist die Wahrheit deutlich komplizierter. Der Zusammenhang ist längst nicht so klar, wie die Professoren suggerieren.

So zeigt eine jetzt veröffentlichte Mammut-Untersuchung des Arbeitsmarkt-Forschungszentrums der US-Eliteuniversität Berkeley: Höhere Mindestlöhne haben in den Vereinigten Staaten in den vergangenen 16 Jahren keine Jobs vernichtet. „Wir finden keine negativen Beschäftigungseffekte“, lautet das Fazit der Arbeit mit dem Titel „Minimum Wage Effects Across State Borders“.

Wissenschaftlicher Meilenstein

Methodisch haben die Autoren der Studie Neuland beschritten: Niemand zuvor hat die Wirkungen von Mindestlöhnen auf dem US-Arbeitsmarkt so umfassend, so detailliert und so gründlich untersucht wie das dreiköpfige Forscherteam um den Berkeley-Professor Michael Reich.

Arbeitsmarktforscher halten die Arbeit, die in der aktuellen Ausgabe des renommierten „Review of Economics and Statistics“ erschienen ist, daher für einen wissenschaftlichen Meilenstein: „Es handelt sich um eine der besten und überzeugendsten Mindestlohn-Studien der vergangenen Jahre“, lobt Harvard-Professor Lawrence Katz.

Die Wissenschaftler können dadurch alte Widersprüche in der Mindestlohn-Forschung aufklären und ein deutlich verlässlicheres Bild über die Effekte von gesetzlichen Lohnuntergrenzen zeichnen. „Der verwendete Datensatz ist weit umfangreicher, der methodische Ansatz breiter als in früheren Untersuchungen“, sagt Joachim Möller, Direktor des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).

Inhaltlich bestätigen die neuen Ergebnisse Studien, die seit einigen Jahren immer wieder die negativen Folgen von moderaten Mindestlöhnen für die Beschäftigung infrage stellen – hauptsächlich am Beispiel der USA und Großbritannien, aber vereinzelt auch für Deutschland. So stellte IAB-Chef Möller im Jahr 2007 fest: Die in der Bauindustrie geltenden Mindestlöhne haben zumindest in Westdeutschland keine Jobs vernichtet.

  • 07.11.2011, 18:13 UhrAnonymer Benutzer: JosefSpitz

    Man könnte gerade glauben, die hätten das Rad neu erfunden oder zumindest ewig gültige Marktgesetze widerlegt.
    Interessant ist hier nur der letzte Satz des Artikels:

    „Wenn bei der Höhe des Mindestlohns nicht überzogen wird, sehe ich nur Vorteile.“

    Damit ist die ganze Studie und der Wirbel, der hier gemacht wird, ad absurdum geführt, denn die Natur kann man halt doch nicht überlisten.
    Was bedeutet "nicht überzogen"?
    Ganz einfach: Wenn der Mindestlohn zu niedrig angesetzt wird, ist er überflüssig, wenn er zu hoch angesetzt wird, kostet er Arbeitsplätze.
    Das hatten wir auch vor der Studie schon gewusst.

  • 04.11.2011, 16:23 UhrIlloinen

    Mindestlöhne in Deutschland müssten mindestens 9,36 Euro brutto pro Stunde Zurzeit betragen, um im Alter nicht auf Grundsicherung sprich Sozialhilfe angewiesen zu sein. Und auch nur dann, wenn man volle 45 Jahre eingezahlt hat.

  • 03.11.2011, 13:30 UhrAnonymer Benutzer: Maik

    Lieber Herr Storbeck, aus welchem Grund wird ein fast ein Jahr alter Artikel unter derselben Adresse nur mit neuem Datum versehen? Gab es irgendwelche Änderungen an dem Artikel?

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